St. Gallen

08. Februar 2019 05:53; Akt: 08.02.2019 05:53 Print

Staatsanwaltschaft löscht FB-Profil von Kita-Betreuer

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Kita-Betreuer M. N. wollen sich Kollegen von ihm distanzieren. Die St. Galler Staatsanwaltschaft musste deshalb auf Facebook eingreifen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der 33-jährige M.N.* wurde Anfang Juli 2018 verhaftet und sitzt derzeit in U-Haft. Damals war er noch als Kita-Betreuer tätig und Mitarbeiter einer Filiale der St. Galler Fiorino-Kinderkrippen. Anfänglich stand er unter Verdacht, kinderpornografisches Material verbreitet zu haben. Anhaltspunkte über fehlbares Verhalten am Arbeitsplatz gab es laut Behörden zunächst nicht, ausgeschlossen werden konnte es allerdings auch nicht. Am Donnerstag wurden nun bekannt, dass er auch zwei Buben missbraucht haben soll. An seinem Arbeitsplatz soll er zudem von zwei Buben sexuell motivierte Fotoaufnahmen gemacht habe.

Bereits nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe zeigte sich sein Umfeld schockiert. «Das hätte ich nie für möglich gehalten», so ein Bekannter damals gegenüber 20 Minuten. Er beschrieb M. N. als extrovertierten und gut vernetzten Typen. Das zeigte auch ein Blick auf sein Facebook-Profil. Zudem war er in verschiedenen Bereichen künstlerisch tätig.

Angst, in falsches Licht gerückt zu werden

Wer aktuell nach dem Facebook-Profil von M. N. sucht, wird nicht mehr fündig. Die Staatsanwaltschaft St. Gallen hat es auf Antrag des Beschuldigten nämlich gelöscht. «Das Gesetz verpflichtet uns, die Persönlichkeitsrechte von Verfahrensbeteiligten zu wahren», heisst es auf Anfrage.

Wie 20 Minuten weiss, hat die Staatsanwaltschaft aber bereits vor der Löschung in das Profil eingegriffen. «Mehrere Personen haben sich bei der Staatsanwaltschaft gemeldet, die auf dem Profil von M. N. in irgendeiner Form sichtbar waren», so Roman Dobler, Sprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft. Der Zusammenhang sei zwar harmlos gewesen, dennoch wollten die Betroffenen nicht in Verbindung mit N. gebracht oder in ein falsches Licht gerückt werden. «Die Personen wollten sich damit selbst schützen und ihre Persönlichkeitsrechte gewahrt haben.»

Auf Kooperation angewiesen

In Absprache mit dem Beschuldigten sei man den Bitten schliesslich nachgekommen. Die Staatsanwaltschaft selbst könne nicht von sich aus etwas ohne das Einverständnis des Beschuldigten löschen oder am Profil verändern.

Angaben darüber, in wie vielen Fällen die Staatsanwaltschaft solche Veränderungen an Social-Media-Profilen vornimmt, kann Dobler nicht machen. Offen bleibt auch, ob sich Kollegen und Familie auch im echten Leben von N. abgewandt haben. Die Staatsanwaltschaft macht keine Angaben darüber, wie oft und ob überhaupt N. in U-Haft besucht wird. Dies wäre mit einer Bewilligung möglich. Auch nicht über allfällige Briefkontakte.

Der Instagram-Account von M. N. war am Donnerstag immer noch aktiv, allerdings nicht öffentlich einsehbar.

* Name der Redaktion bekannt

(taw)