Harte Strafen

26. Juli 2011 14:10; Akt: 26.07.2011 14:23 Print

St. Gallen nimmt Hooligans an die Kandare

Die Staatsanwaltschaft Gossau hat sechs Randalierer zu Geldstrafen von bis zu 13 500 Franken verurteilt. Für einen Krawallmacher kommt es noch dicker.

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Am Anfang der öffentlichen Debatte um Hooliganismus in der Schweiz stand die sogenannte Fans stürmten nach der Niederlage des FC Basel gegen den FC Zürich in der Finalissima das Spielfeld. Es kam zu einem Im Hinblick auf die Euro 2008 in Österreich und in der Schweiz berief der Bund einen Runden Tisch ein. Im Bild ein in Genf für allfällige Hooligans. führte den Runden Tisch, an dem alle Beteiligten vertreten waren, weiter. Im Bild empfängt Maurer 2010 Captain Alex Frei und die Nationalmannschaft im Bundeshaus. Kritiker werfen Maurer vor, und zu wenig Wille für eine politische Lösung aufzubringen. Das Bild zeigt Maurer im Juni 2011 in Dänemark zusammen mit Peter Gillieron (M) vom Fussballverband und Uefa-Präsident Michel Platini (l.). Doch das Hauptproblem des Runden Tisches sind seine fehlenden Kompetenzen. Entscheide waren nur möglich mit Einwilligung aller Beteiligten - was längst nicht mehr der Fall ist. Am 1. September 2011 gab Maurer bekannt, . Da die meisten Kompetenzen im Bereich Hooliganismus bei den Kantonen liegen, kam mit dem Ende des Runden Tisches der (KKJPD) eine Schlüsselrolle zu. Im April 2010 präsentiert die damalige KKJPD-Präsidentin Karin Keller-Sutter in Bern ein Massnahmenpaket gegen Gewalt an Sportanlässen. Die FDP-Politikerin Keller-Sutter ist ein gegen gewalttätige Fussballfans. Auf Seiten der Fans hat sie sich zu einer Hassfigur entwickelt. Keller-Sutter stand seit November 2010 als Präsidentin der KKJPD und St. Galler Justizdirektorin im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Mit dem Niederlegen der Ämter 2012 nach ihrer Wahl zur Ständerätin dürfte dies ändern. Konkret mit den Fussball-Hooligans beschäftigen müssen sich die Ihr Verband unterstützt schärfere Massnahmen. Gleichzeitig funktionieren auf lokaler Ebene die Beziehungen zu Clubs und Fanarbeiter oft gut. Auf dem Bild sind FCZ-Fans auf dem Weg zum Bahnhof Wankdorf. Stark betroffen vom Hooliganismus sind auch die die mit Extrazügen Fans befördern müssen. Die Bundesbahnen wollen, dass die Clubs für die Schäden ihrer Fans aufkommen und die Extrazüge chartern müssen. Mit YB haben sie seit August 2011 eine freiwillige Vereinbarung, die dem Club die Verantwortung für die Ordnung in den Extrazügen übergibt. Im Bild SBB-CEO Andreas Meyer im Februar 2010. Unterstützung erhalten die SBB vom Dessen Direktor Peter Füglistaler lässt eine Gesetzesänderung ausarbeiten, damit die Clubs für Schäden in die Pflicht genommen werden können. Laut dem heute gültigen Transportgesetz müssen die SBB alle Personen transportieren, die einen gültigen Fahrausweis besitzen. Lange zurückhaltend gaben sich der So argumentierte SFL-Präsident Thomas Grimm Ende noch Ende 2010, man können einen Club auch nicht für einen Überfall verantwortlich machen, nur weil der Räuber ein Shirt des Clubs getragen habe. Inzwischen arbeitet der Verband aber an einem bei dem Gästefans von Fanarbeitern und nicht von maskierten Polizisten mit Schlagstöcken empfangen werden. Grimm (l.) mit SFV-Präsident Peter Gillieron an der Nacht des Fussballs im August 2009 in Bern. Sehr unterschiedlich ist das Engagement der Während einige insbesondere in der Prävention aktiv sind, sind andere dem Vernehmen nach nicht an einer Lösung interessiert. FCZ-Präsident Ancilo Canepa (l.) und GC-CEO Marcel Meier im Juli 2011 in Zürich. Eine eigentliche Funktion zwischen den Fronten nehmen die ein. So ist manchmal von einer anwaltschaftlichen Beziehung zu den Fans die Rede. Während sie das Vertrauen der Fans brauchen und oft finanziell vom Club abhängig sind, brauchen sie einen guten Draht zu den Sicherheitskräften und den SBB. Urs Frieden (vorne links), Vorstandsmitglied der Fanarbeit Bern, am FCB-Umzug durch die Berner Innenstadt im Juli 2011. Der wohl wichtigste Akteur beim Thema Hooligans sind schliesslich die die meist in Gruppierungen organisiert sind. Obwohl nur eine Minderheit gewaltbereit ist, findet eine Solidarisierung statt. Feuerwehrleute vor YB-Fans in Collombey-Muraz, Oktober 2010. Insbesondere beispielsweise auch die Hooligan-Datenbank des Bundes, sind die Fangruppen geschlossen. Ebenso lehnen sie das Pyro-Verbot in den Stadien ab. Fans des FC Luzern im Mai 2010 in Bern.

