Konstanz (D)

28. Juni 2019 04:52; Akt: 28.06.2019 05:55 Print

Stadt fordert Anwohner auf, Poser anzuschwärzen

Stadt und Polizei haben PS-Protzern in Konstanz (D) den Kampf angesagt. Da durch Kontrollen keine konkrete Szene angehalten werden konnte, setzt man nun auf die Mithilfe der Bevölkerung.

Bildstrecke im Grossformat »
Mehrere Anwohner klagen darüber, dass in Konstanz beim Shopping-Center Lago und in der angrenzenden Bodanstrasse Raser und Poser unterwegs wären. In der Vergangenheit kam es dort bereits mehrfach zu Unfällen. Unter anderem 2017, wo ein 22-jähriger Schweizer die Kontrolle über seinen Boliden verlor und in ein Schaufenster prallte. Zwei Passanten hatten Glück im Unglück: Sie wurden bei dem Unfall nur leicht verletzt, ebenso der Lenker. In den sozialen Netzwerken zogen die Konstanzer daraufhin über die Schweizer her. Auch 2014 kam es zu einem Horrorunfall in Konstanz: Mit einem getunten Mercedes gab ein 21-jähriger Schweizer zu viel Gas. Der Wagen landete im Strassengraben und brannte aus. Als die Polizei am Unfallort eintraf, fehlte von dem Fahrer und seiner Begleiterin (20) jede Spur. Schliesslich wurden die Ermittler im Klinikum fündig. Der Lenker erlitt eine Platzwunde am Kopf. Seine 20-jährige Beifahrerin traf es härter: Sie hatte einen Kieferbruch erlitten und mehrere Zähne verloren. Zudem kam es in der Vergangenheit immer wieder zu gefährlichen Autorennen auf der A81 zwischen Engen und Geisingen. Oft waren Schweizer darein verwickelt. Im März 2018 reichte es dem Konstanzer Polizeipräsidium: Ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern wurde eingeführt. Und dies zahlt sich aus für die Polizei: Bis Dezember gab es dort über 5000 Verstösse. Rund 15 Prozent aller Gebüssten dürften gemäss Erfahrungswerten Schweizer sein. 184 Lenker erhielten sogar ein Fahrverbot. «Dass die Autos in der Schweiz registriert sind, bedeutet aber nicht, dass immer Schweizer im Wagen sind», sagt Berndt Schmidt, Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz.

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Mit aufheulenden Motoren oder unnötigem Gas geben bei ausgekuppeltem Fahrzeug fahren in Konstanz vermehrt sogenannte Poser durch die Strassen und machen durch ihre Lautstärke auf sich aufmerksam», teilte die Stadt Konstanz kürzlich in einem Communiqué mit. Um dem entgegenzuwirken, hat die Stadt gemeinsam mit der Polizei eine Mail-Adresse eingerichtet. Unter Raser@konstanz.de sollen Anwohner ihre Beobachtungen anonym dokumentieren.

Umfrage
Was halten Sie von der E-Mail-Aktion?

«Hierfür ist die genaue Angabe von Ort, Zeit und Kennzeichen und soweit möglich eine Beschreibung des Fahrers zwingend notwendig», heisst es weiter. Alles was vom Melder benötigt werden würde, sei eine E-Mail-Adresse. Man sei nun auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Das Polizeirevier habe in den letzten Monaten Kontrollen durchgeführt. Zuletzt mit Unterstützung der Kantonspolizei Thurgau. Dabei habe man allerdings keine konkrete Poserszene anhalten können. Auch betreffend der Rennszene würden derzeit keine konkreten Hinweise vorliegen. «Meist gehen die Meldungen bei den Behörden erst verspätet ein, sodass es für die Polizei schwierig ist, dagegen vorzugehen», schreibt die Stadt in der Mitteilung.

Schweizer unter den PS-Protzern

Laut Anwohnern sollen sich die PS-Protzer vor allem beim Einkaufscenters Lago und der angrenzenden Bodanstrasse aufhalten. Mehrere von ihnen klagen, dass sie durch den nächtlichen Motorlärm kaum zur Ruhe kämen. In der Vergangenheit kam es auf der besagten Strecke mehrfach zu Unfällen, in die auch Schweizer verwickelt waren.

