Egnach TG

21. März 2018 16:20; Akt: 21.03.2018 16:20 Print

Wer bezahlt nun den Millionen-Schaden?

Vier Jugendliche werden verdächtigt, den Grossbrand in Egnach TG verursacht zu haben. Gut möglich, dass sie dereinst für mindestens 13 Millionen Schaden aufkommen müssen.

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Im Zusammenhang mit dem Grossbrand auf dem Firmengelände der Tobi Seeobst AG in Egnach hat die Jugendanwaltschaft des Kantons Thurgau gegen vier Jugendliche eine Strafuntersuchung wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst eröffnet.

Am späten Freitagabend brach beim Früchtehändler Tobi Seeobst in Egnach TG ein Feuer aus. Als die Feuerwehr eintraf, stand das Aussenlager bereits in Flammen. Bereits in der Nacht war der Brandermittlungsdienst der Kantonspolizei Thurgau vor Ort. Schnell ergaben sich Hinweise auf Brandstiftung.

Die Jugendlichen gaben in den Einvernahmen zu, dass sie sich zum fraglichen Zeitpunkt auf dem Firmengelände aufgehalten hatten. Sie stehen in Verdacht, durch unsachgemässen Umgang mit Feuer den Brand verursacht zu haben. Auf ihre Identität sei man aufgrund verschiedener Hinweise und Abklärungen gekommen, sagt Kapo-Sprecher Matthias Graf auf Anfrage. «Es wird davon ausgegangen, dass das Feuer nicht absichtlich gelegt wurde, sondern durch Unvorsichtigkeit entstand», sagt er. Die Jugendlichen sind zwischen 14 und 16 Jahre alt und kommen aus der Umgebung von Egnach. Sie gelten bis zur rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig.

Bei Tobi Seeobst ist man erleichtert, dass die mutmasslichen Verantwortlichen so schnell ermittelt werden konnten. «Wir können jetzt nach vorne schauen», sagt Geschäftsführer Benno Neff zu 20 Minuten. Er beziffert allein den Sachschaden auf mindestens 13 Millionen Franken. «Darin sind der Rückbau und die Kosten des Betriebsausfalls nicht eingerechnet», sagt er. Die tatsächliche Schadenhöhe werde erst in ein bis zwei Jahren bekannt sein. Laut Neff könnte die Summe bis auf 20 Millionen steigen. Werden die vier Jugendlichen dereinst dafür aufkommen müssen?

Grossbrand in Züberwangen

Der Fall erinnert stark an jenen von Züberwangen im September 2013. Zwei Jugendliche hatten auf dem Areal der Gärtnerei Rutishauser gezündelt und damit einen Grossbrand verursacht.

Die Jugendlichen mussten sich ein Jahr später vor dem Kreisgericht in Flawil verantworten, wo sie wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst und Hausfriedensbruch schuldig gesprochen wurden. Sie hätten den Brand nicht absichtlich gelegt, sich jedoch pflichtwidrig und unvorsichtig verhalten, schrieb das Gericht. Der Besitzer der Gärtnerei, bei der ein Schaden von rund 30 Millionen Franken entstand, machte damals lediglich den Selbstbehalt von 300 Franken geltend. Die Rückforderungen der Versicherungen verwies das Gericht auf den Zivilweg.

Die Gebäudeversicherungsanstalt (GVA) des Kantons St. Gallen verklagte daraufhin die Eltern der Jugendlichen und forderte 10 Millionen Franken. Die Eltern hatten laut den Verteidigern eine Haftpflichtversicherung mit einer Schadensdeckung von je fünf Mio. Franken. Da sie für die restlichen Forderungen nicht belangt werden könnten, müssten die Versicherungen das Geld bei den Jugendlichen holen, sagte GVA-Direktor Renato Resegatti damals.

Aussergerichtliche Einigung

Es kam danach aber zu keinem Zivilprozess. Die Geschädigten und die involvierten Versicherungen erzielten mit den Beschuldigten im Juni 2015 eine Einigung. Über den Inhalt wurde Stillschweigen vereinbart. Gleichzeitig waren alle Berufungen gegen das Urteil des Kreisgerichts zurückgezogen worden, das damit rechtskräftig wurde. Die beiden Jugendlichen selbst mussten acht Tage persönliche Leistung, sprich einen gemeinnützigen Arbeitseinsatz, erbringen.

(tso)