Mammern TG

12. September 2016 05:43; Akt: 12.09.2016 08:49 Print

Tierschützer finden Taube mit Helm und Sender

Thurgauer Tierschützer retteten eine erschöpfte und orientierungslose Forschungstaube. Diese war Teil eines Experiments der Uni Konstanz, die den Vogel zurückhaben will.

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Die Tierschützer, die Anfang September in Mammern den völlig erschöpften Vogel fanden, waren entsetzt: «Der Taube wurde ein Plastikhelm aufgesetzt und mit Schnüren fixiert», schreiben sie in ihrer Mitteilung. «Der Helm war so angebracht, dass dem Tier komplett die Sicht genommen wurde und auch die oberen Atemwege zum Teil verdeckt waren.» Auch sei die Taube durch ein Lokalanästhetikum an der Nase betäubt worden, was zum Verlust des Geruchssinns geführt habe.

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Die Taube trug am Rücken einen Sender, der durch ein doppelseitiges Klebband befestigt war. Dieser sei für den übergewichtigen Vogel viel zu schwer gewesen, was zur Erschöpfung habe führen müssen. Auch bemerkten die Tierschützer, dass sich die Taube entgegen ihrem Naturell leicht habe einfangen lassen und sich nicht wehrte.

Uni wehrt sich gegen die Tierquälerei-Vorwürfe

Wie die Etikette auf dem Sender verriet, war der Vogel im Rahmen eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts der Universität Konstanz unterwegs. Das Experiment untersucht, wie Lebewesen das Erdmagnetfeld zur Navigation im freien Gelände nutzen.

Nach den schweren Vorwürfen des Schweizer Tierschutzes nahm nun die Uni Konstanz auf ihrem Online-Portal Stellung. Sie wehrt sich gegen die Anschuldigungen und fordert die Rückgabe des Vogels. In der Stellungnahme bestätigt die Uni Konstanz, dass die Taube im Rahmen des Forschungsprojektes «Visualisierung der Antwort des Gehirns auf Magnetrezeption» am 2. September im deutschen Tengen losgeschickt wurde. Ziel war das rund 40 Kilometer entfernte Konstanz.

Taube bleibt vorerst in der Schweiz

Der Taube sei durch Tragen des Helms keineswegs die Sicht genommen worden – es handle sich um eine Art Brille, die auch nicht die Atemwege verdecke, so die Uni. Dass sich das Tier nicht gegen das Einfangen gewehrt habe, sei damit zu erklären, dass die Taube an Menschen gewöhnt sei. Die Uni Konstanz versichert, dass die Taube nicht betäubt wurde und das doppelseitige Klettband keinerlei Schäden verursachen könne.

Warum das Tier im Thurgau landete, weiss die Uni nicht. Man vermute aber, dass die Taube einen Raubvogel wahrgenommen habe und deshalb gelandet sei. Im übrigen seien die Versuche von der Ethikkommission überprüft worden. Das Thurgauer Veterinäramt habe nach entsprechender Prüfung den Tierschützern mitgeteilt, dass die Taube an die Universität zurückzugeben sei.

Doch diese denken nicht daran, die Taube zurückzugeben. «Das Veterinäramt hat uns gegenüber gar kein Weisungsrecht», stellt Marion Gessner vom Tierschutzverein Kreuzlingen klar. «Zudem gibt es verschiedene rechtliche Fragen zu klären.» Bis auf weiteres bleibe der Vogel deshalb in der Schweiz.

(luh)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sambar1 am 12.09.2016 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke Tierschutz

    Alles hat Grenzen! Ob und wie Tauben/Tiere das Magnetfeld oder die Erdanziehung zum Fliegen/Gehen nutzen oder nicht ist nicht von lebensnotwendiger Bedeutung und der Mensch muss auch nicht immer alles wissen wollen! Mutter Natur hat entschieden wie und wann ein Vogel wohin fliegt und das ist gut so! Danke dem Tierschutz, diese Forschungen sind absolut unnötig und ob Stressvoll für das Tier oder nicht, muss diese ganze Übung überhaupt nicht sein! Dem Tier zuliebe. Die Tierschützer haben immer mit Vorwürfen zu kämpfen, sie seien militant und dimensionslos übertrieben in der Handlung zum Wohle des Tieres, aber sind das doch die einzigen, die handeln....90% der Bevölkerung schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, wenn ein Bericht über einen Tierquäler in der Zeitung kommt und schreiben 'Skandal, Skandal'... aber bei dem bleibts dann auch.... Ich finde alle Tierschützer, militant oder nicht, machen gute Arbeit, weil sie geben den Tieren Schutz und Hilfe, da sich die Menschheit, in Unfähigkeit und Misshandlung der Tierhaltung immer wieder beweisen.....

  • Zoe. am 12.09.2016 05:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Wieso brauchts diese ganzen tierversuche heute noch? Man könnte die versuche mit menschen starten, welche sich freiwillig melden. Es gibt genügend menschen, die viele versuche mitmachen würden, wenn die summe stimmt. Wieso muss man ständig wehrlose tiere nehmen? Ah ja stimmt, es kommt billiger. Einfach traurig...

  • Kritiker62 am 12.09.2016 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pfuiii

    es ist schon eine schande,was die menscheit im namen der forschung mit tieren treibt!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nach Denklich am 12.09.2016 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufgefallen das sie sich

    leicht einangen lies? Sie hatte ja keine Sicht!!! Wie erklärte die UNI den Versuch wäre noch interessant gewesen.

  • xGambyte am 12.09.2016 09:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gut so

    Jawoll, richtig so, lässt euch bloss nicht einschüchtern. Ich finde es großartig, dass es Leute gibt die sich für Tiere einsetzen. Danke an alle Tierschützer! Ihr macht einen guten Job!

  • Orchidea am 12.09.2016 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlose Experimente auf Kosten der Tiere

    Der Taube sei durch Tragen des Helms keineswegs die Sicht genommen worden es handle sich um eine Art Brille, die auch nicht die Atemwege verdecke, so die Uni. Die Bilder zeigen aber definitiv Anderes. Allein schon die Tatsache, dass das Tier erschöpft und dehydriert war und offensichtlich orientierungslos beweist, dass sich die Taube bei diesem für mich völlig nutzlosen Experiment alles Andere als wohl gefühlt hat.

  • Pete G. am 12.09.2016 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tier = Sache

    Natürlich müssen sie den Vogel zurückgeben - er ist Eigentum der Uni.

  • Mika7 am 12.09.2016 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arme, unschuldiges Taube!

    Der Mensch darf sich wohl alles erlauben?? Wo bleibt da der Respekt gegenüber der Schöpfung? Tiere sind keine gefühlslose Gegenstände! Wieviel Leid wollen wir Menschen anderen Menschen und den Tieren noch antun?