Naturwunder

10. Juli 2019 17:57; Akt: 11.07.2019 11:11 Print

Dieser Baum muss künftig Inzucht betreiben

Die Niedrige Birke ist eine Überlebende aus der Eiszeit. Das letzte Exemplar der Schweiz steht im Kanton St.Gallen und wird von der Stadt stark geschützt.

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Es gibt sie nur noch ein einziges Mal in der Schweiz: die Niedrige Birke. Der letzte Baum der Art steht am Waldrand bei Abtwil SG. Früher war die Pflanze auch hier weit verbreitet, hat sich dann aber immer weiter aus der Schweiz zurückgezogen. Die Art bevorzugt ein kühles Klima und sumpfigen Moor- oder Torfboden. Beides findet sie hierzulande aufgrund der Klimaerwärmung und die Trockenlegung vieler Moorgebiete nicht mehr. Im Norden Europas und Russland konnte sich die Niedrige Birke bis heute gut erhalten.


(Simon Zeller im Interview. Video: maw)

«Sie ist sehr unscheinbar, trotzdem muss sie geschützt werden», sagt Simon Zeller, Abteilungsleiter beim Amt für Natur, Jagd und Fischerei. «Wir würden es vielleicht nicht direkt merken, wenn sie verschwindet.» Trotzdem sei Biodiversität unsere Lebensgrundlage. Man wisse auch nicht genau, welche Aufgaben die Niedrige Birke im Ökosystem wahrnehme.

Der genaue Standort wird nicht verraten

Von Info Flora, der Zentralstelle des Bundes für die Schweizer Pflanzenwelt, kam der Auftrag an die Kantone, sich um die seltensten Pflanzenarten der Schweiz zu kümmern. Die Fragen: Wo genau sind diese angesiedelt? In welchem Zustand befinden sie sich? Gibt es Handlungsbedarf zum Schutz der Pflanzen? Im Kanton St.Gallen wurden darauf innert drei Jahren insgesamt 51 Arten untersucht – unter ihnen auch die Niedrige Birke (Betula humilis).

Von der Stadt St.Gallen wird sie quasi verhätschelt: «Sie braucht viel Licht. Man schaut deshalb, dass die Bäume rundherum nicht einwachsen», so Zeller. Zudem wurde die Birke eingezäunt, damit sie nicht niedergetrampelt oder von Tieren angefressen wird. Auch der genau Standort des Baumes wird nicht verraten: «Wir wollen keine Touristenströme, die die Pflanze gefährden könnten.»

Genetisch identische Klone der Birke

Ausserdem versucht man im Botanischen Garten St.Gallen, die Birke aus einem Steckling nachzuzüchten. Wenn dieser genug gross ist, will man versuchen, den Baum wieder auszupflanzen. «Weil die Birke schon so alt ist, kann sie keine guten Samen mehr produzieren», erklärt Zeller. Aus diesem Grund sei die vegetative Vermehrung durch Stecklinge die letzte Chance. «Durch diese Methode entsteht aber ein genetisch identischer Klon, weshalb sie später Inzucht betreibt und sich nicht mehr richtig anpassen kann.»

Aus diesem Grund sieht Zeller schwarz für die Niedrige Birke: Er vermutet, dass sie früher oder später in der Schweiz gänzlich aussterben wird.

(mwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • X. Perte am 10.07.2019 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sissorriaberäh?

    warum holt man nicht einfach samen aus russland und baut sie wieder so an?

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  • Alter Sack am 10.07.2019 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zaun drum

    Wir haben einfach zu viele studierte Beamte.

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  • Laxon am 10.07.2019 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausrotten

    Schade das soviele Moore trocken gelegt wurden, leider geht bei sehr vielen Schw. der Naturschutz nur bis zu Ihrem Gartenhag!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marc B am 11.07.2019 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    Konstruktiver Vorschlag

    Wir sollten hier doch eine Projektgruppe bilden und schon mal einen ersten Förderbeitrag "Pro Niedrige Birke" von mindestens 5 Mio sprechen. Wir müssen ja schliesslich die Welt retten.

  • Nina Helm am 11.07.2019 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel

    In den kommenden Jahrzehnten werden diverse Gattungen einheimischer Bäume aussterben, dafür werden sich neue Arten ansiedeln.

  • Paul am 11.07.2019 00:27 Report Diesen Beitrag melden

    ein Kommen und Gehen

    Ja, die Eiszeit geht langsam ihrem Ende entgegen. Die Niedrigen Birken verschwinden, die Gletscher auch. Wie schon häufig übrigens. Nur damals gab es noch keine Politiker, die daraus Kapital schlugen, und keine ungebildeten Kinder, die sich instrumentalisieren liessen. Die Erde wird wieder eisfrei (Normalzustand). Irgendwann kommt dann wieder die nächste Eiszeit - und plötzlich steht die Birke wieder da.

  • kevin am 10.07.2019 23:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ganjaman

    diese beamten könnte von uns cannabiszüchter oder allg. gärtnern noch was lernen. oder mal bei der abteilung garten in der stadt nachfragen. wenn's was zu schützen gibt, stecklinge machen und wenn's wirklich was zu schützen gibt dann kreuzen/zurückkreuzen mit anderen bäumen.

  • Philipp74 am 10.07.2019 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so what...

    dafür habe ich dieses Jahr zum ersten mal Melonen angepflanzt! Klimawandel sei Dank!