Maiensässfahrt

28. Juni 2019 17:59; Akt: 28.06.2019 17:59 Print

Ausflug findet trotz totem David (†14) weiterhin statt

In Chur soll die Tradition der Maiensässfahrten trotz des Todes eines Schülers beibehalten werden. Es wird aber zusätzliche Sicherheitsprüfungen geben.

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Trotz des tragischen Todesfalls eines Schülers während der Maiensässfahrt 2019 soll die Tradition die nächsten Jahre beibehalten werden. Dies teilt Stadtpräsident Urs Marti am Freitag den Medien mit. Allerdings wird der Anlass, an dem fast 3000 Kinder der Stadtschule und der Kindergärten teilnehmen, einer externen Sicherheitsüberprüfung unterzogen. Am Sonntag, 26.5.2019, fand in Chur ein Trauermarsch für den tödlich verunglückten David statt. Mehrere Hundert Menschen versammelten sich auf dem Stadthallenareal und nahmen am Trauermarsch teil. Kurz nach 17 Uhr wurden Kerzen an die Teilnehmer ausgegeben. Die Betroffenheit am Umzug war riesig. Die Menschenmassen passierten durch schmale Gassen der Stadt Chur. Geendet hat der Trauermarsch auf der Quaderwiese. Kurz vor 18 Uhr war die Wiese fast gefüllt. Eine Frau ergriff das Wort. Man bedankte sich, im Namen der Familie, für das zahlreiche erscheinen. Auch Davids Freunde meldeten sich zu Wort: «Er war der liebste Mensch auf Erden. Er hat uns immer zum Lachen gebracht», sagte einer von ihnen ins Mikrofon. Ein anderer dankt für jede Sekunde, die er mit David verbringen durfte. Einige legen noch Blumen, Kerzen und Fotos auf einem Tisch nieder. Die Vorgeschichte: In Chur verunglückte der 14-jährige David bei der Maiensässfahrt tödlich. Der 14-Jährige war mit seiner Klasse unterwegs vom Churer Hausberg Pizokel über Juchs nach Chur. Kurz vor 17 Uhr stürzte er in einer Kurve von der Alpstrasse in der Oberen Val Parghera rund zweihundert Meter über felsdurchsetztes steiles Gelände ab. Patrik Degiacomi (mitte), Vorsteher Departement Bildung, Gesellschaft und Kultur (BGK), Urs Marti (links), Stadtpräsident Chur und Tom Leibundgut, Departementsvorsteher Bau, Planung, und Umwelt, informierten die Medien. Unweit der mutmasslichen Absturzstelle liegt ein steinernes Kreuz. Hier stürzte der 14-Jährige vermutlich in die Tiefe. Die mutmassliche Absturzstelle befindet sich in unwegsamem Gelände. Die Rega konnte nicht bei der Unfallstelle landen.

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Die Bestürzung war gross, als bekannt wurde, dass am letzten traditionellen Maiensässausflug der Churer Stadtschule am 23. Mai ein 14-jähriger Schüler tödlich verunfallt war. Der Junge stürzte oberhalb der Stadt auf dem Weg talwärts 200 Meter über steiles und felsiges Gelände. Einige Schüler wurden Zeugen des Sturzes. Die mutmassliche Absturzstelle befand sich in einem unwegsamen Gelände. Der Rega-Arzt konnte damals nur noch den Tod des Teenagers feststellen. Seine Leiche musste mit Seilen geborgen werden.

An einem Trauermarsch für den verunglückten David nahmen 3500 Personen teil. Nacheinander ergriffen Angehörige und Freunde von David und dessen Familie das Wort: «Er war der liebste Mensch auf Erden. Er hat uns immer zum Lachen gebracht», sagte einer seiner Freunde ins Mikrofon. Ein anderer dankte für jede Sekunde, die er mit David verbringen durfte.

Beim mutmasslichen Absturzort liegt ein steinernes Kreuz. (Video: jeb)

Sicherheitscheck soll allfällige Risiken aufdecken

Es war der erste Todesfall eines Schülers in der Geschichte der Maiensässfahrten. Trotz des tragischen Ereignisses will die Stadtregierung an der 165 Jahre alten Tradition der Maiensässfahrten festhalten, wie Stadtpräsident Urs Marti am Freitag vor den Medien erklärte. Auch die Maiensässfahrt 2020 soll somit stattfinden.

Allerdings soll der Schülerausflug vorher einer umfassenden externen Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden. Von nicht weniger als fünf Spezialfirmen sollen Offerten eingeholt werden. Marti sagte, fünf Offerten seien es, weil die Regierung die Konzepte der Überprüfung vergleichen wolle.

Eltern durften noch nicht kontaktiert werden

Erwartet wird vom Sicherheitscheck, dass allenfalls bestehende Risiken entdeckt und Empfehlungen für die zukünftige Durchführung der Maiensässfahrten abgegeben werden. Der Stadtrat behalte sich je nach Ausgang der Sicherheitsüberprüfung vor, in Zusammenarbeit mit weiteren internen und externen Stellen auch «weitreichende Entscheide bezüglich der Maiensässfahrt zu fällen», heisst es in der abgegebenen Medienmitteilung.

Zusätzlich korrigierte der Stadtrat seine Medienmitteilung vom 24. Mai. Die gemachte Aussage, wonach die Eltern am Unfalltag trotz Suche nicht gefunden werden konnten, sei so nicht richtig. Die Zuständigkeit für die Kommunikation lag bei der Kantonspolizei Graubünden. Ein Missverständnis führte dazu,
dass die städtischen Verantwortlichen eine Aussage der Kantonspolizei dahingehend interpretierten, dass diese nicht erreicht werden konnten.

Richtig ist gemäss Auskunft der Kantonspolizei, dass diese die Eltern aufgrund eines Beschlusses der Staatsanwaltschaft nicht kontaktieren durfte. Entsprechend waren die Eltern bis einige Zeit nach dem traditionellen Maiensäss-Umzug noch nicht informiert. Nicht zuletzt dies führte dazu, dass dieser aus Sicherheitsgründen nicht abgesagt wurde.

(mwa/sda)