Silvesterchlausen

18. Dezember 2018 17:40; Akt: 18.12.2018 18:05 Print

«Besucher haben Respekt vor Brauchtum verloren»

Sie halten ihre Handys direkt in Gesichter, sind laut und stehen im Weg: Zuschauer sind den Silvesterchläusen im Appenzellerland zunehmend ein Dorn im Auge. Nun reagiert eine Gemeinde.

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Sie halten ihre Handys direkt vor die Maske, sind laut und stehen im Weg: Appenzeller Silvesterchläuse sind zunehmend über Besucher genervt. Nun reagiert die Gemeinde Teufen mit diesem Plakat. Damit soll das Silvesterchlausen wieder ein toller Brauch für Chläuse und Zuschauer werden. Beim Silvesterchlausen ziehen Einheimische in Gruppen (Schuppel) von Hof zu Hof und wünschen den Bewohnern schellend und singend ein gutes neues Jahr. Hier im Bild Mitglieder des «Hörnli-Schuppel». Aufgenommen am 13. Januar 2018 am Alten Silvester in Hundwil. Die Chläuse starten früh morgens und wandern von Hof zu Hof bis spät in die Nacht. Traditionell werden die Chläuse mit Weiss- oder Glühwein bedient. Das Silvesterchlausen ist ganz schön anstrengend. Ein «Schelli» trägt 20 bis 30 Kilogramm mit sich herum, ... ... ist von früh bis spät auf den Beinen und legt eine Strecke von bis zu 20 Kilometern zurück. Unter den Masken verbergen sich ausschliesslich Männer. Ein Mitglied des Chlausschuppels «Die schöne Stääner» zieht die Haube an. Aufgenommen am Freitag, 13. Januar 2017 am Alten Silvester in Schwellbrunn. Dieser ist schon bereit. Ein Mitglied des Schönen Chlausschuppel «Oese Schuppel» hält seine Haube fest bei starkem Wind. Aufgenommen 2016 in Waldstatt. Die Chläuse starten früh morgens... ...und wandern von Hof zu Hof. Mario Hasler, hinten... ... hilft Ernst Alder in die Tracht. Mitglieder eines «Wüschten» Chlausschuppels. Wind und Wetter hält die Silvesterchläuse nicht davon ab, Bewohnern ein Gutes Neues Jahr zu wünschen. Im Notfall kann die Haube... ... auch mit einer Plastikhülle geschützt werden. Mario Hasler vom Schönen Chlausschuppel «Oese Schuppel» verlässt seinen Hof. Die Schuppel macht sich bereit. Ernst Alder vom Schönen Chlausschuppel «Oese Schuppel». Ein «Wüschter» Silvesterchlaus tanzt vor einem Hof, am Dienstag, 13. Januar 2015, am alten Silvester in Urnäsch. Ebenfalls ein wüster Silvesterchlaus. Die Hauben sind in aufwendiger Hausarbeit gefertigt. Richtige Kunstwerke. Die Wüsten und Naturchläuse bestechen durch kunstvolle, wild geschmückte Hüte, Hauben und Masken. Der alte Silvester geht auf den Kalenderstreit Ende des 16. Jahrhunderts zurück, als sich die protestantischen Ausserrhoder nicht vom Papst befehlen lassen wollten, wann Silvester zu feiern sei. Deshalb ziehen die Silvesterchläuse am 31. Dezember und am 13. Januar von Haus zu Haus. Wenn Sie noch nie Silvesterchläuse live gesehen haben, haben Sie nun hoffentlich Lust auf die Tradition bekommen...

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Markus Wild aus Teufen AR ist Silvesterchlaus (siehe Box) aus Leidenschaft. Aber die Tatsache, dass Jahr für Jahr noch mehr Zuschauer nach Teufen kommen, mache es für ihn schwierig, die Freude zu behalten, wie TVO berichtet.


