Chur

18. Februar 2020 14:41; Akt: 18.02.2020 16:30 Print

Tod von Schüler ändert nichts an Tradition

Die Tradition der Churer Maiensässfahrt wird auch nach dem Unfalltod eines Schülers im letzten Jahr fortgesetzt. Am Dienstag wurde eine Risikoanalyse vorgelegt.

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In Chur ist im Mai 2019 der 14-jährige David tödlich verunglückt. Das Unglück ereignete sich an der traditionellen Maiensässfahrt der Stadtschule Chur. Der 14-Jährige war mit seiner Klasse unterwegs vom Churer Hausberg über Juchs nach Chur. Kurz vor 17 Uhr stürzte er in einer Kurve von der Alpstrasse in der Oberen Val Parghera rund zweihundert Meter über felsdurchsetztes steiles Gelände ab. Unweit der mutmasslichen Absturzstelle liegt ein steinernes Kreuz. Hier stürzte der 14-Jährige vermutlich in die Tiefe. Die mutmassliche Absturzstelle befindet sich in unwegsamen Gelände. Die Rega konnte nicht bei der Unfallstelle landen. Patrik Degiacomi (mitte), Vorsteher Departement Bildung, Gesellschaft und Kultur (BGK), Urs Marti (links), Stadtpräsident Chur und Tom Leibundgut, Departementsvorsteher Bau, Planung, und Umwelt, informierten am Tag nach dem Unglück die Medien. Am Sonntag, 26.05.2019, fand in Chur GR ein Trauermarsch für den tödlich verunglückten David statt. Mehrere hundert Menschen hatten sich auf dem Stadthallenareal versammelt... ... und nahmen daran teil. Gegen 18.45 Uhr erreichen die ersten die Quaderwiese. Dort stehen bereits Stühle und Mikrofon bereit. Kurz vor 18 Uhr ist die Wiese fast gefüllt. Nun ergreift eine Frau das Wort. Man bedankt sich, im Namen der Familie, für das zahlreiche erscheinen. Auch Davids Freunde melden sich zu Wort: «Er war der liebste Mensch auf Erden. Er hat uns immer zum Lachen gebracht», sagt einer von ihnen ins Mikrofon. Ein anderer dankt für jede Sekunde, die er mit David verbringen durfte. Gegen 18.15 Uhr löst sich der Marsch langsam auf. Einige legen noch Blumen, Kerzen und Fotos auf einem Tisch nieder.

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Der Unfalltod des 14-jährigen David auf der letztjährigen Maiensässfahrt war der Anlass für die Churer Stadtregierung, den traditionellen Ausflug mit 2300 Schülern einer externen Sicherheitsanalyse zu unterziehen. Der Schüler stürzte oberhalb der Stadt auf dem Weg talwärts 200 Meter über steiles und felsiges Gelände. Einige Schüler wurden Zeugen des Sturzes.


An der Absturzstelle wurde damals ein Kreuz hingelegt. (Video: jeb)

Der am Dienstag in Chur vorgestellte Bericht kommt zum Schluss, dass das Sicherheitsniveau der Maiensässfahrt bereits auf einem guten Stand ist und sogar höher eingestuft wird als bei vergleichbaren Schul- oder Bergwanderungen.

Für zukünftige Maiensässfahrten sollen allerdings die von der beigezogenen Firma empfohlenen Massnahmen zur Optimierung der Sicherheit umgesetzt werden. Dazu zählt in erster Linie eine klare Regelung der Zuständigkeiten, Aufgaben, Rollen und Verantwortlichkeiten zwischen der Schuldirektion, der Maiensässkommission, Schulleitungen und Lehrerschaft.

Gemeinsame Sicherheitskultur als Ziel

Es gebe keine neue Regelungen. Bestehende Regeln müssten aber konsequenter durchgesetzt werden, sagte Stadtrat Patrik Degiacomi (SP). Das Ziel sei eine gemeinsame Sicherheitskultur. Eine hundertprozentige Sicherheit werde es trotz aller Massnahmen nie geben, ein Restrisiko bleibe vorhanden, wurde an der Medienorientierung mehrfach betont. Risiken müssten aber minimiert werden.

Im Mai letzten Jahres war es in der Tradition der Churer Maiensässfahrten, die auf das Jahr 1854 zurückgeht, erstmals zu einem tödlichen Unfall eines Schülers gekommen. Laut dem Stadtrat können aus den von externer Seite empfohlenen Sicherheitsmassnahmen keine Rückschlüsse auf mögliche Ursachen des Unglücks gezogen werden.

Das tragische Ereignis wird von der Bündner Staatsanwaltschaft untersucht. Stadtpräsident Urs Marti (FDP) sagte, diese Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen.

(taw/sda)