Fast ertrunken

02. Juli 2019 12:10; Akt: 02.07.2019 14:00 Print

«Ich sah die Angst in den Augen des Kindes»

Der St. Galler Stadtpolizist Thomas Christen hat während seiner Ferien auf Sardinien einen Mann vor dem Ertrinken gerettet. Dieser habe nicht schwimmen können.

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Thomas Christen, ein St. Galler Stadtpolizist, macht derzeit mit seiner Frau Ferien auf Sardinien (I). Dort wurde er nun zum Lebensretter: «Ich schwimme jeden Tag meine Runden», sagt Christen zum «St.Galler Tagblatt». So auch am Montagnachmittag, gegen 14 Uhr, als er plötzlich Kinder «Aiuto» (italienisch für «Hilfe») schreien gehört habe. «Ich schwamm zu einem Kind und sah die Angst in seinen Augen», so Christen gegenüber 20 Minuten. Daraufhin habe das Kind auf einen kleinen Felsen gedeutet. Der Stadtpolizist kletterte hinauf und erblickte einen im Wasser treibenden Mann: «Er lag mit dem Gesicht nach unten im Meer. Ich sprang sofort hinein um ihn zu retten.»

Christen habe schnell geschaltet und den Mann aus dem Wasser gezogen. Daraufhin sei ihm ein Bademeister mit einem Surfbrett zu Hilfe geeilt. Gemeinsam konnten sie den Betroffenen auf das Brett legen und Richtung Strand bringen. «Dort haben wir den Mann in die stabile Seitenlage gebracht. Er hat sofort Wasser erbrochen. Ab da wussten wir, dass er noch lebte», so der Polizist. Zurück am Strand seien weitere Rettungsschwimmer herbeigeeilt.

Verkäufer konnte nicht schwimmen

Rund eine Stunde lang wurde der Mann am Strand medizinisch betreut. «Es ging ihm aber schnell wieder besser», berichtet Christen. Daraufhin sei der Bruder des Geretteten – ein Luftmatratzen-Verkäufer am Strand – aufgetaucht. Dieser habe dann erklärt, dass die meisten Menschen hier nicht schwimmen könnten. Offenbar sei der Gerettete dennoch mit einer Luftmatratze ins Meer gepaddelt.

Der Mann und sein Bruder bedankten sich mehrmals bei ihren Rettern. Für Christen war es selbstverständlich, in einer solchen Situation einzugreifen. Das war aber nicht bei allen der Fall: «Es hatte viele Leute am Strand und man hatte eine gute Sicht auf das Geschehen», sagt der Polizist enttäuscht. Laut ihm hätte man mindestens das schreiende Kind erkennen oder hören müssen. Dennoch sei niemand ausser ihm dem Kind sofort zu Hilfe geeilt.

(qll/juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Blue Line am 02.07.2019 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blue Line

    Yes Stapo SG!!! Saubere Arbeit. Ein Held auch in den Ferien.

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  • oma am 02.07.2019 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    reter

    es ist traurig wen man angst haben muss jemand zu reten es sind lebewesen menschen dem mann alles gute dem Retter ein herzliches Dankeschön super gemacht

  • Frau Meier am 02.07.2019 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt vor der Natur

    An diesem Strand gibt es gefährliche Strömungen, die schlechten Schwimmern zum Verhängnis werden können. Ich kenne dieses Gebiet sehr gut und habe es schon mehrfach erlebt, dass solche Leute gerettet werden mussten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • AD.SL am 02.07.2019 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super gemacht!

    Ein Hoch auf den Lebensretter! Toll gemacht! Ich wette, 99% der anderen waren am Handyvideo drehen oder Fotos machen anstatt zu helfen! Danke Ihnen für Ihren grossartigen Einsatz auch ohne Uniform und nur in Badehose! Super gemacht!

  • Close all Borders and Europe First am 02.07.2019 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder ist selber Verantwortlich

    Da hatte er aber Glück denn ich persönlich hätte nichts getan. Wenn Menschen vor Krieg, Bedrohung, Hunger, usw. flüchten und auf dem Mittelmeer ertrinken, dann schaut auch die ganze Welt nur zu und sagt: Man muss sich halt nicht selbst in Gefahr auf dem Meer bringen. Selbiges denke ich logischerweise noch viel mehr bei den freiwilligen Badegästen wie diesem. Der hatte noch viel weniger Grund sich in Gefahr zu bringen, also muss man den logischerweise noch viel weniger retten.

  • Rizikk am 02.07.2019 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    rettet mich keiner vor deren Parkbussen?

    • Nix Extrawurst am 03.07.2019 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rizikk

      Musst halt anständig parkieren, dann gibts auch keine Bussen.

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  • Udo wanninger am 02.07.2019 18:47 Report Diesen Beitrag melden

    Welcher denn ?

    Wonwurde den ein "Strandnamen" erwähnt ? Ganz Sardinien als gefährlich einzustufen ist mehr als ....komisch :)

  • Pascal am 02.07.2019 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Retten und Hilfe ist nicht immer einfach

    Dass es nicht jedem/r möglich ist Hilfe zu leisten, sollte nicht vorschnell verurteilt werden. Ich habe vor ca. 30 Jahren einen kleinen Jungen auf einer Luftmatraze "gerettet", der von der Strömung aufs offene Meer getrieben wurde. Ich konnte ihn unmöglich zurück bringen aber nur bei ihm bleiben und festhalten, bis meine Frau am Strand Hilfe per Boot organisiert hatte. Ich war am Ende meiner Kräfte und hätte wohl keine 15 Minuten länger den Jungen auf der Matraze halten können. Ich könnte dies heute nur noch tun, wenn ich zu 100% sicher wäre es zu schaffen.