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11. Dezember 2018 17:40; Akt: 11.12.2018 17:40 Print

Skorpion im Thurgau stellt Experten vor Rätsel

Ein Besucher brachte dem Naturmuseum Thurgau kürzlich einen lebenden Skorpion vorbei. Hat er sich schlicht verirrt oder ist er gar ein Zeichen des Klimawandels?

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«Wie der Skorpion in den Thurgau gelangt ist, bleibt eine offene Frage», heisst es im aktuellen Newsletter von Thurgau Wissenschaft. Gefunden wurde er in unmittelbarer Nähe der Bahnlinie Romanshorn-Zürich im Grossraum Frauenfeld. Daher sei es gut möglich, dass er als blinder Passagier in einem Bahnwagen in den Thurgau gereist sei. Der Finder brachte das Tier schliesslich dem Naturmuseum Thurgau.

«Um ihn sauber zu bestimmen, und die Gefahr für den Menschen auszuschliessen, war die Tötung unumgänglich», sagt Hannes Geisser, Direktor des Naturmuseums Thurgau, gegenüber dem «St. Galler Tagblatt».Vermutlich hätte das Tier den Winter aber ohnehin nicht überstanden. Die Bestimmung ergab, dass es sich um einen Euscorpius italicus, einen Italienerskorpion handelt. In der Schweiz kommt diese Art eigentlich nur im Tessin vor. Der aktuelle Fund ist der zweite dieser Art auf Thurgauer Boden.

Ist der Skorpion ein Klimawandler

Auch für Geisser ist es ein Rätsel, wie der Skorpion in den Thurgau kam. Er hält die Theorie, dass er als blinder Passagier hier her kam, für denkbar. Im Newsletter Thurgau Wissenschaft wird die These aufgeworfen, dass er auch ein Klimawanderer sein könnte, der wegen der Erderwärmung seinen Lebensraum ausgedehnt hat.

Verschiedene Analysen des Biodiversitätsmonitorings Schweiz wie auch die aktuellen Erhebungen des Biodiversitätsmonitorings Thurgau würden nämlich zeigen, dass sich der Klimawandel bereits in den Artengemeinschaften bemerkbar macht: Trockenheits- und wärmeliebende Pflanzen- und Tierarten nehmen tendenziell zu und weiten ihr Verbreitungsareal aus.

Zudem würden heute durch den globalen Personen- und Warenverkehr mehr Arten verschleppt als je zuvor und manche könnten dank der Klimaerwärmung inzwischen auch im Thurgau
gedeihen – was noch vor wenigen Jahren unmöglich war. Der bemerkenswerte Fund scheine dies zu bestätigen, heisst es weiter.

Schmetterling als Klimawanderer

Geisser indes glaubt eher nicht, dass der Skorpion ein Klimawanderer ist, dafür sei er zu wenig mobil. Er nennt stattdessen als Beispiel im Thurgau den Kurzschwänzigen Bläuling, einen Schmetterling. Laut dem «Tagblatt» widmete sich der Basler Biologe Matthias Plattner dem Phänomen in einer demnächst erscheinenden Publikation. Bei Beginn der Erhebung hätte es von dieser Tagfalterart nur einen alten Fundnachweis aus dem Jahr 1972 bei Kreuzlingen gegeben. Der nächste Nachweis im Thurgau gelang 2010. In den Jahren zwischen 2013 und 2017 konnte die Art dann bereits in mehr als der Hälfte aller Untersuchungsflächen im Thurgau nachgewiesen werden. Plattner schreibt dazu: «Aufgrund ihrer Ökologie liegt der Verdacht nahe, dass die Art zu den Klimagewinnern gehört.» Zuvor kam der Kurzschwänzige Bläuling nämlich nur sehr selten vor und nur in den wärmsten Gebieten der Schweiz.

(taw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jonas Jonas am 11.12.2018 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha

    Tötung unumgänglich? ah ja, die Menschen wieder...