Ausschnitte aus dem Silvesterchlausen 2016 in Teufen AR. (Video: Youtube/TPoschtonline)

«Für uns Chläuse ist es nicht mehr immer so angenehm», führt Wild aus. Man müsse einerseits schauen, dass man seine Gspänli vom Schuppel noch sehe, in all dem Rummel. Andererseits sei es so, dass man sich beim Singen gegenseitig ab dem ganzen Lärm nicht mehr richtig hören könne. Störend sei auch, dass das mit den Handys extrem zugenommen habe und man diese teilweise direkt vor die Maske gehalten bekomme. Es gebe sogar Leute, die zum Filmen mitten zwischen die Silvesterchläuse stehen würden. «Für uns Chläuse ist das nicht wirklich schön und für den Brauch an sich einfach schade.»

Plakatkampagne soll helfen

Laut Wild zeigt dieses Verhalten, dass die Besucher schlicht den Respekt vor dem Brauchtum verloren hätten. Wegen der störenden Besucher hätten gewisse Silvesterchläuse sogar entschieden, nicht mehr nach Teufen zu kommen. So weit sei es bei Wild und seinem Ankerschuppel noch nicht.

Aber dennoch: Um dem Treiben Einhalt zu gebieten und die Besucher zu sensibilisieren haben die Chläuse mit der Gemeinde Teufeneine Plakatkampagne lanciert. Auf den Plakaten (siehe Bildstrecke), die an den Dorfeingängen aufgehängt werden, wird gezeigt, wie sich Besucher verhalten sollen. Die drei Schlüsselworte sind Rücksicht, Abstand und Ruhe.

(20M)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Asterix am 18.12.2018 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    Rücksicht, Anstand, Ruhe

    Drei Begriffe, die heute keiner mehr versteht. Schreibt doch auf den Plakaten bitte noch die Erklärung der Begriffe drunter. Wird aber auch nichts nützen. Denn die Gaffer interessiert nur ihr perfektes Selfie mit einem Claus in Aktion (welches dann niemanden interessiert).

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  • Claudia1 am 18.12.2018 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Die gleichen dummen Personen

    Das sind die gleichen Personen, die vor dem Buckingham-Wachablösung die Schritte, die Gesten usw. nachäffen und sich lustig über sie machen. Sehr billig und dumm. Leider sind diese Leute zunehmend.

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  • dulu am 18.12.2018 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schön

    schön...Am 31. 12 in Urnäsch das frühchlausen um 5.00 Uhr. Ein einmaliges Erlebnis wo absolute ruhe und Dunkelheit ist. So wie es sein sollte ...Nur zuhören und geniessen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Samos Santos am 22.12.2018 06:42 Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar

    Wir leben in den Philippinen ,auch da sind die Meisten ,mit wifi beschäftigt,sogar in der Heiligenmesse gamen die Kinder niemand hört mehr zu

  • MarkusGygaxSpeicher am 19.12.2018 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zum jomere geboren

    Sollen sie doch im Stall rumtollen. Immer mehr minderjährige Raucher und Trinker, hab ich persönlich beobachtet. Sollen doch froh sein, dass Gäste kommen. Bringt frisches Blut ins Familienleben:)!

    • Edi Schuldner am 19.12.2018 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MarkusGygaxSpeicher

      So ein Quatsch! - Hats auch nicht begriffen.

    • Urnäsch am 19.12.2018 22:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Edi Schuldner

      Vielleicht ist der Markus aus Speicher einfach nur ein Neider, denn in diesem Dorf gibt es den schönen Brauch soviel ich weiss nicht.

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  • Bühler am 19.12.2018 14:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sozialleistung zählt

    Unsere "Gäste" interessieren sich sowieso nicht um unser Brauchtum, die Sozialleitungen ßind wichtiger!

  • Grosspapi am 19.12.2018 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Grenzen dicht machen!

    Der Brauch ist doch nur etwas für die Appenzeller von Appenzellern. Die Auswärtigen geht das nichts eigentlich nichts an. Oder kann man mit ihnen noch etwas Geld verdienen? Dä Föfer onds Weggli geht halt nicht.

    • Einhornjäger am 19.12.2018 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Grosspapi

      Im Prinzip ist es schon für die Einheimischen, nur auf welcher Rechtsgrundlage soll man das betreten von öffentlichen Grund verbieten und was sind die Kriterien damit man dabei sein darf?

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  • Ruth L am 19.12.2018 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    Dezember Fasnacht!

    Habe keine Probleme mit dieser Dezember Fasnacht.