Mordfall Ganterschwil

03. März 2020 11:54; Akt: 03.03.2020 13:11 Print

«Beim Puff-Besuch hatte ich die Leiche vor Augen»

Ein Mann (36) wurde im September 2015 auf einem Feldweg in Ganterschwil SG erschossen. Danach feierten die Täter im Bordell. Jetzt stehen sie vor Gericht.

Der Mordfall Ganterschwil wird am Dienstag vor Gericht verhandelt. (Video: mig)
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F. S.* wollte den 36-jährigen A. V.* am 9. September 2015 mit neun Pistolen-Kugeln töten, so steht es in der Anklageschrift. Getroffen wurde das Opfer von zwei Kugeln. Danach habe S. noch zu einem Messer gegriffen und es dem am Boden liegenden Mann in die Brust gerammt. Dieser sei noch vor Ort bei einem Feldweg in Ganterschwil SG verblutet. Seine Partnerin musste alles mitansehen. Das Dorf stand nach der Tat unter Schock.

Wehren hätte sich A. V. nicht können, da er so überrascht gewesen sei. Gemäss der Staatsanwaltschaft sprach der Täter kein Wort und ging ohne Zögern vor. «In einem Abstand von ca. drei bis fünf Metern zog er die Waffe hervor und richtete diese in der rechten Hand haltend und den Arm ausgestreckt gegen A. V.» steht in der Anklageschrift. Danach habe er innert wenigen Sekunden neun Mal geschossen.

Wegen dieser Tat steht der heute 34-Jährige am Dienstag vor dem Kreisgericht Toggenburg. Er muss sich unter anderem wegen Mordes verantworten und geht es nach der Staatsanwaltschaft soll er 20 Jahre ins Gefängnis. Sein Komplize soll sieben Jahre ins Gefängnis, unter anderem wegen Gehilfenschaft zu Mord. Denn der heute 55-Jährige hat S. an den Tatort nach Ganterschwil gefahren. Vor Ort habe er ihm das Messer gereicht und alles mitangesehen.

Beiden wollten die gleiche Frau

Der 34-Jährige aus Nordmazedonien hat sein Opfer gekannt. Sie wollten beide mit der selben Frau zusammen sein. Und beide waren sie zeitweise auch mit ihr zusammen. Als Opfer V. im Gefängnis war, lernte der Nordmazedonier die Frau kennen. Er wollte M. W.* möglichst schnell heiraten, denn er war zu diesem Zeitpunkt ohne gültige Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz. In der Anklageschrift steht: «Er schüchterte M. W. phasenweise massiv ein, drohte ihr, sie umzubringen, ihr Haus anzuzünden und sie zu verprügeln sowie ihren Kindern etwas anzutun.»

Dennoch lebten sie eine gewisse Zeit im selben Haus. Die Frau sei auch sexuell von ihm angezogen gewesen. Doch als V., für die anderen beiden unerwartet früh, aus dem Gefängnis entlassen worden sei, sei es zu Problemen gekommen. Denn dieses Haus gehörte zur Hälfte ihm, heisst es in der Anklageschrift. Am Tag vor dem Mord sei es zu einem klärenden Gespräch der drei gekommen. Dieses sei friedlich verlaufen. Dabei liess die Frau verlauten, sie habe sich endgültig für V. entschieden und S. musste seine Sachen zusammenpacken und den Hausschlüssel abgeben.

«Soll ich ihn umbringen?»

Am selben Abend sagte S. seinem Komplizen, er werde V. umbringen. Davon habe ihn auch die umworbene Frau nicht abbringen können. Als er sie nämlich an diesem Tag zur Arbeit fuhr, habe er sie gefragt, ob er V. umbringen soll. Sie habe dies abgelehnt.

Tags darauf trafen sich die beiden Beschuldigten vor der Tat. S. kündigte an, er werde jetzt V. erschiessen und seinen Komplizen aufgefordert, ihn nach Ganterschwil zu fahren. Anfänglich versuchte dieser ihn von der Idee abzubringen. Doch dann fuhr er.

Nach der Tat haben die beiden Männer ein Bordell aufgesucht. «Dort vergnügten sie sich noch mit zwei Liebesdienerinnen», steht in der Anklageschrift. Kurze Zeit später seien sie verhaftet worden. S. sitzt seit der Verhaftung am 10. September 2015 im Gefängnis.

* Name der Redaktion bekannt

(mig)