Rapperswil-Jona

21. März 2019 19:42; Akt: 21.03.2019 19:42 Print

Tiere verenden qualvoll wegen Deko-Herzen

Bei Trauungen auf dem Rapperswiler Schlosshügel werden oft Plastik-Herzen geworfen. Sie sollen das frisch verheiratete Paar erfreuen. Für Tiere werden sie jedoch zur tödlichen Gefahr.

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Auf dem Schlosshügel in Rapperswil-Jona kann man wunderbare Hochzeiten feiern. Dabei kommen offenbar öfters rote Herzchen aus Stanniolpapier, das man auch für Lametta verwendet, zum Einsatz. Mit den Herzen aus dem Kunststoffmaterial werden Brautpaare beworfen, wie die «Obersee-Nachrichten» am Donnerstag berichten. Was den Frischvermählten Freude bereitet, kann für Tiere aber tödlich sein.

Die Herzchen landen nämlich haufenweise auf der Wiese der derzeit acht Damhirsche, die auf dem Lindenhof beim Schloss leben. «Wenn ein Hirsch zwei bis drei Herzli frisst, kann das schon tödlich sein», sagt Wildtierpfleger Theo Böhler, der die Tiere betreut. Kürzlich sei er eine Stunde lang mit dem Beseitigen der roten Teilchen beschäftigt gewesen.

Hirsch gestorben

Wenn die Hirsche die Herzen verschlucken, kann es vorkommen, dass diese den Pansen, den Eingang zum Magen, verkleben. Die Folge: Der Verdauungsprozess kann dann nicht statt finden. «Für die Tiere ist das grausam. Sie gehen innerlich zu Grunde», sagt der 72-jährige Rapperswiler.

Vor einigen Monaten musste ein 3-jähriger Hirsch eingeschläfert werden, nachdem er viel Gewicht verloren hatte und stark abmagerte. Vor der Erlösung wurde der Hirsch auf Würmer und Parasiten untersucht. Fehlanzeige. «Es könnte sein, dass die Herzen Ursache für die Abmagerung des Hirsches war», sagt Böhler. Aus Kostengründen wurde keine Sezierung des Kadavers vorgenommen, weshalb es keine medizinische Gewissheit für die Todesursache gibt.

Stadt reagiert

Bei der Stadt Rapperswil ist man sich der Gefahr der Herzchen bewusst. Die Stadt plant, auf einem Formular des Zivilstandsamtes Heiratende darauf hinzuweisen, dass das Werfen von Stanniolherzchen zu unterlassen sei. Bereits klar untersagt ist das Werfen von Reis und Rosenblätter.

Die Veranstalter der Hochzeiten und anderer Events auf dem Schloss haben bereits reagiert: «Wir informieren die Hochzeitsgesellschaften mit einem Merkblatt, dass das Verstreuen solcher Herzen verboten ist», sagte Geschäftsführer Fabian Schnyder den «Obersee Nachrichten». Es sei aber praktisch unmöglich, alle Gäste im Auge zu behalten.

Wildtierpfleger Böhler freut sich, dass die Problematik der Plastikherzen nun breiter bekannt wird. «Die Herzchen wurden ja nicht in böser Absicht gestreut. Die Leute sind sich einfach nicht bewusst, dass sie bei Tieren ernsthafte Schäden verursachen können.» Er hofft, dass die Leute nun mehr Rücksicht nehmen, auch generell. Denn nicht nur Herzchen aus Stanniolpapier finden den Weg ins Gehege der Hirsche: «Vor allem an den Wochenenden landen auch Glas- und Petflaschen, Plastikbecher, Pizzaschachteln und weiterer Abfall im Gehege der Hirsche.»
Für Böhler ein Ärgernis. Er muss ständig dafür sorgen, dass die Hirsche keinen Abfall essen, und den Unrat zusammensammeln und entsorgen.

(jeb)