Weggeld für Gesellen

09. November 2018 18:36; Akt: 09.11.2018 18:41 Print

Sprüchli aufsagen – Gemeinde gibt 20 Franken

von J. Büchel - Romanshorn hat das Weggeld für Wandergesellen gestrichen, um Geld zu sparen. Einer Bewohnerin passte das nicht.

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Gesellen wandern im Mai 2003 zwischen Vitznau LU und Gersau SZ auf der Axenstrasse über dem Vierwaldstättersee Richtung Heimatort. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

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Wandergesellen spazieren in ihrer schwarzen Tracht mit Schlaghose und breitem Hut von Ort zu Ort und nehmen an verschiedenen Stellen Arbeit an. Dabei dürfen sie sich nicht näher als 50 Kilometer von ihrer Heimat befinden. Eine jahrhundertealte Tradition. Brauch ist auch, dass die Gesellen bei den Gemeinden ein Weggeld bekommen, wenn sie dort in ihrer Tracht aufkreuzen, ein Wanderbuch vorweisen und einen Spruch aufsagen.

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Mit dieser Tradition hat die Stadt Romanshorn vor kurzem gebrochen. Ende 2017 wurden die Gelder gestrichen. «In der Vergangenheit beliefen sich diese Ausgaben auf zwischen 800 und 1200 Franken jährlich», heisst es in einer Mitteilung der Stadt. Eine Privatperson spendete darauf 5000 Franken, um einen Fonds einzurichten, damit die Tradition erhalten bleiben kann. Eine andere Person spendete weitere tausend Franken. Die beiden wollen anonym bleiben. Aus dem Fonds werden die Gesellen künftig 20 Franken Weggeld erhalten, wenn sie ihr Sprüchlein auf der Verwaltung aufsagen.

Die Sprüchlein seien meist Reime, heisst es bei der Stadt Romanshorn auf Anfrage. Es gehe meist darum, dass die Gesellen schon weit gereist seien und um Unterstützung für die Weiterreise bitten würden.

Ohne Handy unterwegs

Auch bei Holzbau Schweiz, dem Branchenverband der Zimmerleute kommen regelmässig Gesellen vorbei. «Sie bekommen 30 Franken Weggeld von uns, wenn sie in der Kluft auftreten, das Wanderbuch vorzeigen und einen Spruch aufsagen», sagt Francesca Romano, Kommunikationsleiterin beim Verband. Pro Jahr gehen rund 20 Schweizer Zimmerleute auf die Walz. Genaue Zahlen gibt es nicht, da sich die Gesellen selbständig organisieren und von sich aus auf den Weg machen. Im gesamten deutschsprachigen Raum vermutet man 200 Gesellen.

«Sie wandern ohne Handy und müssen sich zu Fuss oder per Autostopp fortbewegen», sagt Romano. Auf der Walz arbeiten die Handwerker bei verschiedenen Betrieben mit dem Ziel, neue Fertigkeiten zu lernen und Lebenserfahrung zu sammeln.
Dass Romanshorn aus Budgetgründen den Beitrag für die Weggelder gestrichen hat, kann Romano nicht nachvollziehen.

Weggeld streichen ist sinnlose Sparübung

Das Weggeld für Wandergesellen einzusparen, kommt für viele Gemeinden in der Schweiz nicht in Frage. «Letztes Jahr kamen bei uns sieben Gesellen vorbei. Sie bekommen jeweils 20 Franken, nachdem sie ihr Sprüchlein aufgesagt haben», sagt Thomas Rieben, Bezirksammann von Gersau SZ. «Das Budget zu streichen, wäre eine sinnlose Sparübung.» Oft würden die Gesellen im Dorf arbeiten und seien geschätzt.

Ähnlich sieht das Samuel Buri, Gemeindeschreiber in Langnau im Emmental. «Wir halten an dem Brauch fest. Unser Personal freut sich jedes Mal, wenn die Gesellen das Sprüchlein aufsagen. Und auch die Gesellen haben ihre Freude. Es ist eine schöne Tradition», sagt Buri. «Würden wir auf die Abgabe des Weggeldes von 20 Franken pro Wandergeselle verzichten, würden wir kaum etwas sparen.» Dieses Jahr seien bislang sieben Gesellen gekommen, im Vorjahr neun und davor sechs.

