St. Gallen

25. April 2019 04:50; Akt: 26.04.2019 17:39 Print

Schlechter kann man als Fahrschule nicht werben

Ein Auto stand in St. Gallen so schräg am Strassenrand, dass es der Bahn den Weg versperrte. Ein grosser Fahrschule-Aufkleber auf dem Auto sorgte für Gelächter.

Hier sieht man, wie das Auto verschoben wird. (Video: Leser-Reporter)
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Es ist ein brennendes Problem in der Bahnhofstrasse in St. Gallen: Autos parkieren zu nah an den Schienen. Folglich können die Appenzeller Bahnen den Weg nicht passieren und es kommt zu massiven Verspätungen. So geschah es auch am 22. Februar dieses Jahres. Damals handelte es sich jedoch um ein Fahrzeug mit dem Aufkleber einer bekannten St. Galler Fahrschule. Nicht gerade die beste Werbung. Das Video macht derzeit auf Whatsapp die Runde und sorgt für Gelächter.

«Etliche Leute haben zugesehen, wie das Auto von einem Abschleppwagen umparkiert werden musste», sagt eine Verkäuferin, die den Vorfall von einem anliegenden Geschäft aus beobachtet hat. Solche Zwischenfälle gebe es regelmässig vor ihrem Laden. Sie verursachten grossen Lärm und seien eher unangenehm. Dennoch sei es immer wieder ein Spektakel. «Dass das Auto in diesem Fall einen Fahrschule-Aufkleber hatte, macht die Sache doppelt witzig», sagt sie.

Doch nicht nur das: Die betroffene Fahrschule erhielt auch schon Auszeichnungen. Der Fahrlehrer selbst wollte sich auf Anfrage von 20 Minuten nicht äussern, sagt aber, dass es sich nicht um ein Fahrschulauto, sondern um ein Privatfahrzeug handle. Er sei nicht gefahren.

Bahn mit einer halben Stunde Verspätung

Der Stadtpolizei St. Gallen ist der Vorfall bekannt: «Um 15 Uhr wurde uns das Fahrzeug gemeldet», sagt Polizeisprecher Dionys Widmer. Zuerst habe man versucht, den Fahrzeughalter zu erreichen – dies habe aber nicht geklappt. «Gegen 15.30 Uhr wurde das Fahrzeug dann mit dem Abschleppwagen passend in die Parklücke gehoben.» Ironischerweise tauchte die betroffene Lenkerin just in dem Moment auf.

Für die Bahn und ihre Kunden war die Situation sehr mühsam: «Insgesamt hatten wir in diesem Fall 65 Verspätungsminuten», erklärt Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzeller Bahnen. In solchen Fällen organisiere man sofort Bahnersatz-Busse und orientiere die Kunden über die Online-Kanäle und in den Zügen über den Betriebszustand. «Leider kommt es mehrmals jährlich zu solchen Vorfällen», sagt Baumgartner.

20 Franken Strafe pro Minute

Das Ganze ist nicht nur ärgerlich, sondern drückt auch mächtig auf das Portmonnaie des Falschparkers: Ihm wird nämlich für jede einzelne Minute, in der die Durchfahrt versperrt war, eine Gebühr in Höhe von 20 Franken verrechnet. Grund: Betriebsaufwand. Doch dem ist nicht genug: «Von der Polizei kommt eine Parkbusse von 120 Franken dazu», erklärt Polizeisprecher Dionys Widmer.

Wer sein Fahrzeug länger als 60 Minuten dort stehen lässt, werde bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Im Extremfall muss das Auto ganz abgeschleppt werden – dann werden nochmals 300 Franken verrechnet.

(viv)