Coronavirus

22. März 2020 18:58; Akt: 22.03.2020 18:58 Print

Schweizer Ärzte stecken in Kamerun fest

Ein Plastischer Chirurg aus Kreuzlingen war in Kamerun in einem humanitären Einsatz. Nun kann er mit seinem Team wegen des Coronavirus das Land nicht mehr verlassen.

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«Wir stecken seit über einer Woche in unserem Haus fest», so der Plastische Chirurg Volker Wedler aus Kreuzlingen TG. Wedler reiste für einen humanitären Einsatz am 13. März mit seinem Team nach Bafoussam in Kamerun. Gemeinsam operiert Wedler mit seinem neunköpfigen Team unter dem Verband Interplast Switzerland in der Freizeit und unentgeltlich in Krisengebieten. Das Team besteht aus erfahrenen Plastischen Chirurgen, Anästhesisten und OP-Schwestern aus der Schweiz.

Den Einsatz in Bafoussam musste das Team aufgrund des Coronavirus abbrechen. «Wir haben keine Patienten mehr gekriegt, da unsere Tätigkeiten keine Noteingriffe sind», so Wedler. Aufgrund der aktuellen Lage wohnt das ganze Team nun in einem Haus in Douala. «Der Präsident von Kamerun hat die Grenzen dicht gemacht und bis auf weiteres alle Flughäfen schliessen lassen. Wir haben mehrmals versucht, zurückzukehren, hatten aber keine Chance», so der Kreuzlinger. Auch die Botschaften könnten den Ärzten die Ausreise derzeit nicht ermöglichen.

Tägliche aggressive Äusserungen

«Wir werden jedesmal auf der Strasse von den Einheimischen angeschrien, dass wir 'kranken Weissen' das Coronavirus mit ins Land gebracht hätten», sagt Wedler über seine Erfahrungen vor Ort. Oft würden die Ärzte auch mit «Corona! Corona!» angesprochen. «Aus diesem Grunde meiden wir die Öffentlichkeit», so der Plastische Chirurg. Abgesehen von den aggressiven Äusserungen sei eine Kollegin ausgeraubt und leicht verletzt worden. Ihr wurde gar der Pass entwendet. «Das erschwert natürlich die ganze Situation», so Wedler.

Die Lage in Douala sei momentan noch eher ruhig. Obwohl der Präsident Massnahmen gegen das Coronavirus verordnet hat, würden sich die Bewohner nicht an diese halten. «Ich hoffe, dass es sich hier nicht so stark ausbreitet wie in Europa», so Wedler.

Sorge um Nahrung und Medizin

Noch sei die Gruppe gut versorgt und könne ihre Zeit gut überbrücken. Man male und versuche Sachen am Haus zu reparieren. «Ich bringe einem Kollegen Anatomie und Gesichtschirurgie bei. Im Gegenzug erhalte ich von ihm Unterricht in Französisch», meint der Chirurg.

Das Team sei dennoch auch beunruhigt. «Uns gehen langsam die Tabletten gegen das hier weit verbreitete Malaria aus. Wir sind ein wenig um unsere zukünftige medizinische Versorgung besorgt», so Wedler.

Er wünsche sich, dass die Bevölkerung keine Hamsterkäufe tätigt, wie beispielsweise in der Schweiz. Sonst könne es auch mit der Nahrung knapp werden und sie würden nicht genau wissen, wo sie diese besorgen könnten. «Wir haben uns damit abgefunden, dass wir hier eine Weile feststecken. Doch wir hoffen auf eine baldige Heimreise», ergänzt Wedler.

(gab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel am 22.03.2020 22:29 Report Diesen Beitrag melden

    Einfache Sache

    Schickt den neuen Bundesratjet, geeignet für Kurzpisten, und holt die Ärzte. Die werden derzeit dringend hier gebraucht.

  • Ghost am 22.03.2020 21:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rausholen

    Maschine chartern und die Ärzte rausholen. Wird kein Vermögen kosten und wir brauchen diese Spezialisten jetzt selbst. Auch plastische Chirurgen sind in erster Linie Ärzte. Wenn sie jetzt noch angefeindet und bedroht werden, erst recht rausholen. Und künftig soll Kamerun halt schauen, wo sie Hilfe herbekommen.

  • Matt am 22.03.2020 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Refugees

    In solchen Situationen erkennt man den wahren Menschen. Diejenigen die Sie beleidigt und ausgeraubt haben sind dann sicher die ersten die nach Europa wollen sobald der Virus vorbei ist. Ich hoffe wir lernen etwas daraus..

Die neusten Leser-Kommentare

  • M381 am 22.03.2020 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In 6 Monaten fliegen alle wieder

    Die hätten vor 3-5 Wochen bereits zurückfliegen konnen, bereits da war klar das wir alle Schweizer Ärzte im eigenen Land brauchen!!

  • Ratatouille am 22.03.2020 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe den gewählten Termin nicht

    Was Aerzte weltweit freiwillig leisten, ist höchst lobenswert. Ob der Zeitpunkt für plastische Eingriffe sinnvoll war, ist eher fragwürdig und dass die Rückreise schwierig sein würde, war am 13. März absehbar.

  • Carina am 22.03.2020 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diese Situation sollte nicht der Dank sein für eur

    Schicke euch allen Viel Kraft! Viel Energie! Bleibt gesund und passt auf euch auf! Ich hoffe ihr kommt dort bald raus und wieder nach Hause!

  • Reisende am 22.03.2020 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EDA ( Eidgenössische Departement für auswertige An

    Das EDA lässt in dieser Situation zuwünschen übrig.. habs grad selbt miterlebt in Ägypten. Auser auf die Webseite zu verweisen oder den Reiseveranstalter, gabs keine Informationen oder Hilffe. Würde mir Wünschen das da mehr kommt, inetwa wie bei den Deutschen mit einer Liste zum eintragen für das Rückführungsprogramm und einer besseren Komunikation. Und bedrohte Bürgeer im Ausland sollten durch das EDA, sicher in die Botschaft / das Konsulat geleitet. Denn so fühlt man sich im Stichgelassen vom Eigenen Land.

  • Marianne M. am 22.03.2020 22:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rega??

    Kann die Rega die Ärzte nicht nach Hause holen?