Wil SG

04. Juni 2019 17:03; Akt: 04.06.2019 17:25 Print

SBB wirft Zuggäste raus, um Verspätung aufzuholen

Mehrere SBB-Fahrgäste sind sauer: Vergangenen Mittwoch wurde kurzfristig ein Halteort gestrichen und so endete die Reise für mehrere Passagiere in Winterthur ZH statt Wil SG.

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«Wir Wiler sind offenbar keine Fahrgäste sondern lästige Drittklasspassagiere, die gefälligst froh sein sollen, irgendwann doch noch mitfahren zu dürfen», ärgert sich ein User in einer lokalen Facebook-Gruppe. Dabei bezieht er sich auf einen Vorfall, der sich vergangenen Mittwochnachmittag (29.05.2019) ereignete.

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Finden Sie es gerechtfertigt, wenn die SBB einen Halt ausfallen lässt?

Mehrere Reisende waren im Intercity von Zürich nach St. Gallen unterwegs, als sie kurzfristig erfuhren, dass der Bahnhof Wil wegen einer Verspätung nicht befahren werden kann. So sollen die Fahrgäste, die nach Wil wollten, in Winterthur «aus dem Zug geworfen» worden sein. Der betroffene Passagier erntete für die geteilte Erfahrung einiges an Zuspruch. «Typisch SBB halt» und weiter ähnliche Bemerkungen stehen unter dem Posting in den Kommentaren. «Darf die SBB denn so etwas machen und einfach eine Haltestelle streichen und die Passagiere 'usserüere'?», fragt eine andere Userin.

Türstörung brachte rund 15 Minuten Verzögerung

Auf Anfrage des «St. Galler Tagblatts» bestätigen die SBB den Vorfall. In Zürich Oerlikon sei es beim betreffenden Zug zu einer Türstörung gekommen, weshalb sich die Abfahrt um 15 Minuten verzögerte. «Aus betrieblichen Gründen entschied darum die Betriebszentrale, diese Verspätung bis St.Gallen wieder aufzuholen», wird Mediensprecher Daniel Pallecchi zitiert.

Grund dafür war, dass der Zug ab dem Endbahnhof St. Gallen direkt wieder in Richtung Lausanne verkehrte. Hätten man die Verspätung nicht aufgeholt, hätten mehrere tausend Passagiere zwischen St.Gallen und Lausanne Verspätungen erlitten und ihre Anschlüsse verpasst. Um den vielen Menschen diese Verspätung zu ersparen, entschied man sich, auf den Halt in Wil zu verzichten.

Nicht der erste Vorfall

Mit dem Zug wären die Reisenden trotz Verspätung um 17.40 Uhr in Wil angekommen. Der Nächstmögliche hätte um 17.55 Uhr gehalten. Doch auch daraus wurde nichts: «Zum Dank durften wir dann auch noch den halb leeren St.Galler Sprinter ohne uns losfahren sehen», so der Facebook-User.

Es ist nicht das erste Mal, dass die SBB Passagiere zum Aussteigen auffordert. Denn nicht nur Verspätungen, sondern auch eine maximal Auslaustung des Zuges kann zu einer solchen Massnahme führen. Erst vor wenigen Tagen mussten mehrere Personen den Intercity von Biel nach Zürich in Olten verlassen. Laut der SBB ist dies vor allem eine Sicherheitsmassnahme: «Ist der Zug überfüllt, kann eine sichere Evakuierung, etwa in einem Brandfall, nicht gewährleistet werden. Die Sicherheit der Fahrgäste geht in diesem Fall vor», sagte damals Mediensprecher Jürg Grob.

(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fafi Sun am 04.06.2019 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Und so will man Menschen von den Strassen wegholen? Mein Auto fordert mich wenigstens nicht auf auszusteigen.

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  • Tinu Tobler am 04.06.2019 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sichtweise

    Für die Betroffenen ganz klar ein Frust. Doch im Gesamtkontext gesehen logisch. Statt viele, nur wenige Fahrgäste verärgern.

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  • 2019 am 04.06.2019 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verständnis für beide Seiten

    Vielleicht gelingt es ja jedem einmal, zuerst beide Seiten zu verstehen versuchen. Umsteigen zusätzlich ist immer unangenehm für die Fahrgäste. Aber eine Tragödie ist es nicht. Der Fahrplan ist so dicht taxiert, da ist es schwer genug, alles am Laufen zu halten - besonders dann, wenn auch nur ein Glied in der grossen Kette aus welchem Grund auch immer abweichen muss.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas Vögeli am 05.06.2019 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unattraktiv gemachter ÖV

    Der neueste Streich gegen uns Passagiere in der Region Wil. Man lässt einfach einen Zugshalt ausfallen. Nach St.Gallen gab es zu jener Stunde somit 4 Fahrgelegenheiten, nach Wil faktisch gerade mal eine! Seit vergangenen Fahrplanwechsel bleibt man in Wil beim Umsteigen nach St.Gallen volle 21 Minuten hängen. In umgekehrter Richtung die gleiche Zeitverschwendung. So ist der ÖV unattraktiv und viel schlechter geworden. So einen ÖV brauche ich bei bestem Willen nicht.

  • brunschi am 05.06.2019 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Ostschweiz

    Womit wieder einmal bewiesen wird, was für ein Stellenwert die Ostschweiz bei der SBB hat. Leider müssen wir wieder unsere Autos "satteln", denn dieses Vehikel ordert mich nicht auf, auszusteigen., Sauerei!

  • Sofibienli am 05.06.2019 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBB

    Teure Billette und dann Rausschmiss , toll gemacht. Da nehme ich lieber das Auto da weiss ich wann ich ankomme ohne Rausschmiss

  • Nath am 05.06.2019 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Relativität beachten.

    Von Winterthur nach Wil gibt es sehr gute Verbindungen. Der Zug hatte 15 Minuten Verspätung, dann ist also bereits wieder ein anderer Zug nach Wil gefahren.

  • Mike am 05.06.2019 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Linien-Bewilligung

    Jedes private Unternehmen welches sich am öffentlichen Verkehr beteiligen will, muss eine Linien-Bewilligung beantragen bei welcher ein genauer Fahrplan eingereicht werden muss. Wird die Bewilligung für diese Linie erteilt, ist das Unternehmen verpflichtet diesen Fahrplan mit allen Haltestellen und Zeiten einzuhalten. Wenn die SBB einfach so eine Haltestellen auslässt oder einen Zug ausfallen lässt, wird sie grundsätzlich gegenüber dem Kunden Schadenersatzpflichtig weil die verkaufte Dienstleistung (Ankunft an Punkt X um X:XX) nicht erbracht wurde.