Seit August in Haft

07. Februar 2019 07:54; Akt: 07.02.2019 11:34 Print

St. Galler Kita-Betreuer hat Bub missbraucht

Weil er kinderpornografisches Material im Netz verbreitet haben soll, sitzt Kita-Betreuer M. N. derzeit in U-Haft. Nun ist klar: Er hat sich auch selbst an Kindern vergriffen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Fall sorgte im August vergangenen Jahres für Aufsehen: M. N., Mitarbeiter in der St. Galler Kinderkrippe Fiorino, wurde verhaftet wegen des Verdachts, kinderpornografisches Material verbreitet zu haben. Zunächst schien es keine Anhaltspunkte auf fehlbares Verhalten am Arbeitsplatz zu geben.

Nun hat die betroffene Krippe die Eltern in einem Schreiben über den neuesten Stand der Ermittlungen informiert. Darin heisst es, dass «im Rahmen der Ermittlungen auf verschiedenen Datenträgern Material gefunden wurde, das leider darauf schliessen lässt, dass ein Knabe in der betroffenen Fiorino Kita sexuell missbraucht wurde».

Interne Aufarbeitung

Zudem seien Bildaufnahmen auch in der Kita gemacht worden. Die Eltern der betroffenen Kinder seien von der Staatsanwaltschaft bereits direkt kontaktiert worden. «Wir sind über diese Entwicklung zutiefst erschüttert», so Jacques Hefti, Verwaltungsratspräsident der Fiorino AG auf Anfrage. «Es gibt keine Worte, die auch nur annähernd ausdrücken können, was die Eltern von betroffenen Kindern empfinden». Laut Hefti sei die Kita-Leitung am Mittwoch von der Staatsanwaltschaft über die neusten Erkenntnisse informiert worden. Man stehe noch immer unter Schock.

Am Donnerstag ist ein Elternabend geplant. Als Sofortmassnahme habe man bereits alle Eltern und Mitarbeiter sowie die Aufsichtsbehörde informiert. Zudem arbeite man eng mit dem Kinderschutzzentrum St. Gallen und den Untersuchungsbehörden zusammen. Auch intern werde der Fall aufgearbeitet und die bereits bestehenden, strengen Arbeits- und Anstellungsrichtlinien nochmals überprüft. «Nicht nur die Kita-Leitung, sondern auch alle anderen Mitarbeiter sind zutiefst betroffen», so Hefti.

«Ein absoluter Alptraum»

Für eine Leser-Reporterin, die ihren Sohn zwar an einem anderen Standort, jedoch ebenfalls von der Kinderkrippenkette Fiorino betreuen lässt, sind die neusten Erkenntnisse rund um den Fall «ein absoluter Alptraum». Die besorgte Mutter weiss, dass der straffällig gewordene Mitarbeiter auch am Standort ihres Kindes als Springer im Einsatz war. Sie überlegt sich derzeit, ihr Kind von der Kita abzumelden.

Die Frau hat bereits vor Jahren gegenüber der Kita-Leitung ihren Wunsch angebracht, dass ihr Kind in der Einrichtung nie mit einem Mann allein gelassen wird. «Ich wurde damals aufgrund meiner Bedenken aber eher belächelt», erzählt die Frau. Sie fordert, dass nun endlich Massnahmen ergriffen werden.

So kam der Fall ans Licht

Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen führte Anfang Juli 2018 im Rahmen einer Strafuntersuchung wegen des Verdachts der Verbreitung von Kinderpornographie im «Darknet» gegen den damals 33-jährigen Beschuldigten Hausdurchsuchungen durch. Er wurde damals festgenommen und befindet sich seither in Untersuchungshaft.

Bei der Auswertung der Datenträger stiessen die Ermittler auf mehrere zehntausend Bilddateien mit mutmasslich kinderpornographischem Inhalt. Wie die Staatsanwaltschaft in einer Mitteilung schreibt, besteht nun der dringende Verdacht, dass der Beschuldigte sexuelle Handlungen an zwei Knaben unter zwei Jahren vornahm und dabei Videos erstellte, die er zum Teil im «Darknet» verbreitete.

Einen der Knaben soll der Mann mutmasslich im privaten Rahmen missbraucht haben, den anderen während seiner beruflichen Tätigkeit in der Kindertagesstätte. Zudem bestehe der dringende Verdacht, dass der Beschuldigte während seiner Arbeit von weiteren zwei Knaben sexuell motivierte Fotoaufnahmen gemacht und in einem Fall anonymisiert online verbreitet habe.

Täter setzte sich für männliche Kita-Mitarbeiter ein

2014 vernetzten sich männliche Kita-Betreuer in der gesamten Schweiz, um dem Generalverdacht wegen möglicher sexueller Übergriffe entgegenzuwirken. «Wir wollen junge Männer für den Einstieg und erwachsene Männer für den Umstieg in den Beruf motivieren», sagte Projektleiter Lu Decurtins damals gegenüber dem «Blick». Unterstützt wurde das Pilotprojekt vom Eidgenössischen Büro für Gleichstellung. Im Zuge der Berichterstattung kam auch der Beschuldigte M. N. zu Wort: «Männer, die mit kleinen Kindern arbeiten, stehen unter Generalverdacht», beklagte er.

Gemäss Recherchen von 20 Minuten bot M. N in der Vergangenheit zudem auf verschiedenen Online-Plattformen seine Dienste als Babysitter an. Er gab sich dabei als «liebevolle und qualifizierte Betreuung» aus.

(scl/rab)