Töchterchen (1) tot im Keller

12. Februar 2018 09:57; Akt: 12.02.2018 17:58 Print

«Meine Mandantin hat ihr Kind sicher nicht getötet»

Nach rund zweieinhalb Jahren: Gegen Jessica T.* und Hanspeter H.* ist Anklage wegen der mutmasslichen Tötung ihrer gemeinsamen Tochter erhoben worden.

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Die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen erhebt gegen die 35-jährige Deutsche Jessica T. und den 54-jährigen Schweizer Hanspeter H. Anklage wegen mutmasslicher Tötung ihrer gemeinsamen Tochter.

Die Beschuldigten wurden im Sommer 2015 im St. Gallischen Staad verhaftet, nachdem die Polizei am 4. August im Keller ihres Hauses die Leiche der einjährigen Tochter Jasmina fand. Nach weniger als 50 Tagen wurden sie aus der U-Haft entlassen.

Vernachlässigung der medizinischen Versorgung

Die beiden stehen in Verdacht unter anderem aufgrund ihres Drogenkonsums ihre elterlichen Sorgfaltspflichten verletzt und die gemeinsame Tochter vernachlässigt zu haben. Konkret wird ihnen vorgeworfen, die gemeinsame Tochter nicht altersgerecht ernährt und ihr keine ausreichende Bewegung ermöglicht zu haben.

Ebenfalls sollen sie die medizinische Versorgung, die körperliche Hygiene und sozialen Kontakten der einjährigen Tochter vernachlässigt haben. Daneben hätten die beiden Eltern gemäss Anklage ihr einjähriges Kind mehrmals für mehrere Stunden unbeaufsichtigt alleine zu Hause gelassen. Diese Vernachlässigungen sollen schliesslich zum Tod der einjährigen Tochter geführt haben.

Freiheits-und Geldstrafe

Die in enger Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei St. Gallen und dem Institut für Rechtsmedizin St. Gallen geführte Untersuchung ist nach rund zweieinhalb Jahren abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen erhebt beim Kreisgericht Rorschach Anklage. Sie beantragt eine Verurteilung der 35-jährigen Mutter unter anderem wegen vorsätzlicher Tötung, Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetzes zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zehneinhalb Jahren, einer unbedingten Geldstrafe und einer Busse.

Der 54-jährige Vater soll wegen vorsätzlicher Tötung, Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetzes zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von acht Jahren und einer unbedingten Geldstrafe verurteilt werden.

Eltern werden auf nicht schuldig plädieren

Monika Brenner, die Anwältin von Jessica T., ist sich sicher: «Meine Mandantin hat ihr Kind sicherlich nicht getötet, schon gar nicht vorsätzlich.» Weiter erklärt sie, dass T. traumatisiert sei und erst vor wenigen Monaten überhaupt mit der Trauerarbeit habe beginnen können. «Sie hat erst vor wenigen Monaten realisiert, dass ihre Tochter tatsächlich tot ist.»

Die Anwältin kann sich nicht vorstellen, dass die Staatsanwaltschaft mit der Anklage so durchkommt. «Meiner Meinung nach widersprechen sich die beiden Anklagepunkte vorsätzliche Tötung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht grundsätzlich. Entweder tut man das eine oder das andere.» Ihre Mandantin werde auf nicht schuldig plädieren.

Ins gleiche Horn stösst der Anwalt von Hanspeter H.: «Wir werden auch auf nicht schuldig plädieren», sagt Florian Weishaupt. Auch für ihn widersprechen sich die Anklagepunkte. Aus strategischen Gründen möchte der Verteidiger jedoch nicht genauer darauf eingehen. «Das tun wir dann während der Hauptverhandlung.»

Mehr um Hund gekümmert

Darauf, dass Jasmina vernachlässigt wurde, deuten auch Aussagen von Jasminas Götti. Im August 2015, kurz nach dem grausigen Fund, erzählte er 20 Minuten, dass sich die Eltern kaum mehr Zeit für die Kinder genommen hätten. Der Vater habe sich mehr um seinen Hund als um das Kind gekümmert.

(qll/viv/jeb)