Beil-Amok

18. Dezember 2018 05:45; Akt: 19.12.2018 14:53 Print

«Ich war ein Tier, ich wollte einfach töten»

Sascha I. (18) hat im Oktober 2017 mehrere Personen mit einem Beil schwer verletzt. Heute steht er vor Gericht. Verfolgen Sie den Prozess im Live-Ticker.

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Der heute 18-jährige Lette Sascha I.* kam 2013 als Familiennachzug in die Schweiz. Hier wohnte er bei seiner Mutter und dem Stiefvater. Im Frühjahr 2017 fiel er erstmals durch Äusserungen von Gewalt- und Amokfantasien auf, wie es in der Anklageschrift heisst. Im Jugendraum, in dem er regelmässig verkehrte, habe er einer Jugendarbeiterin Videoclips von Tötungen und tödlichen Unfällen gezeigt, zudem habe er ihr auch eine selbst gemachte Machete mit der Aufschrift «Kinderschlachter» gezeigt.

Nach den Sommerferien machte I. auch in der Berufsschule beunruhigende Aussagen. So gab er laut Anklage an, er wolle eine Lehre als Metzger machen, dann könne er Tiere schlachten und müsse keine Menschen töten. Auch im Internet und in Chats beschäftigte er sich mit Gewalt- und Amoktaten. Die Jugendarbeiterin sowie die Berufsschule machten eine Gefährdungsmeldung. Im September kam es zu mehreren Gesprächen mit dem Beschuldigten. Im Einverständnis mit den Eltern wurde beschlossen, ihn forensisch psychiatrisch begutachten zu lassen. Doch so weit kam es nicht.

Wollte sich erst selbst töten

Am 22. Oktober 2017 schritt Sascha I. zur Amoktat. An jenem Tag traf er sich noch mit Kollegen, denen fiel weiter nichts auf. Dann gegen 19 Uhr war er laut Anklage zu Hause. Dort habe er versucht, sich das Leben zu nehmen. «Aufgrund der Schmerzen sah er jedoch von einer Selbsttötung ab», steht in der Anklageschrift. Dann packte er seinen Rucksack mit unter anderem einem Teppichmesser und einer Schere, Geld und Ausweisen. Im Keller holte er sich das Beil. Gegen 20 Uhr legte er in seinem Elternhaus einen Brand. «Der Beschuldigte hatte die Absicht, das Einfamilienhaus niederzubrennen und damit seine Mutter zu töten, weil sie ihn geboren hatte», schreibt die Anklage. Das Feuer konnte vor Eintreffen der Feuerwehr gelöscht werden.

Danach ging er zu Fuss zum Postplatz in Flums SG. Dort soll er in «Tötungsabsicht» ein Ehepaar mit Kleinkind mit dem Beil angegriffen haben. Während der Attacke ging ein Passant dazwischen. I. regte sich darüber auf, dass dieser seiner Ansicht nach den Helden spielen wollte und griff ihn sogleich ebenfalls mit dem Beil an.

Ziel war Lettland

Danach ging er zu dessen Frau, die im Auto sass. Nachdem er die Frau attackiert hatte, ergriff er mit dem Auto die Flucht. Wenig später baute er jedoch einen Unfall. Zu Fuss ging er weiter zur Agrola Tankstelle. Laut Anklage wollte er dort ein weiteres Auto stehlen, um nach Lettland zu flüchten. Der Frau, die auf einem Beifahrersitz sass, versuchte er mit der Schere und den Worten «it's just a prank bro» ein Auge auszustechen. Seiner Meinung nach, sei das eine bequeme Art, jemanden auszuschalten. Er traf sie schliesslich mit der Faust im Gesicht. Weil er den Autoschlüssel nicht fand, ging er zum nächsten Auto. Hier sass eine Schwangere am Steuer. Auch sie und eine Frau, die ihr zur Hilfe kam, wurden angegriffen.

Als Sascha I. losfahren wollte, konnte er den Rückwärtsgang nicht einlegen und fuhr in den Shop. Die Polizei nahm ihn dann nach einem Taser- und Schusswaffeneinsatz fest.

Geschlossene Unterbringung

Am Mittwoch muss sich der 18-Jährige nun vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verantworten. Die Jugendanwaltschaft beantragt wegen mehrfachen versuchten Mordes, versuchter Brandstiftung, mehrfacher einfacher Körperverletzung, Sachbeschädigung und mehrfacher Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz eine Freiheitsstrafe von drei Jahren sowie eine Busse von 500 Franken. Ferner soll eine geschlossene Unterbringung angeordnet werden.

* Name der Redaktion bekannt

(taw)