Doppelmord im Rheintal

29. Januar 2013 17:13; Akt: 27.03.2017 12:25 Print

Sie hatte schon lange Angst vor ihrem Mörder

Der Mord an einem Rheintaler Ehepaar ist die Tat eines Wahnsinnigen. Der 41-Jährige Bruno D. hatte seine ehemaligen Nachbarn über Monate belästigt und bedroht.

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Theo und Doris Kästli können noch immer nicht glauben, was passiert ist. Die beiden Rentner sitzen in ihrer Wohnung an der Wiesenstrasse in St. Margrethen, keine 15 Meter von der Stelle entfernt, wo am Abend zuvor Daniele* (73) und Rita* (67) P. erschossen wurden. «Es hätte genauso gut uns treffen können», sagen die beiden, «denn Bruno D. hasste uns und das Ehepaar P. seit Monaten.» Die beiden sind überzeugt: Hätten sie beide statt des Ehepaars P. vor dem Haus gestanden, hätte der mutmassliche Killer Bruno D. sie erschossen.

Allein und zurückgezogen

Dabei habe alles ganz nett angefangen mit dem 41-Jährigen, als dieser vor rund acht Jahren an die Wiesenstrasse zog. «Wir sagten noch, was wir für ein Glück hätten mit einem derart ruhigen Nachbarn», erzählt Doris Kästli. «Er hatte nie Besuch, lebte allein und zurückgezogen, man hörte keinen Mucks von ihm.»

Das änderte sich schlagartig, als Daniele P. im Oktober 2011 daheim in der Wohnung seinen 72. Geburtstag feierte. Gegen 23 Uhr klingelte Bruno D. an der Türe und beschwerte sich heftig über den Lärm. «Es kam zu einem Wortgefecht und einem kleinen Handgemenge zwischen ihm und dem Schwiegersohn der P.s im Treppenhaus», erinnert sich Theo Kästli. Bruno D. habe darauf die Polizei verständigt.

Randale im Treppenhaus

In der Folge sei nichts mehr gewesen, wie es einmal war. Bruno D. sei bei jeder Begegnung ausfällig geworden. Er habe sich richtiggehend auf die P.s und die Kästlis eingeschossen. Ganz besonders richtete sich sein Hass gegen Rita P. «Er beschimpfte sie immer wieder als Hure und Schlampe», erzählt Doris Kästli. Doch dabei blieb es nicht. Nachts trommelte D. oft endlos gegen die Wände seiner Nachbarn oder er rief sie mitten in der Nacht an und legte auf. Zudem begann er im Treppenhaus zu randalieren, warf Topfpflanzen um oder schüttete Öl über die Treppe. Mehrmals riefen die Nachbarn die Polizei, zweimal rückte diese aus und machte Meldung an die Staatsanwaltschaft. Nach dem letzten Mal habe Bruno D. ihr gedroht, es passiere etwas, wenn sie noch einmal «die Bullen hole», erzählt Doris Kästli.

Und noch einmal drohte Bruno D. seinen Nachbarn. Theo Kästli: «Kurz bevor er hier auszog, sagte er den P.s und uns, er gehe jetzt, aber die Sache sei noch nicht ausgestanden. Er wisse, wo wir wohnen, wir hingegen wüssten nicht, wo er sei.» Bruno D. zog an den Bodensee. Das war im vergangenen April. Seither hatte man an der Wiesenstrasse nie mehr etwas von ihm gehört.

Die Angst blieb

Diesen Sonntag lud das Ehepaar P. die Kästlis wie so oft zum Kaffee in die Wohnung im zweiten Stock ein . «Wir kamen wieder auf Bruno D. zu sprechen und Rita sagte, sie habe immer noch Angst vor ihm und fürchte, er könnte eines Tages im Treppenhaus stehen», erzählt Doris Kästli. «Wir winkten ab und sagten, das sei doch nun wirklich vorbei.» Einen Tag später fuhr ein Mazda an der Wiesenstrasse vor, ein Mann stieg aus und streckte das Ehepaar P. mit gezielten Schüssen nieder. Daniele P. starb auf der Stelle, seine Frau, mit der er seit jungen Jahren zusammen war, starb etwas später im Spital.

Wenige Stunden später wurde Bruno D. in Rorschach verhaftet. Den Wagen hatte er auf dem Pannenstreifen der A1 abgestellt. Der 41-Jährige leistete keinen Widerstand. Von der Tatwaffe hingegen fehlte bis am Dienstagabend noch jede Spur.

Die Kantonspolizei St. Gallen bestätigt, dass es sich beim verhafteten Schweizer um einen ehemaligen Nachbarn der Opfer handelt. Was den Nachbarschaftsstreit betrifft, seien derzeit zwei Fälle bekannt, in denen die Polizei Meldung an die Staatsanwaltschaft machte.

*Namen geändert

(Eli/20 Minuten)