Jahrhundertprojekt

07. Juli 2014 15:28; Akt: 07.07.2014 15:28 Print

Thur soll Hochwasser besser trotzen

Die Dämme der Thur sind in einem schlechten Zustand. Deshalb will der Kanton den Hochwasserschutz verbessern. Die Kosten gehen in den dreistelligen Millionenbereich.

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Nach heftigen Gewittern und starkem Regen führte die Thur im Sommer 2009 Hochwasser. Der Kanton Thurgau will nun den Hochwasserschutz verbessern. (Bild: Keystone)

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Wie die «Thurgauer Zeitung» schreibt, sind die Hochwasserdämme entlang der Thur über 100 Jahre alt, doch bisher wurde nur der Abschnitt zwischen Niederneunforn und Frauenfeld saniert. Die Dämme zwischen Frauenfeld und Bürglen seien in einem besonders schlechten Zustand, sagt Marco Baumann, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft und Wasserbau beim Amt für Umwelt. «Bei einem schweren Hochwasser gibt es keine Garantie, dass die Dämme halten», so Baumann.

Neues Konzept bis Herbst

Nun unternimmt der Kanton einen neuen Anlauf, den Hochwasserschutz zu verbessern. Derzeit werde das Konzept aus dem Jahr 2002 für eine zweite Thurkorrektion überarbeitet. Dieses unterteilt die Thur in acht Abschnitte und legt für jeden fest, was zu tun ist. Die Massnahmen hätten schon im letzten Jahrzehnt umgesetzt werden müssen, verwirklicht worden sei bisher aber nur der kleine Abschnitt bei Schönenberg. Dort seien Dämme erhöht und das Flussbett teilweise verändert worden. Das Teilprojekt zwischen Bürglen und Weinfelden zog der Kanton letztes Jahr zurück, weil der Widerstand der Grundeigentümer zu gross war. Bis im Herbst soll das Konzept fertig sein und den betroffenen Gemeinden, Landbesitzern und Interessenvertretern vorgelegt werden.

Widerstand ist programmiert

Bisher gibt der Kanton zu den konkreten Details noch keine Auskunft. Wie Baumann aber sagt, seien die Veränderungen im Vergleich zum alten Konzept nicht gross. Die Dämme selber sollen erhöht und verbreitert und das Flussbett so gestaltet werden, dass es einen schnellen, schadlosen Abfluss des Hochwassers erlaubt, so Baumann.

Widerstand gegen das Konzept ist programmiert. Denn beim Thurvorland handelt es sich meist um Landwirtschaftsland. Der Verband Thurgauer Landwirtschaft verlangt bereits einen Stopp des Konzepts. «Wir sehen keinen Handlungsbedarf dafür, solange nicht klar ist, was auf eidgenössischer Ebene gilt», sagt Verbandspräsident und SVP-Nationalrat Markus Hausammann. Es gebe bereits schon eine Flut von Vorstössen in den eidgenössischen Räten, die die Bestimmungen zum Gewässerraum ändern wollen.

Mehr als 100 Millionen Franken

Um die Thurkorrektion umzusetzen, brauche es die Einsicht der Grundeigentümer, so Umweltexperte Baumann. Er rechnet damit, dass es 40 Jahre oder länger geht, bis das Konzept umgesetzt ist. Deshalb könne man momentan auch die genauen Kosten nicht berechnen. Das Konzept von 2002 geht von gut 100 Millionen Franken aus. Dieser Betrag dürfte mittlerweile deutlich übertroffen werden, sagt Baumann.

(jeh)