Zoff in Partei

29. August 2019 15:55; Akt: 29.08.2019 18:33 Print

SVP fällt eigenem Kandidaten in Rücken

Reto Sonderegger will für die Ausserrhoder SVP in den Ständerat. Die Partei verzichtet auf jegliche Unterstützung. Sie steht hinter FDP-Mann Andrea Caroni.

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Er will gar nicht erst versuchen, es zu verschweigen. Reto Sonderegger gibt offen zu: «Es gibt Meinungsverschiedenheiten. Ich kann aber nicht mehr länger zuschauen.» Nicht mehr länger zuschauen, wie Andrea Caroni von der FDP den einzigen Ausserrhoder Ständeratssitz kampflos erhält. Deswegen habe er sich für eine Kandidatur entschieden, so der Vizepräsident der Herisauer SVP. Er fühle sich in Bern nicht vertreten durch Caroni.

Gerade bei Themen, die ihm sehr wichtig sind wie beispielsweise Migration oder die EU-Politik, denke der FDP-Politiker anders. Zudem meint Sonderegger: «Die FDP greift uns an, also müssen wir reagieren.» Denn die FDP stelle einen Kandidaten für den Nationalrat und greife somit den SVP-Sitz von seinem Parteikollegen David Zuberbühler an.

Keine Rückendeckung

Die SVP des Kantons Appenzell Ausserrhoden fällt Sonderegger in den Rücken. Sie teilt mit, dass sie trotz der Kandidatur weiterhin hinter Caroni stehe. Der Präsident der Herisauer SVP, Christian Oertle, sagt: «Ich verstehe die Kandidatur überhaupt nicht. Sie macht auf allen Ebenen keinen Sinn.» Für ihn ist ausserdem klar: «Mein Kollege Reto muss den Weg alleine gehen.» Heisst: Er bekommt weder finanzielle Unterstützung, noch darf er für den Wahlkampf das Parteilogo verwenden.

Sonderegger lässt dies kalt. Er plane einen Low-Budget-Wahlkampf und wolle Flyer verteilen. Auf grosse Plakate verzichte er. Dennoch glaubt der Herisauer an eine Wahl: «Meine Chancen liegen bei 49 Prozent.» Dass es mit der Partei zur grossen Versöhnung kommt, glaubt er kaum. Für ihn sei die Sache erledigt, er mache das jetzt auf eigene Faust. Ähnlich sieht dies auch sein Parteikollege Oertle. In den letzten Wochen hätten sie versucht, Sonderegger vom Plan abzuhalten. Jetzt sei dies sinnlos: «So wie ich Reto kenne, zieht er das durch.»

Spezielle Unterstützung

Für Andrea Caroni kam die Kandidatur eines SVP-Kandidaten überraschend. Er meint: «Sogar die SVP selber wurde überrumpelt.» Als Konsequenz verstärkt Caroni die Investitionen in die bereits laufende Kampagne. Über die Unterstützung der SVP freut er sich und sagt gleichzeitig: «Es ist schon etwas speziell, dass Herr Sonderegger seine Ambitionen erst ankündigte, nachdem sich seine Partei an der Delegiertenversammlung bereits für mich ausgesprochen hatte.» Noch könnten weitere Kandidaten anderer Parteien folgen. Die SP zum Beispiel will im September entscheiden.

Für den Kanton Appenzell Innerrhoden sitzt übrigens Daniel Fässler von der CVP im Ständerat. Er muss im Herbst nicht um seinen Sitz bangen. In Innerrhoden wählt die Landsgemeinde den Ständerat jeweils schon im April vor den nationalen Wahlen.

(mig)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Renato am 29.08.2019 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Erboster Bürger

    Ist das nicht der gleiche Caroni, der vor jedem verfügbaren Mikrofon hoch und heilig versprochen hat, für eine pfefferscharfe Ausweisung von kriminellen Ausländern einzustehen? Und der gleiche Caroni hatte steif und fest behauptet, dass Härtefälle nur in ganz wenigen Ausnahmen zur Anwendung kommen werde. Heute weiss man, dass das alles nicht stimmt. Ständerat Caroni sollte abgewählt werden !

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  • Ernesto am 29.08.2019 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Lauter Luft

    Andrea Caroni ist nichts anderes als ein Schwätzer ansonsten hat er bis heute noch nie etwas zu Stande gebracht.

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  • Hs am 29.08.2019 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja und

    Jeder hat doch das Recht zu kandidieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gregor Ricciardi am 30.08.2019 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Konkurrenz schadet nicht

    Konkurrenz schadet nicht. A. Caroni hört sich selbst am liebsten gerne reden, weiss alles, kann alles und scheint sich darauf eingerichtet zu haben jahrelang der allein selig machende Politiker in der Ostschweiz zu sein. Nun wäre ich im Appenzell meine Stimme hätte er nicht.

  • Sepp am 30.08.2019 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasserprediger

    Caroni ist per se nicht glaubwürdig! Wasser predigen, Wein trinken. Auch er schwebt auf dieser Öko Hysterie, jedoch sein neu gebautes Haus ist alles andere als ökologisch...

  • Andreas Nobel am 29.08.2019 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komische Ansichten

    Dieser Caroni hat teilweise sonderbare Ansichten, aber er scheint die Wähler irgendwie davon ablenken zu können.

  • Alice Schwarzenegger am 29.08.2019 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    Petra Gössi und Laura Zimmermann

    Sind wie Eva im Paradies beisst in den sauren Apfel ihr werdet dann sehen was Passiert !

  • Bürger am 29.08.2019 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    SVP das Heilmittel der Schweiz

    Die SVP ist der Wilhelm Tell der Schweiz vielleicht nicht perfekt, aber die Richtung stimmt, jedenfalls für mich. Sie bringt wieder die Sonne zum vorschein und vertreibt die Grünen, Blauen und Roten Giftwolken die uns krank und arm machen aus der Schweiz. Die Grünen sind eine gefahr für den Gesellschaftlichen Frieden der Schweizer Eidgenosssen nur dank dennen haben wir weniger im Portemonnaie wollt ihr das ???