St. Gallen

21. März 2019 04:52; Akt: 21.03.2019 04:52 Print

Sie erwachte, als sie seine Zunge spürte

Weil er eine gute Kollegin geschändet haben soll, während sie bei ihm übernachtete, muss sich ein junger Mann am Freitag vor Gericht verantworten. Ihm droht ein Landesverweis.

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Der heute 21-jährige Beschuldigte und sein mutmassliches Opfer (20), das an der Verhandlung als Privatklägerin auftritt, stehen seit etwa 2011 in einer freundschaftlichen Beziehung. Im Zuge dessen verabredeten sich die beiden am Abend des 30. Dezember 2017. Es war geplant, dass die Kollegin beim Beschuldigten übernachtet.
Dies kaum laut Anklage öfters vor.

Bei ihm zu Hause rauchten sie über den Abend verteilt zwei Joints, assen Pizza und schauten sich gemeinsam einen Film an. Als die Kollegin ins Bett wollte, gingen sie beide ins Schlafzimmer. Sie zog ihr mitgebrachtes Pyjama an, ein langes T-Shirt und ein kurzes Höschen. Zwischen Mitternacht und 1 Uhr legten sie sich dann gemeinsam in sein Bett.

Situation ausgenutzt?

Etwa gegen 3 Uhr nachts soll sich der Beschuldigte dann seiner Kollegin in unsittlicher Art genähert haben. Sie lag auf dem Bauch, den Kopf mit dem Gesicht in das Kissen gewandt und schlafend. Wie es in der Anklageschrift heisst, habe er dann die Bettdecke entfernt, ihr Höschen zur Seite geschoben und sich oral an ihrem Intimbereich zu schaffen gemacht. Erst als sie seine Zunge spürte, sei die Frau aufgewacht. Sie habe sich zur Seite gedreht und ihre Beine angewinkelt in der Hoffnung, er würde aufhören.

Doch das tat er nicht. Im Gegenteil: Er berührte ihren Schambereich laut Anklage auch mit den Fingern und drang schliesslich mit seinem Geschlechtsteil in sie ein.

Drohender Landesverweis

Die Privatklägerin stellte sich während der ganzen Zeit schlafend. «Sie war psychisch nicht in der Lage, sich gegen die Handlungen des Beschuldigten zur Wehr zu setzen, da sie vom Beschuldigten völlig überrumpelt wurde», schreibt die Anklage. Sie habe Angst gehabt, ihm zu sagen, dass er aufhören solle, da sie sich davor fürchtete, er könnte gewalttätig werden oder sie beschimpfen.

Der Beschuldigte hat laut Anklage gewusst, dass seine Kollegin in sexueller Hinsicht nichts von ihm wollte. Und auch, dass sie unter dem Einfluss von Marihuana stand und am Schlafen war. Aus der Anklageschrift wird nicht klar, ob er überhaupt merkte, dass sie zwischenzeitlich aufwachte und sich danach nur schlafend stellte. Nach den Handlungen an ihr legte sich der Beschuldigte hin und schlief ein.

Am Freitag muss sich der junge Ostschweizer mit Niederlassungsbewilligung C nun wegen Schändung sowie mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Verurteilung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Hinzu kommt eine Busse von 1000 Franken und fünf Jahre Landesverweis. Zudem wird eine Ausschreibung im Schengener Informationssystem beantragt.

Bis zur Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung. Die Öffentlichkeit ist von der Verhandlung ausgeschlossen.

(taw)