Ebnat-Kappel SG

20. September 2017 05:49; Akt: 20.09.2017 05:49 Print

Tibeter bei Toggenburger Ballontagen unerwünscht

Mit einer Ballon-Tournee durch die Schweiz machen Tibet-Aktivisten auf ihre Anliegen aufmerksam. Bei den Ballontagen Toggenburg sind sie abgeblitzt.

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«Leider machen wir solche Erfahrungen in letzter Zeit immer wieder», sagt Thomas Büchli. Büchli ist Präsident der Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft (GSTF) und nicht besonders gut zu sprechen auf die Veranstalter der Ballontage Toggenburg.

Die Ballontage beginnen am Donnerstag in Ebnat-Kappel. 25 Ballon-Teams aus dem In- und Ausland feiern an vier Tagen ein grosses Festival. Zur Enttäuschung der Tibet-Aktivisten ist ein Ballon nicht dabei: der Heissluftballon Tashi (tibetisch für Glück), der in diesen Tagen durch die Schweiz tourt, um auf die drohende «Auslöschung der tibetischen Kultur» aufmerksam zu machen.

«E-Mails wurden ignoriert»

«Wir wären gerne bei diesem Fest dabei gewesen», sagt Büchli. Doch hätten die Veranstalter mehrere entsprechende E-Mail-Anfragen ignoriert. Eine schriftliche Anfrage sei dann vor wenigen Wochen abgelehnt worden mit der Begründung, es habe keinen Platz mehr, das Teilnehmerfeld sei voll.

Büchli hält dies für eine Ausrede: «Hätte man gewollt, hätte man für unseren Ballon bestimmt einen Platz gefunden.» Er glaubt, dass es einen ganz anderen Grund gibt für die Absage: China. Büchli: «Schaut man sich die Sponsorenliste an, so hat es mindestens ein Unternehmen mit engen Verbindungen nach China. Dort befürchtet man wohl Wettbewerbsnachteile, wenn man in die Nähe von pro-tibetischen Aktivitäten gerät.»

In der Schweiz habe die Trendwende schon vor einiger Zeit eingesetzt, so Büchli. «War die Solidarität mit der tibetischen Bevölkerung früher sehr ausgeprägt, machte sich mit dem Aufstieg Chinas als Wirtschaftsmacht ein gewisser Opportunismus breit.» Immer häufiger sei es so, dass Behörden und auch private Organisationen in einer Art vorauseilendem Gehorsam tibetische Aktivitäten verbieten oder behindern würden.

«Mit 25 Teams ausgebucht»

René Louis, OK-Präsident der Ballontage Toggenburg, wollte am Dienstag auf Anfrage keine Stellung zur Kritik der Tibet-Aktivisten nehmen. Für die Absage an deren Heissluftballon-Projekt macht er organisatorische Gründe geltend: «Wir sind ein Einladungs-Meeting», sagt er, «zuerst laden wir die bisherigen Teams ein, dann jene auf der Warteliste.» Mit 25 Teams sei man ausgebucht, so Louis.

Im Toggenburg ist die Sache für die Tibet-Freunde übrigens doch noch gut ausgegangen: In Ulisbach zwischen Wattwil und Ebnat-Kappel macht Heissluftballon Tashi am Samstag zwischen 10 und 13 Uhr halt – eine Privatperson hat ihr Land zur Verfügung gestellt. Es gibt sogenannte Fesselflüge für Interessierte, dazu tibetisches Essen und Musik. Den Ballontagen wünschen die Tibet-Aktivisten nur das Beste: «Ich hoffe, dass wir alle ein schönes Ballonfest erleben, wir in Ulisbach, sie in Ebnat-Kappel», sagt einer der Organisatoren.

(eli)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • J.B. am 20.09.2017 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verückt

    Erstaunlich wie die Chinesen Einfluss haben, bereits an einem anderen Fest hatten die Chinesen es geschafft das die Tibet Fahne eines Foodstandes weg musste, unglaublich aber wahr.

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  • Demey am 20.09.2017 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstand geht auch durch den Magen

    Erstaunlich wie viel China Sympathisanten hier zu finden sind. Mir kommt es so vor, dass in heutiger Zeit nicht nur die Liebe, sondern auch der Verstand durch den Magen geht. ( nach dem Motto :Arbeitsplatz kommt vor Menschenrechte) Weiter so liebe Schweizer und Schweizerinnen, mit dieser Einstellung werdet ihr bestimmt noch mehr Gelder von China erhalten und wenn ihr noch braver seid, wird China die Schweiz auch früher oder später auch wirtschaftlich kolonisieren. Falls dies euer Vorhaben ist.

