Prozess

15. Oktober 2015 13:42; Akt: 15.10.2015 13:42 Print

Schweinemäster von Betrug freigesprochen

Ein Schweinemäster ist vom Kreisgericht See-Gaster mangels Beweisen vom Vorwurf des Betrugs freigesprochen worden. Verurteilt wurde er hingegen wegen Tierquälerei.

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Der Schweinemäster soll Schweine in zu engen Buchten gehalten und im Fall von Verletzungen nicht gepflegt haben. (Symbolbild: Tier-im-Fokus.ch)

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Der Angeschuldigte betrieb in der Ostschweiz 15 Schweinemastbetriebe und eine Schweinezucht mit insgesamt 9000 Plätzen. Um die wahren Besitzverhältnisse zu verschleiern, soll der Mann ein Firmenkonglomerat geschaffen und die Leitung der Firmen mit Strohmännern besetzt haben.

Zwei seiner Schweineställe meldete er beim Label «QM-Schweizer-Fleisch» an, das eine tierfreundliche Haltung garantiert. Laut Anklage verkaufte er jedoch sämtliche 18'938 Schweine, die er zwischen Januar 2007 und Mai 2009 gemästet hatte, unter diesem Label – dreimal mehr als er hätte produzieren dürfen.

Lückenhafte Dokumente

Das Kreisgericht See-Gaster sprach den 48-Jährigen vom Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs und vom Vorwurf der Anstiftung zur mehrfachen Urkundenfälschung frei. Mit dem Wegfall des Vorwurfs der Urkundenfälschung falle auch das Tatbestandselement der Arglist für den Betrug weg, schrieb das Gericht am Donnerstag in einer Kurzbegründung.

Aufgrund der lückenhaften Begleitdokumente könne nicht nachvollzogen werden, wie lange ein Schwein vor der Ablieferung in den Schlachthof im jeweiligen Stall gewesen sei. Schliesslich sei auch fraglich, ob tatsächlich ein Vermögensschaden entstanden sei. Die Forderungen der Abnehmer des Fleisches verwies das Gericht auf den Zivilweg.

Schuldig gesprochen wurde der Schweinemäster aber wegen mehrfacher Tierquälerei. Das Gericht verurteilt ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 90 Franken, zudem muss er eine Busse von 350 Franken bezahlen.

Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren, eine Geldstrafe von 31'500 Franken und eine Busse gefordert. «Wir werden vorsorglich Berufung anmelden und eine ausführliche Begründung des Urteils einfordern», sagte Roman Dobler, Sprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Schweine mit abgebissenen Schwänzen

Der Staatsanwalt hatte im September vor Gericht eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren, eine Geldstrafe von 31'500 Franken und eine Busse gefordert. Neben gewerbsmässigen Betrugs und Urkundenfälschung warf die Anklage dem Mäster auch Tierquälerei vor: Viele Schweine aus seinen Betrieben sollen bei der Anlieferung an die Schlachthöfe Verletzungen, abgebissene Schwänze und Zeichen von Vernachlässigung aufgewiesen haben.

Der Angeklagte wies vor Gericht die Vorwürfe zurück. Er habe «nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt», beteuerte er. Die verletzten Tiere habe er von anderen Betrieben übernommen. Er habe als «Auffangstation» gedient, wenn Schweine anderswo ausgesondert werden mussten. Der Verteidiger forderte einen Freispruch in allen wichtigen Punkten.

Zusammen mit dem Schweinemäster stand auch ein Angestellter vor Kreisgericht, der als Tierbetreuer an den Delikten beteiligt gewesen sein soll. Das Gericht verurteilte den Mann wegen mehrfacher Tierquälerei zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 110 Franken.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TPS am 15.10.2015 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu mild

    Schade, dass wieder ein Tierquäler mit Samthandschuhen angefasst wurde. Die Strafe ist viel zu milde und ein Tierhalteverbot wäre zu wünschen gewesen.

  • Vegi am 15.10.2015 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tiere sind ja leider nur immer noch eine Ware

    Und was diese intelligentenTiere in ihrem Leben durchmachten ist mehr wie verachtend! Es wäre interessant zu wissen, wie vieleGrossverteiler um des Geldeswillen beide Augen zudrückten und wo? waren die amtlichen Kontrolleuren?

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  • charlylena am 15.10.2015 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..wann endlich..

    ..frage ich mich kommt das tier zu seinem recht..ich verstehe es einfach nicht..

Die neusten Leser-Kommentare

  • T . R . U . L am 16.10.2015 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Wie respektlos kann man nur zu Tieren sein es sind auch nur Lebewesen , aber bei den meisten Menschen ist ja das Geld immer wichtiger . Man sollte Respekt vor den Tieren haben.

  • Vreni Hauser am 16.10.2015 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arme Nutztiere

    Es gibt Konsumenten, die nach mehr Tierschutz schreien und Billigfleisch kaufen, meist noch importiert oder grad gleich im Ausland gekauft. Es gibt Bauern, denen das Tier egal ist und mehr Profit wollen. Beides geht nicht. Das Opfer ist immer das Tier.

  • bio-esser am 16.10.2015 13:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kreisch-richter

    erstaunt das jemand? bei uns haben tiere leider immer noch keinen wert als lebewesen sondern nur als fleischlieferant. und das wird von solchen urteilen gestützt. die kreisrichter sollen sich schämen.

  • mk am 16.10.2015 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Justiz?

    350.- Busse? Anscheinend ist dieser Richter ein Freund von Tierquälereien. Der müsste alle Ställe eigenhändig putzen gehen. Ev. bekommt er nun sein Leben lang das Fleisch gratis geliefert!

  • Seppl am 16.10.2015 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts bei diesen Dimensionen

    Fleisch muss immer günstiger produziert werden, da können kleine Familienbetriebe nicht mithalten also übernehmen Konzerne langsam die Lebensmittelproduktion. Das ganze natürlich in riesigen ausmassen die nicht mehr überblickbar sind. Bei 900 Stallplätzen mit vorsichtig gerechneten 3 Umtrieben pro Jahr ( Bis 4 sind möglich) sind das 2700 Tiere pro jahr! Den Preis für das Billigfleisch aus den Fabriken zahlen dan die Tiere. Auf den Äckern findet das selbe statt. Man hat als Konsument die Möglichkeit beim kleinen Bauern einzukaufen, der noch Zeit für seine Tiere hat und ihnen Namen gibt, weils eben nicht 1000de sind.

    • marie am 16.10.2015 07:02 Report Diesen Beitrag melden

      an seppl

      Da bin ich voll und ganz ihrer meinung, gut beschrieben!

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