Victorinox

04. Mai 2015 05:58; Akt: 04.05.2015 05:58 Print

Sackmesser-Pädagoge will Schnitzfieber verbreiten

Der St. Galler Felix Immler (40) will Kindern das Schnitzen mit dem Sackmesser näherbringen. Jetzt gibts ein neues Buch von ihm. Der Victorinox-Chef ist ebenfalls von ihm begeistert.

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Er zieht durch das Land, um Kindern den Umgang mit einem Symbol für Swissness beizubringen: Dem Taschenmesser. Angefangen hat alles, als Felix Immler, Naturpädagoge aus St. Gallen, 2012 in einem Kinderheim arbeitete: «Wir mussten raus und mit den Kindern etwas im Wald machen. Schnell habe ich gemerkt, dass viele nicht wissen, wie man mit einem Sackmesser umgeht, obwohl die Kinder vom Werkzeug begeistert waren.» So entschloss er sich, ein Buch zu schreiben: «Werken mit dem Taschenmesser.» Danach hätten ihn viele wegen Workshops angefragt. Nur: Mit dem Verdienst vom Buch und den Workshops konnte er sich aber kaum über Wasser halten.

Victorinox-Chef besuchte Schnitz-Kurs

«Weil ich neben meiner damaligen Arbeitstelle im Kinderheim zusätzlich noch viele Schnitzworkshops gab, setzte mir meine Frau letzten Sommer die Pistole auf die Brust», so Immler. «Sie sagte, wir haben zwei Kinder und verbringen kaum Zeit miteinander.» Eine ungewöhnliche Begegnung sollte dies jedoch ändern: «In einem Schnitz-Kurs nahm Carl Elsener, CEO von Victorinox, teil», so Immler. «Nach dem Kurs habe ich ihm meine Situation dargestellt. Er bot mir gleich eine Stelle an.» Deshalb habe er seinen Job im Kinderheim gekündigt und ist seit letzten September bei Victorinox tätig. «Ich würde meine Position als Sackmesser-Pädagoge bezeichnen. Ich gebe nicht nur Kurse, sondern bin auch Botschafter für Victorinox und verbreite das Schnitzfieber.»

Neues Buch ab Montag im Handel

Inzwischen liegt sein zweites Buch vor: «Es ist für mich eine Herzensangelegenheit.» Es trägt den Titel «Outdoor mit dem Taschenmesser» und ist ab Montag in vielen Buchläden sowie in Victorinox-Shops erhältlich. In seinem ersten Buch wurden noch Sicherheitsregeln wie «wer schnitzt, der sitzt» definiert und Taschenmesser-Projekte für Anfänger vorgestellt. Für Fortgeschrittene gibt es die Anleitung zum Bau eines Flosses oder eines Wasserrads, eines Rennwagen oder einem fliegenden Propeller. Am Schluss wird die Sackmesserprüfung erklärt.

Das aktuelle Buch gehe nun einen Schritt weiter: «Komm wir gehen raus, bauen ein Camp und richten es uns gemütlich ein.» Darin gibt es Anleitungen zur Herstellung von Werkzeugen, Lagerbauten und Küchenutensilien. Zum Beispiel einen durch Wasserkraft betriebenen Pouletgrill, einen Kochtopf aus Rinde oder eine Hängematte.

Eines hätten die beiden Bücher aber ganz klar gemeinsam: «Es sind beides Bücher, wo Erwachsene und Kindern gemeinsam etwas machen. Wo macht man denn noch was zusammen? Kaum! Wir gehen beispielsweise ins Kino, aber das ist Konsum und nicht Machen.» Laut Immler ist es wichtig, seine Kinder nicht alleine mit dem Sackmesser losziehen zu lassen: «Da kann schnell etwas schiefgehen, wenn die Kinder den korrekten Umgang nicht gelernt haben.»

«Der schönste Tag in meinem Leben»

Dennoch lässt es sich auch unter Aufsicht nicht immer vermeiden, dass es zu kleineren Zwischenfällen kommt. Auch bei seinen Schnitz-Kursen. «Das ist wie, wenn ein Kind Velo fahren lernt. Manchmal stürzt man und verletzt sich.» Ein Kursteilnehmer musste sogar ins Spital zum Nähen. «Danach kam er aber sofort wieder zurück zum Schnitz-Kurs.»

Das Feedback auf seine Kurse sei sehr positiv. «Einmal kam ein Bub zu mir und sagte, ‹du Felix, das war der schönste Tag in meinem Leben›. Es hat mich so stolz gemacht.»

(qll)