So beschleunigte 2017 ein 22-jähriger Schweizer seinen 400 PS-Boliden auf der Bodanstrasse so stark, dass er die Kontrolle verlor. Das Auto geriet von der Fahrbahn und prallte in ein Schaufenster. Zwei Fussgänger hatten Glück im Unglück: Sie konnten noch rechtzeitig auf die Seite springen und wurden wie der Fahrer nur leicht verletzt.

So funktioniert die E-Mail-Fahndung

Die Stadt hofft, mit dem E-Mail-System neue Erkenntnisse über die Poser zu gewinnen. Laut den «Thurgauer Nachrichten» werden die eingegangenen Hinweise von Mitarbeitern des Bürgeramtes alle sechs bis zwölf Wochen ausgewertet. «Stellen wir fest, dass sich Hinweise zu bestimmten Kennzeichen häufen, werden wir das weitere Vorgehen mit der Polizei besprechen», sagt Frank Conze, stellvertretender Leiter des Bürgeramtes.

Datenschutzrechtlich bestehen laut Conze keine Probleme: Sobald man die Mails bearbeitet hat, würde man sie wieder löschen. Die Plattform werde nun in den nächsten ein bis zwei Jahren geprüft. Und was, wenn sie nicht funktioniert? «Es ist trotzdem besser, als untätig zu bleiben», so Conze gegenüber der Zeitung. Mediensprecher Walter Rügert ergänzt: «Sollte die Tatsache, dass es diesen konkreten Kanal gibt, auch einzelne Fahrzeugführer zu einer Anpassung ihres Verhaltens bringen, wäre dies ein positiver Nebeneffekt.»

(juu)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bubi-Kenner am 28.06.2019 05:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum so kompliziert?

    Am besten ein rigoroses Verbot zur Führung/Abgabe von Fahrzeugen mit einer Leistung über 150 PS bei 18-30 Jährigen, dann wirds von alleine ganz schnell ruhig! Bubis werden dann andere Beschäftigung suchen...

    einklappen einklappen
  • Laimigs am 28.06.2019 05:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seine Defizite durch PS kompensieren

    Schweizer unter den PS-Protzern? Es ist bei weitem nicht immer das drin, was drauf steht. Insbesondere in solchen Autos. Da will man mit wachem Sinn unvoreingenommen durchs Leben gehen und sieht Dolche Vorurteile bestätigt. Schade.

    einklappen einklappen
  • Mike Schwarz am 28.06.2019 06:24 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer

    Ist nicht überall Schweizer drin, wo Schweizer drauf steht!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bodi73 am 30.06.2019 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man muss halt so...

    Auf sich aufmerksam machen, wenn man nichts in der Hose hat und die Spaghetti zwischen den Ohren ohne Widerstand durchziehen kann.

  • Peter Baumann am 29.06.2019 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zulassungsvorschriften verschärfen!

    Die Zulassungsvorschriften für PKW's und Motorräder sollten dringendst bezüglich Lärm, aber auch bezüglich KW pro Tonne drastisch verschärft werden. Dies würde dem Wohlbefinden Vieler, der Verkehrssicherheit, aber auch dem Umweltschutz nur dienen!

  • Aldointernationale am 29.06.2019 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Da guckst du aber ...

    Dieses Posertum wird natürlich durch YouTube und Co. enorm gefördert. Dazu die Gaffer und ewigen Handyfilmer. Heute meint jeder ein kleiner Star zu sein, wenn er durch was auch immer Aufmerksamkeit erregen kann. Wer heute nicht aussieht und sich benimmt wie ein Kasper, ist doch wirklich nicht in.

  • Guschdi am 28.06.2019 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    In der Schweiz braucht man so was nicht. Wir haben Leserreporter.

  • Bello am 28.06.2019 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe

    Es gibt keinen einzigen Grund für solche Prozerei. Solche Pommes-Frites-Leute gehören für mich in die Klapse uns die Fahreignung abgeklärt.

    • Luc H. am 28.06.2019 22:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bello

      Es sind Kebap Leute, nicht Pommes Frites Leute

    • Schneidewind am 29.06.2019 11:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Luc H.

      Und was ist mit dem Tomaten-Mozzarella mit Basilikum ? He ?

    • Whisk am 30.06.2019 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bello

      Solchen kopflosen Angebern mit PS starken Autos Ausweis und Auto konfiszieren.

    einklappen einklappen