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Es geschah im August 2009: Vor dem Match FC St. Gallen gegen Aarau kam es am Bahnhof Wil zu schweren Ausschreitungen. Dabei wurden mehrere Autos beschädigt und eine Person verletzt. Auf Grund von Videoaufnahmen konnte die Polizei acht teils vermummte Randalierer ermitteln.

Die Staatsanwaltschaft hat die Fussball-Chaoten nun zu hohen Geldstrafen und Bussen verurteilt: Sechs Täter müssen zwischen 1500 und 13 600 Franken bezahlen, zusätzlich erhalten sie ein Stadion- und Rayonverbot. Gegen zwei weitere kommt es zu einer Gerichtsverhandlung. Einem Wiederholungstäter wurde gar eine Meldepflicht auferlegt. «Er muss während eines Jahres vor allen Spielen des FC St. Gallen persönlich auf einem Polizeiposten erscheinen», sagt der zuständige Staatsanwalt Christian Bächle zu 20 Minuten Online.

Damit wolle man verhindern, dass der 24-jährige Mann an Fussballspielen erneut gewalttätig wird. «Er hatte schon verschiedentlich an Ausschreitungen teilgenommen und auch Polizisten angegriffen», so Bächle. Eine solche Strafe würde Randalierern nur «in ganz wenigen» Fällen auferlegt.

Präventivhaft möglich

Als härteste Massnahme sieht das Gesetz gar eine präventive Inhaftierung vor. Dies sei im Schweizer Fussball aber bislang noch nicht verhängt worden, so Bächle.

Unter Justizdirektorin Karin Keller-Sutter fährt der Kanton St. Gallen seit einiger Zeit einen harten Kurs gegen Hooligans. Als erster Kanton führten die Ostschweizer Schnellgerichte gegen Chaoten ein.

Wer an Ausschreitungen teilnehme, müsse aber nicht nur mit einer Bestrafung im Schnellverfahren rechnen, sagt Bächle. Bei komplexer Beweislage wie etwa bei dem Vorfall in Wil könnten Täter noch Monate oder gar Jahre nach dem Vorfall zur Rechenschaft gezogen werden.

(am/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eduard J. Belser am 26.07.2011 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Gut so! Diese hammerharten Verfahren und Strafen sind das einzige was hilft. wenn diese Kriminellen über Jahre für ihren gehabten Kick Schulden abzahlen müssen, kommen sie vielleicht doch irgendwann noch zur Vernunft.

  • olivier am 26.07.2011 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht grundsätzlich? ?

    Warum nicht für alle festgenommenen Hooligans eine melde Pflicht?

    einklappen einklappen
  • maurin oehen am 26.07.2011 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    richtig so

    Endlich mal was getan. Die Hooligans sollte man nur noch härter bestrafen. Lebenslanges Stadionverbot und eine hohe Geldbusse und oder Knast

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marc am 26.07.2011 23:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wurde auch Zeit

    Endlich hat mal jemand den Mut etwas gegen Hooligans zu unternehmen. Wäre schön, wenn die anderen Kantone nachziehen würden.

  • olivier am 26.07.2011 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht grundsätzlich? ?

    Warum nicht für alle festgenommenen Hooligans eine melde Pflicht?

    • J. Mesrine am 28.07.2011 12:38 Report Diesen Beitrag melden

      Erst überlegen

      Super dann sind die Polizeiposten dass halbe Wochenende damit beschäftigt die Identität der Männer zu prüfen, rechnet man noch die Zahl der Polizisten mit die Sinnlos irgendwo auf der Pirsch liegen um ein paar Jugendliche beim kiffen zu erwischen hinzu...dann wird für Einsätze kaum noch ein Polizist frei sein...

    einklappen einklappen
  • Der Beobachter am 26.07.2011 19:39 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Fan von Keller-Sutter

    Aber was sie da in ihrem Kanton macht, verdient grossen Respekt. Endlich handelt jemand und nimmt die Hools in die Pflicht. Das möge bitteschön auch in andern Kantonen als Beispiel genommen werden.

  • Eduard J. Belser am 26.07.2011 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Gut so! Diese hammerharten Verfahren und Strafen sind das einzige was hilft. wenn diese Kriminellen über Jahre für ihren gehabten Kick Schulden abzahlen müssen, kommen sie vielleicht doch irgendwann noch zur Vernunft.

  • mirco am 26.07.2011 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    genau richtig so

    warum nur in st.gallen.wäre wünschenswert,wenn das überall eigeführt würde.die lernen doch sonst nie.finde ich gut weiter so