Romanshorn TG

08. November 2019 04:52; Akt: 08.11.2019 04:52 Print

Sportwagen-Lenker wird für sein Auto angefeindet

Ein Thurgauer Unternehmer wurde wegen seines Sportwagens an einer Tankstelle von einem Unbekannten angegangen. Er schildert den Fall auf Facebook und erhält Zuspruch.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Neulich an der Tankstelle schaute ein Typ auf meinen Sportwagen und fragte mich, wie viele Leute für das Geld, das der Sportwagen gekostet hat, hätten ernährt werden können», schreibt der Thurgauer Unternehmer auf Facebook. Er habe dem Mann anschliessend erklärt, dass durch die Produktion des Autos mehrere Leute hätten ernährt werden können. Der Post löste in den Kommentaren eine Diskussion aus und wurde in der Zwischenzeit fast 400 Mal geteilt und über 80 Mal kommentiert.

Umfrage
Dürfen teure Autos deiner Meinung nach gezeigt werden?

In seinem Post kommt er auf den Kapitalismus zu sprechen. So heisst es etwa: «Das ist der Unterschied zwischen Kapitalismus und Wohlfahrtsmentalität. Wenn wir etwas kaufen, geben wir Geld in die Taschen der Menschen und geben ihnen Würde für ihre Fähigkeiten. Wir halten somit die Wirtschaft am Laufen.» Wenn man jemandem etwas für nichts gebe, raube man ihm die Würde und den Selbstwert, ist er der Meinung.

Sein Post endet mit dem Satz: «Ich habe beschlossen, dass ich politisch nicht mehr korrekt sein möchte.»

Der moralische Zeigefinger

Doch woher kommt dieser Neid und die Anfeindung gegenüber jemanden, den man gar nicht kennt? Katja Rost, Professorin für Soziologie an der Universität Zürich, erklärt: «Heute werden viele Sachverhalte moralisch aufgeladen. Woher die Zunahme des moralischen Zeigefingers kommt, ist schwer zu sagen. Sicherlich spielen hierbei soziale Bewegungen wie die Zunahme und gesellschaftliche Akzeptanz ideologisch aufgeladener Bewegungen wie #MeToo oder Friday for Future eine Rolle.» Diese Bewegungen sind oft intolerant gegenüber Andersdenkenden, geben sich aber gern den Anschein der «Toleranz».

Einen Einfluss auf die Verbreitung solcher Bewegungen und auch auf die Steigerung von Neid habe Social Media. «Der soziale Vergleich wird so in globalem Ausmass ermöglicht – dies oftmals mit unrealistischen Informationen und Bildern, die mehr vortäuschen als da ist», führt Rost aus. Dadurch seien die Leute unzufriedener als früher und mehr Neid werde erzeugt.

Missgunst als Folge von Konkurrenzdenken

Gemäss dem Armutsforscher und emeritierten Soziologie-Professor Ueli Mäder hängt die Missgunst in der Gesellschaft auch damit zusammen, dass wir schon sehr früh Konkurrenz zu spüren bekommen: «Wir lernen in der Schule oder im Beruf, unser Bestes zu geben und besser als andere zu sein. Das begünstigt Schadenfreude oder Unmut gegenüber anderen.» Die in den letzten Jahren zunehmende Konkurrenzorientiertheit habe diese Problematik umso mehr verstärkt.

Missgunst und Neid ist entgegen mancher Erwartung laut dem Experten bei reichen Leuten eher verbreitet als unter der ärmeren Bevölkerung. «Ich staune immer wieder, wie wohlwollend viele arme Leute gegenüber Reichen denken», so Mäder. «Viele Leute, die sich nie ein solches Auto leisten könnten, regen sich kaum darüber auf.» Dies könne damit zusammenhängen, dass wohlhabendere Menschen mehr zu verlieren hätten. Deren Orientierung sei in der Regel auch darauf ausgerichtet, noch mehr zu haben. Zudem würden missgünstige Leute die Missgunst anderer umso stärker kritisieren.

(del)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jetzt Reichts! am 08.11.2019 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keinen Ton mehr!

    Diese politische Korrektheit und das ständige belehren der anderen geht zu weit. Leben und leben lassen müsste die Devise sein!

    einklappen einklappen
  • Ralf am 08.11.2019 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neider

    Immer diese Missgunst, man kann doch ein Auto, Haus, Boot besitzen ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. In was für einer Welt leben wir denn hier??

    einklappen einklappen
  • M30 am 08.11.2019 06:41 Report Diesen Beitrag melden

    Sry but...

    Sry aber jeder kann fahren was er will, für mich machen die manche Leute einfach einen Eindruck, als wären die neidisch. Ausserdem leasen kann jeder, der wenigstens normalen Beruf hat. Lasst doch die Menschen leben, darf man heute nichts mehr? Was ist los mit dieser Gesellschaft heute??

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Republik Wallis am 08.11.2019 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Der Umlauf von Geld ist nur ein Argument

    und es spricht nicht einmal gegen Sozialismus. Denn der Umlauf von Geld, oder noch grundsätzlicher, das Teilen von Arbeit und Gütern ist auch im Sozialismus gegeben. Warum wird mit dem Konter gegen so einen Gutmenschen überhaupt ein Seitenhieb auf den Sozialismus gemacht? Es geht auch gar nicht darum, das Eine oder das Andere cooler zu finden. Aber der Marktwirtschaft sind vom Staat Grenzen zu setzen. Nur Staaten können kontrollieren, dass sich Industrie, Arbeitskräfte und Güter nicht auf wenige Zentren konzentrieren, sondern flächendeckend verteilt sind. Utopie, weil die Staaten konkurrieren.

  • Bili Biy am 08.11.2019 21:19 Report Diesen Beitrag melden

    Viele sind geleast

    Wenn alle teuren auch bezahlt wären, gebe es nicht so viele! Eiversucht suf geleaste Autos ist dich fehl sm Platz!

  • Fabrice am 08.11.2019 19:40 Report Diesen Beitrag melden

    Die Neider drehen am Rad

    SCHÖNES AUTO! Bei mir hat es leider nur für eine neue gucci jacke gereicht :(

  • BRUMM BRUMMM am 08.11.2019 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    C63 amg

    Tja der war nur neidisch, wahrscheinlich mit dem fahrrad unterwegs..

  • Mfala am 08.11.2019 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schönes wochenende

    Die Frage ist immer : was ist für einen wichtiger, deshalb ist es mir egal wer was fährt . Jeder Mensch hat andere und verschiedene Prioritäten im Leben. Eine gebens für Das Auto aus , andere kaufen sich ein Eigenheim oder wie auch immer