St. Gallen

08. September 2010 15:51; Akt: 08.09.2010 17:50 Print

Richter urteilen über fatalen Tauchgang

Wegen eines tödlichen Tauchgangs in Rorschach SG wurde ein Tauchlehrer verurteilt. Dagegen appellierte er ans St. Galler Kantonsgericht.

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Im August 2007 hat sich in Rorschach ein tödlicher Tauchunfall ereignet. Der Tauchlehrer wurde dafür verantwortlich gemacht und vom Kreisgericht zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Gegen das Urteil appellierte er am Mittwoch am Kantonsgericht St. Gallen.

Der Tauchlehrer, der über ein Zertifikat als Instruktor und rund 450 Tauchgänge verfügte, stieg am Unfalltag mit zwei Tauchschülern ins Wasser. Beide hatten schon erste Grundausbildungen gemacht und wollten weiterführende Erfahrungen sammeln.

Probleme mit Maske

Laut Anklageschrift starteten die drei Männer ihren Tauchgang kurz vor 19 Uhr. Das spätere Opfer bekam zweimal Probleme mit der Maske. Er konnte das eindringende Wasser jedoch wieder ausblasen. In einer Tiefe von sieben bis zehn Metern gab es erneut Probleme. Der Taucher gestikulierte heftig und wollte sofort auftauchen.

Der Instruktor hielt ihn zunächst zurück, um ein Barotrauma bei zu schnellem Auftauchen zu verhindern. Er stellte fest, dass sich sein Tauchschüler nicht mehr rührte und das Mundstück des Atemreglers ausgespuckt hatte. Er startete daraufhin einen kontrollierten Aufstieg und drückte ihm wiederholt den Reserve-Atemregler in den Mund, ohne dabei die Luftdusche zu betätigen.

Tauchlehrer nicht über Rechte aufgeklärt

Der Angeklagte wurde noch auf dem Unfallplatz befragt. Dabei sei sein Mandant nicht auf seine Rechte aufmerksam gemacht worden, betonte der Verteidiger des Angeklagten vor dem Kantonsgericht St.Gallen. Man habe ihn nicht informiert, dass er die Aussage verweigern und einen Verteidiger beiziehen könne.

Der Hinweis der Vorinstanz, der Mann sei lediglich als Auskunftsperson und nicht als Angeklagter vernommen worden, sei falsch. Sein Mandant habe nach dem Unfall einen Schock erlitten, deswegen sei eine psychiatrische Behandlung nötig geworden.

Der Verteidiger forderte auch Beweisergänzungsanträge. Die Todsursache sei durch die vorhandenden Gutachten nicht wirklich klar. Es sei nicht erwiesen, dass sein Mandant tatsächlich falsche oder zu späte Hilfe geleistet habe.

Wider besseren Wissens

Der Untersuchungsrichter verneinte einen formellen Rechtsfehler. Der Angeklagte sei zunächst tatsächlich nur als Auskunftsperson vernommen worden. Beim Tauchgang habe er als ausgebildeter Instruktor wider besseren Wissens gehandelt.

Statt den Schüler zurückzuhalten, hätte er einen kontrollierten Aufstieg einleiten müssen. Der Verteidiger forderte einen Freispruch, die Anklage eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 90 Franken. Die Vorinstanz hatte den Mann zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 90 Franken verurteilt. Das Urteil des Kantonsgerichts steht noch aus.

(sda)