  • Elmar Sperger am 20.09.2017 06:07 Report Diesen Beitrag melden

    Heissluftballon keine Politik

    Heissluftballon Tage sind keine Politischentage .wir wollen nicht immer die Politik an solchen Tagen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Amanda_X am 20.09.2017 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es nervt

    Ballonfahrten, Sport Spiel und Spass und so weiter soll endlich einmal nichts mit dieser Politik zu tun haben! Lasst mal den Menschen einfach ihre Freude ohne immer ständig auf die Probleme anderer aufmerksam zu machen. Es nervt schon so sehr, dass es keinen interessiert.

    • Free Tibet am 20.09.2017 16:46 Report Diesen Beitrag melden

      Spassgesellschaft

      So eine "Meinung" ist schon ziemlich ignorant. Aber was anderes ist in unserer Spassgesellschaft auch nicht zu erwarten. Hauptsache ihr müsst nicht über Probleme nachdenken.

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  • Liebe & Mitgefühl am 20.09.2017 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1.2 Millionen ermordete Tibeter

    Ich schäm mich, ein Schweizer zu sein, wenn ich solche Meldungen lesen muss. Dass Tibet ein feudalistisches System hatte, bevor die Chinesen einfielen, ist eine Tatsache. Viele Länder, sogar die Schweiz (Verdingkinder, Frondienst), hielten zu irgendeinem Zeitpunkt in der Geschichte Sklaven. Es ist logisch, dass Tibet sich auch ohne die Vergewaltigung durch die Han-Chinesen, aus dem Feudalismus hinaus entwickelt hätte. Auf alle Fälle rechtfertigt dies nicht die Ermordung von 1200000 Tibetern, wovon Hunderttausende zu Tode gefoltert worden sind! Tibet braucht jede nur mögliche Unterstützung.

    • Alex T. am 21.09.2017 09:04 Report Diesen Beitrag melden

      aktuell 13 unlikes?!

      sogar wenn man aufklärt und so krasse Storys lesen kann, klicken 13 Leute auf unlike!!?? Typisch, den wir haben ja und kennen keine richtigen grosse Probleme, deshalb sind so viele Menschen in unserem Land so unzufrieden, depressiv etc. Alles ist immer negativ, dementsprechend versteht man nicht mal solche Storys, einfach himmeltraurig!

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  • Dex am 20.09.2017 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dass Rad der Geschichte dreht sich nicht zurück

    Die Tibeter müssen die unbequeme Realität akzeptieren dass China nun mal wichtiger ist für den rest der Welt. Tibet ist China. Tibeter sollten die Chance nutzen anstatt die neue Realität zu bekämpfen. Man stelle sich vor die Native Americans würden weiterhin gegen die Yankees kämpfen. Irgendwann ist man halt besiegt und arrangiert sich. Desto früher die Tibeter zu dieser Erkentniss gelangen desto früher werden sie von China profitieren.

    • ninolino am 20.09.2017 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dex

      Soso. Und nun ersetz mal China mit EU und Tibet mit Schweiz. Merkst du was?

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  • Kevin am 20.09.2017 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    kein platz für politik

    ich sehe die Problematik weniger bei irgendwelchen sponsorenverbandelungen. die ballontage sind ein fest, eine freizeitveranstaltung und somit sicher nicht der ort für ein politisches statement. ich finde es richtig, dass man weder für die eine, noch für die andere seite position bezieht.

    • Nick am 20.09.2017 15:49 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht in der Schweiz

      Genau. Ich finde sowieso, dass weder interne Streitigkeiten eines Landes noch Konflikte zwischen 2 oder mehr Staaten hier in der Schweiz ausgetragen werden sollen, auch nicht mittels Demonstrationen oder ähnlichem. Solche Aktivitäten gehören in die jeweiligen Länder.

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  • an der eigenen Nase nehmen am 20.09.2017 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    falsche Plattform

    Ein Sportanlass ist nicht der richtige Ort, ganz einfach. Was kann der chinesische Sportler gegen die Politik seines Landes unternehmen, was kann das Mitglied eines anders Landes dagegen unternehmen? Nichts! Somit, das Anliegen ist 100% in Ordnung, nur nicht an solch einem Anlass