Rammbock-Einbruch

29. November 2018 05:37; Akt: 18.12.2018 11:09 Print

Teenager identifizierten Fluchtauto dank App

Nach dem Überfall auf die Bucherer-Filiale in St. Gallen tauchte ein Video vom Fluchtauto auf. Drei Jugendliche hatten das Fahrzeug in einer Tiefgarage in Teufen AR entdeckt.

Drei Jugendliche entdeckten am Freitag, 16.11.2018, in einer Tiefgarage in Teufen den Fluchtwagen der Rammbock-Räuber. (Video: Leser-Reporter)
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Ein Leser-Reporter spielte 20 Minuten am vergangenen Sonntag ein Video zu, welches das Fluchtauto der Rammbock-Räuber von St. Gallen zeigt. Im Video sieht man, wie sich jemand in einer Tiefgarage dem Fahrzeug nähert, es öffnet und hineinschaut. Sowohl Vorder- und Hintertür werden geöffnet und wieder geschlossen.

Nun stellte sich heraus, dass es sich bei den Urhebern um drei Jugendliche handelte: «Ich hab das Fahrzeug aus purer Neugier geöffnet», sagt M.H.* am Mittwoch zu 20 Minuten. Der 19-Jährige war in Begleitung von zwei Kollegen am Freitag, dem 16. November, gegen 22 Uhr in der Tiefgarage der Turnhalle Landhaus in Teufen, als der Gruppe plötzlich der Audi mit Zürcher Kennzeichen ins Auge stiess. Dass es sich aber tatsächlich um das gesuchte Tatfahrzeug handelte, konnten die drei erst kaum glauben: «Wir haben aus den Medien bereits gewusst, dass es ein Audi RS6 sein soll und haben am Anfang sogar noch Witze darüber gemacht», so H.

Kennzeichen gehört zu Jaguar

Zuvor habe die Gruppe im Treppenhaus noch Alkohol getrunken, gesteht der Appenzeller. «Über den Wagen sind wir eigentlich nur gestolpert, da wir auf die Toilette mussten und der schnellste Weg durch die Tiefgarage geht.» Da sich die Gruppe nicht sicher war, fragten sie zuerst über eine Handy-App das Kennzeichen ab, um den Halter zu ermitteln: «Wir wurden dann zu einem Mann verbunden, der sagte, dass das Kennzeichen eigentlich zu seinem Jaguar gehört, aber gestohlen worden sei.» Damit sei für die Teenager klar gewesen, dass es sich um das Fluchtauto handeln musste.

Gespannt nahmen sie das Auto dann genauer unter die Lupe und merkten, dass es nicht abgeschlossen war. «Deshalb hat mein Kollege M.G.* gefilmt und ich habe den Audi geöffnet.» Auffallend war auch eine braune Flüssigkeit auf den Sitzen, so der 19-Jährige. Als der Jugendliche darauf hin die Fahrertür öffnete, sprang ihm sofort die blinkende Armaturenleiste ins Auge: «Das Datum und die Uhrzeit waren völlig falsch», so der Appenzeller.

Jugendliche wurden nicht aufgeboten

Direkt nach dem Videodreh verständigte M.G. die Polizei. «Gegen 22 Uhr hat sich ein Passant bei uns gemeldet», bestätigt Anton Sonderegger, Sprecher der Kapo Appenzell Ausserrhoden, auf Anfrage von 20 Minuten.

Die drei Jugendlichen geben an, bereits bei der Befragung vor Ort zugegeben zu haben, dass sie das Auto berührt und gefilmt haben. «Die Polizisten meinten nur, dass es okay wäre. Mitkommen mussten wir nicht», so M.H.

Bei der Polizei kann man sich nicht vorstellen, dass die Beamten so reagierten: «Okay ist so etwas sicher nicht. Wir raten auch bei einem Einbruch immer dazu, nichts anzufassen», so Sonderegger.

Erst nach Erscheinen des Artikels von 20 Minuten meldeten sich die Teenager erneut bei der Polizei: «Wir haben gestern zwei Personen zu einer freiwilligen DNA-Probe aufgeboten», bestätigt Florian Schneider, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen auf Anfrage.

* Name der Redaktion bekannt

Bereits beim Einbruch in die Bucherer-Filiale filmte eine Anwohnerin die Räuber. (Video: Leser-Reporter)

(juu)