Sevelen SG

27. August 2018 05:44; Akt: 27.08.2018 05:44 Print

Töfflibuben fahren auf 80er-Strecke um die Wette

Ein 17-Jähriger wurde mit einem auf 96 km/h frisierten Töffli aus dem Verkehr gezogen. Laut Dorfbewohnern gibt es eine ganze Raser-Gruppe.

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Wie die Kantonspolizei St.Gallen am Sonntag mitteilte, wurde ein 17-jähriger Puch-Maxi-Fahrer seit einiger Zeit beobachtet, wie er Autos überholte oder zumindest mit diesen mithielt. Am Freitag dann wurde der Jugendliche gestoppt. «Die darauffolgende technische Überprüfung zeigte auf, dass die verschiedenen Änderungen am Mofa zu einer Leistungssteigerung führten, die eine Höchstgeschwindigkeit von 96 km/h ermöglichten», heisst es in der Mitteilung.

Dies ist jedoch kein Einzelfall in Sevelen: «Hier fahren regelmässig vier oder fünf Buben auf der 80er-Strecke um die Wette», so eine Anwohnerin am Sonntag zu 20 Minuten. Auch weitere Einwohner klagen über lärmende Motoren und waghalsige Stunts: «Die fahren auf der Hauptstrasse Richtung Wartau teils nur auf einem Rad oder kehren mitten auf der Strasse. Die Buben sind lebensmüde.»

Illegale Teile verwendet

Nebst den gefährlichen Stunts, die die Jugendlichen dort mit ihren Mofas vollziehen, sind alle der besagten Töfflis frisiert. Die Höchstgeschwindigkeit der Töfflis beträgt eigentlich 30 Kilometer pro Stunde, doch einer Spaziergängerin zufolge, können alle fünf Buben «locker» mit den Autos mithalten. «Mit Mut hat das nichts mehr zu tun», sagt sie.

Aber wie verdreifacht man die Leistung seines Töfflis so einfach? Der Besitzer eines Mofa-Geschäfts ist sich sicher: «Mit Originalteilen auf keinen Fall.» Laut dem Mann dürften die benötigten Teileonline über eine No-Name-Marke bestellt worden sein. «Hierzulande sind solche Erweiterungen für den öffentlichen Strassenverkehr illegal», so der Mechaniker. Meistens würden die Töffli-Tuner sogenannte Rennauspuffs einsetzen. «Frisieren kann im Grunde jeder, der ein Ikea-Regal zusammenbauen kann.» Die meisten Teile würden mit einer leicht verständlichen Anleitung geliefert und seien einfach im Zusammenbau.

Bremsversagen droht

Laut der Kantonspolizei St.Gallen ist jedoch jeder Eingriff in den technischen Haushalt eines Fahrzeuges verboten. «Wenn man ein Mofa, das auf für 30 Stundenkilometer ausgelegt ist, auf eine so hohe Geschwindigkeit bringt, versagt der Rest der Technik», sagt Polizeisprecher Bruno Metzger. Er betont, dass die Bremsen nicht auf eine so hohe Belastung ausgelegt sind. Somit würden die Töfflibuben nicht nur sich, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer gefährden.

(juu)