Mit 195 km/h geblitzt

02. April 2019 04:47; Akt: 02.04.2019 09:18 Print

«Der darf jetzt nicht mal mehr Mofa fahren»

Ein 30-jähriger Bosnier wurde mit 195 km/h ausserorts geblitzt. Der Töfffahrer ist seinen Führerausweis für lange Zeit los. Laut einem Verkehrspsychologen überschätzen sich Töfffahrer oft.

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Am Sonntagnachmittag führte die Kantonspolizei St. Gallen in Lömmenschwil SG eine Geschwindigkeitskontrolle durch. Dabei wurde auf einer 80er-Strecke, auf der «pfeifengeraden» Staatsstrasse, ein Töfffahrer mit 195 km/h geblitzt – mehr als doppelt so schnell wie die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. «Das ist klar ein Raserdelikt», sagt Florian Schneider, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen.

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Dem Mann sei noch an Ort und Stelle der Führerausweis entzogen worden. «Der darf jetzt nicht einmal mehr Mofa fahren», erklärt Schneider. Selbst auf E-Bikes mit gelbem Nummernschild darf sich der Mann nicht mehr setzen.

Kein Rekord

Bis das Strassenverkehrsamt einen Entscheid fällt, gilt für den Bosnier der polizeiliche Entscheid vom Sonntag. Das Amt wird dem Mann vermutlich den Führerausweis für alle Kategorien für längere Zeit entziehen.

Die Marke von 195 km/h ist kein Rekord für Töfffahrer: «Wir hatten im Kanton schon Werte von über 200 km/h», sagt Schneider.

Sportgerät statt Transportmittel

Dass Töfffahrer zu Rasern werden, erkläre sich teilweise durch die viel zu hohe Motorisierung der Zweiräder, sagt Verkehrspsychologe Urs Gerhard. Mit ein bisschen Beschleunigen sei man rasch mit einer hohen Geschwindigkeit unterwegs.«Für viele Töfffahrer ist ihr Fahrzeug mehr Sportgerät als Transportmittel.» Viele würden nach Raserdelikten angeben, sie hätten gar nicht bemerkt, dass sie so schnell unterwegs waren.

Im aktuellen Fall sei speziell, dass es sich um einen 30-jährigen Fahrer handelt. «Solche Vergehen begehen eher die 18- bis 25-Jährigen, die noch nicht die erforderliche Reife besitzen», erklärt Gerhard. Oder aber Geschäftsmänner im mittleren Alter, die sich im zweiten Frühling befänden und in der Folge ein sportliches Motorrad kauften.

Grosse Unreife

Wenn ein 30-Jähriger auf einem Töff ein Raserdelikt mit doppelter Geschwindigkeit auf einer 80er-Strecke begehe, zeuge das von grosser Unreife. «Der Mann hat sämtliche Sicherheitsbedenken in den Wind geschlagen», sagt Gerhard.

Der Experte rechnet damit, dass dem Mann der Führerausweis für mindestens ein Jahr entzogen wird. «Zudem kann der Richter anordnen, dass der Töff eingezogen wird.» Hat der Bosnier Vorstrafen im Verkehrsbereich, könnte ihm auch eine Gefängnisstrafe drohen. Hinzu komme eine Busse. Deren Höhe richtet sich nach dem Einkommen. In der Regel werde auch eine verkehrspsychologische Begutachtung angeordnet.

Eine Therapie könne bei Töffrasern durchaus erfolgreich sein. «Nach Therapiesitzungen kommen einige wieder zur Vernunft», sagt Gerhard. Viele würden später freiwillig auf den Motorradfahrausweis verzichten und nur noch Auto fahren. Denn Töfffahrer würden meist nur auf dem Zweirad rasen, im Auto seien sie mit angemessener Geschwindigkeit unterwegs. Übrigens: Proportional zum Verkehrsaufkommen gebe es in der Schweiz etwa gleich viele Töff- wie Autoraser.

(jeb)