Mehr Gesellen schauen auf der Gemeindeverwaltung in Sissach BL vorbei, dass nahe der Grenze zu Deutschland liegt, von wo der Grossteil der Gesellen, die durch die Schweiz wandern, stammt. «Allein dieses Jahr sind bereits 20 Gesellen bei uns vorbeigekommen», sagt Godi Heinimann, Leiter der Gemeindeverwaltung. Auch in Rheinfelden AG kommen ab und zu Gesellen vorbei. Wie in anderen Gemeinden bekommen sie 20 Franken Weggeld.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pauline Jg 36 am 09.11.2018 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Falsch

    Aber jedem arbeitsscheuen Kerl wird das Geld in den A.. geschoben. Hier wird am falschen Ende gespart. Die fleissigen Wandergesellen sind überall gern gesehen.

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  • T. Radition am 09.11.2018 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gespart am falschen Ort

    Bravo, da hat Romanshorn wirklich wahnsinnig viel gespart, 1200Fr.! Ist es das wirklich wert?! In eime

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  • Yann. am 09.11.2018 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überall sparen

    Aber nur nicht da wo es nötig wäre. Hohe Abzockerbeamte, zB.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Werner Hertig v.S. D. am 10.11.2018 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kluft=Tradition

    Und was hat me Reto im Jäh 1999 von ca. 1200 Hombres erreicht, müsst halt mal alte ZTG, suchen! Io habe ein Exemplar, Reto hat noch eine Tittel gehöhlt neben der Klluft von Firma EUGSTER, Holzbauer, Fischingen/ TG! Müsst etwas Gräben Salve Pappa c. Reto Hertig

  • Martin M am 10.11.2018 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Moos nix los

    Wenn das nicht mehr ausgegeben werden kann, sollte vielleicht die Gemeinde schliessen.

  • Betty am 10.11.2018 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Traditionen hoch halten.

    Gewisse Traditionen sollte man erhalten. 20 Franken sind wirklich nicht viel. Ich würde dies sogar begrüssen, wenn dies auf 30 oder 40 angepasst würde. Früher gab es auch noch einen Brauch in Restaurants. Armen hungrigen Wanderern wurde eine Suppe ein Stück Brot und ein Glas Wasser gratis abgegeben.

    • Dirk am 10.11.2018 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Betty, stimmt

      Aus diesen Traditionen heraus ist beispielsweise in Deutschland es immer noch üblich, dass Hahnenwasser in Gaststätten gratis ist.

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  • Sulejka am 10.11.2018 15:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    diese Wandergesellen kosten kein Vermögen

    Schade, dass man eine solch alte Tradition mit den Schuhen tritt. Diese Wandergesellen kosteten keine Gemeinde viel, deshalb finde ich, dass da Romanshorn falsch kalkuliert hat. Geht nochmals über die Bücher bitte!

  • Mark am 10.11.2018 14:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überflüssige Diskussion

    Wir bilden gerade die letzte oder vorletzte Generation von Handwerkern aus. In 40 Jahren wird man nur noch Programmierer und Wartungsmechaniker für die Roboter auf der Baustelle finden. Eigentlich hätte man mit dem Quatsch schon vor 30 Jahren aufhören sollen.

    • Holzwurm am 10.11.2018 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mark braucht nie ein Handwerker

      Vor 30 Jahren hat man auch geglaubt es braucht heute kein Papier mehr!

    • Rudi Mentär am 10.11.2018 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mark

      Wieso seit 30 Jahren? Hab ich was verpasst? Mal ehrlich, ich würde das kein halbes Jahr durch halten. Und du, bist du so ein Kerl, oder drückst du nur auf Computer Tasten herum? Tradition gehört zur Geschichte, ein Land ohne Geschichte ist tot. Die Schweiz ist ein Land voller Traditionen.

    • schmre am 10.11.2018 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mark

      Grosses Kopfschütteln und x Fragezeichen. Auf solche Hirnlose Kommentare können wir gut verzichten. Wir können ja Schwingen und Eidgenössischen Jodlerfeste auch abschaffen. Kostet sogar noch mehr als ein paar Wanderer.

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