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  • Peter am 11.12.2018 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Tötung absurd und typisch

    In meinem Haus im TI habe ich genau diesen Scorpion seit 21 Jahren. Ich bin noch nie gestochen worden. Er ist nachtaktiv und verkriecht sich in Deckung. Bedenklich ist nicht der Scorpion, sondern viel eher, dass sofort totgeschlagen wir d. Wie weit haben WIR uns von der Natur entfernt.

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  • Heinerle am 11.12.2018 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natursachverständige

    Töten um zu bestimmen und ja aus der Schweiz (Tessin) Richtige Hirsche auf ihrem Gebiet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sagamol am 12.12.2018 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel?

    Mich stimmt weniger die Tötung der Spinne bedenklich, als die langsam aber sicher überbordende Umwelthysterie. Was soll denn alles noch auf den Klimawandel geschoben werden? Egal was zur Zeit berichtet wird, man liest und hört nur noch Klima, CO2 und Nachhaltig. Ach da habe ich doch beinahe das Sexismus Thema vergessen, welches uns als Abwechslung von den Medien geboten wird.

  • Togo am 12.12.2018 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umstellen

    Schön warm und schönes Wetter, was will man mehr. Pflanzen wir einfach Bananen, Ananas oder andere Exoten, das ist auch gut für die Ökobilanz

  • Dr. Nörgeli am 12.12.2018 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klar!

    Wenn ich im Wald plötzlich auf einen Elefanten stosse, denke ich auch als Erstes an den Klimawandel.

  • Gandalf am 12.12.2018 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ihr seit einfach alle zu geil!

    Im Bericht über Echtfell an Winterjacken, die in Massen produziert werden, ist die mehrheitliche Meinung es sei ja nicht so schlimm, obwohl diese in Massen gezüchtet und getötet werden und hier regt sich jeder auf weil ein einziger Skorpion getötet wurde, erkennt ihr den Fehler ;-)

  • Lugano-Joe am 12.12.2018 11:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kenner ?!

    Um zu sehen, dass es sich um einen Skorpion, wie er oft im Tessin zu finden ist, handelt, dafür hätte er nicht getötet werden müssen. Jeder Fachmann hätte das erkennen können. Dieser Typ greift nicht an, zwickt nur, wenn er in die Enge getrieben wird. Kenne keinen Todesfall verursacht durch Bisse !

    • Biologe am 12.12.2018 11:29 Report Diesen Beitrag melden

      @Lugano-Joe

      Immer wieder interessant, wie sich Laien als Fachpersonen aufspielen wollen. Aber man merkt dann halt schnell, da ist nicht allzu viel Wissen dahinter. Zwischen "Ah, der sieht ja so aus, wie die im Tessin" und einer sauberen Artbestimmung liegt halt doch ein gutes Stück Feinarbeit. Und Gefahr lauert nicht nur durch tödliches Gift, ein Stich kann auch Allergien usw. auslösen. Niemand möchte unbedingt gestochen werden, glauben Sie mir.

    • Avenarius am 12.12.2018 12:32 Report Diesen Beitrag melden

      Fairplay

      @Biologe von sogenannten Experten, welche keine natürliche Intelligenz versprühen (können), halte ich eben sowenig. Ich hätte den Scorpion nach Hause genommen, mich informiert und dann an eine schönen Platz ausgesetzt. Sie werden ja auch nicht gleich erschossen, wenn Sie in anderes Land reisen, oder?!

    • Biologe am 12.12.2018 12:48 Report Diesen Beitrag melden

      @Avenarius

      Schön, wenn Sie mir erzählen, was Sie gemacht hätten. Mit einer wissenschaftlichen Artbestimmung hat das trotzdem noch gar nichts zu tun. Und P. S. So lange ist es tatsächlich nicht her, dass auch Menschen für wissenschaftliche Zwecke getötet wurden... gut möglich, dass sowas auch heute noch geschieht.

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