Callgirl-Prozess

29. September 2010 08:55; Akt: 29.09.2010 16:35 Print

Sadist Mike biss, stach und würgte die Frauen

Der 43-jährige Mike A. soll 2008 das Callgirl Ladarat Chitphong getötet haben. Laut Gutachtern quälte er schon früh Tiere und liebt es Blut zu sehen.

storybild

An dieser Strassenkreuzung in Märstetten TG soll der Angeklagte Mike A. am 27. August, kurz nach Mitternacht, auf das Callgirl Ladarat Chitphong gewartet haben. (Bild: Annette Hirschberg)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am zweiten Prozesstag gegen Mike A. kommen forensische Psychiater zu Wort, die Gutachten über den Angeschuldigten erstellt haben. Christian Benz erklärt, dass Mike A. «sexuelle Lust am Leiden anderer verspürt». Dieser sexuelle Sadismus zeichne sich dadurch aus, dass Mike A. chronisch Frauen vergewaltige.

Bereits der erste Gutachter, Thomas Knecht, hat ein haarsträubendes Bild von Mike A. gezeichnet. Schon in der Kindheit habe er eine ausgeprägte Vorliebe fürs Blut und das Quälen gezeigt. Er habe Fische aufgespiesst und Mäuse mit Strom getötet. Auf seine Kollegen habe er grossen Druck ausgeübt mit ihm Blutsbrüderschaft zu schliessen. «Man kann bei Mike A. von einer Hämatophilie reden», sagt Knecht. Blut zu sehen, bereite ihm Lust.

Würgen, Nadeln und Messer beim Sex

Zu seinen Verbrüderungsopfern sollen auch Frauen gehört haben. Im Zusammenhang mit der Tötung einer 27-jährigen Frau in Kreuzlingen im Jahr 1989 (siehe Box) wurde Mike A. zum ersten Mal von zwei weiteren Frauen beschuldigt, sie beim sexuellen Akt mit Messern verletzt und gewürgt zu haben. Zudem soll er einem Opfer Nadeln in die Brüste gestochen haben. 1998 hatten dann bereits sieben Partnerinnen von Mike A. von Übergriffen und sexueller Gewalt berichtet. Dabei verwendete er Messer, biss die Frauen, drückte ihnen Kissen ins Gesicht oder erzwang ihre Ohnmacht durch Würgen.

Während die Gutachter Mike A. als sadistisches Monster beschreiben, sitzt der Angeschuldigte starr und teilnahmslos da. Nach vorne geneigt, die Hände auf dem Tisch verschränkt, blickt er mit käseweissem, versteinertem Gesicht geradeaus - gerade so, als ob ihn das alles gar nichts angeht.

Der 43-jährige Schweizer steht wegen der vorsätzlichen Tötung des Callgirls Ladarat Chitphong am 27. August 2008 vor Gericht. Am zweiten Prozesstag geht es um die Therapierbarkeit und die Rückfallgefahr von Mike A. Die Staatsanwältin Deborah Schalch hat beantragt, Mike A. lebenslänglich zu verwahren.

Sehr hohe Rückfallgefahr

Laut Gutachter Thomas Knecht hat Mike A. eine sadistische Neigung. Darum attestiert er ihm eine hochgradige Rückfallgefahr. «Er hat eine sexuelle Triebanomalie, die ihm Lust bereitet», so Knecht. Für den Angeklagten sei denn auch das Töten ein Selbstzweck. «Mike A. verspürt Lust am Töten und wird darum eine ähnliche Tat wieder begehen.»

Die Wahrscheinlichkeit, dass Mike A. wieder ein Tötungs- oder Sexualdelikt verübe, sieht auch Gutachter Christian Benz als sehr hoch an. Auf der Fotres-Prognose-Skala von 0 bis 4 erreiche der Angeklagte bezüglich der Rückfallgefahr das Maximum von 4. «Das ist sehr selten», so Benz. Er rät denn auch den Angeklagten zu verwahren. Unter anderem auch, weil er jede Therapie verweigere. «Aber auch bei einer Therapierbarkeit würde die damit erzielte Veränderung die Rückfallgefahr nicht ausreichend mindern», so Benz.

Erdrückende Beweise

Am Tag zuvor hatte die Staatsanwältin Deborah Schalch in ihrem Plädoyer die Indizien aufgeführt, die den nicht geständigen Mike A. relativ klar überführen. DNA-Spuren und Blut des Opfers wurden in der Wohnung des Täters, im Treppenhaus und auf seinem Mofa gefunden. Auch an Mike A. konnte die DNA von Ladarat Chitphong festgestellt werden: Am Penis und unter den Fingernägeln.

So sagte denn auch Mike A.s Verteidiger Humbert Entress, die Spuren sprächen für die Täterschaft seines Mandanten.

War Tat von Anfang an geplant?

Der Tatverlauf soll sich laut Staatsanwaltschaft so zugetragen haben: Am 27. August 2008 bestellte der arbeitslose Lagerist Mike A. die ihm bereits bekannte Zürcher Prostituierte Ladarat Chitphong zu sich in seine Wohnung nach Märstetten TG, heisst es in der Anklageschrift.

Bleiben sollte die zierliche Thailänderin gleich die ganze Nacht – obwohl Mike A. gar nicht über die dafür nötigen 2200 Franken verfügte. Ob er schon von Anfang an geplant hatte, die Frau umzubringen? Seinen wahren Namen gab Mike A. jedenfalls am Telefon nicht an.

Zwanzig Jahre Haft und Verwahrung

Was in Mikes Wohnung genau geschah, ist unklar. Es kam aber zum sexuellen Akt. Während diesem oder danach stach Mike gemäss Gutachten Ladarat zweimal in die Brust und traf dabei Herz und Lunge. Die 30-Jährige verstarb kurze Zeit später. Kaltblütig soll Mike A. die Leiche der 157 Zentimeter grossen Frau in einen Koffer gepackt, auf sein Töffli gehievt und im Wald eine Böschung hinuntergeworfen haben.

Die Thurgauer Staatsanwältin Deborah Schalch fordert zwanzig Jahre Haft und Verwahrung für den Angeklagten. Der Prozess ist beendet. Das Urteil wird am 7. Oktober verkündet.

(ann)