Familienfest artet aus

05. Dezember 2019 17:43; Akt: 05.12.2019 17:43 Print

Messer in Brust gerammt – trotzdem lieben sie sich

Ein Familientreffen im Bergell endete im Sommer 2018 mit einem verletzten Mann. Bei einem Streit eines Paares wurde ein Messer eingesetzt.

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In Promontogno im Bergell im Kanton Graubünden trafen sich Ende August 2018 mehrere Personen zu einem Familienfest. Darunter ein Paar, das eine On-Off-Beziehung führt. Am Fest floss auch reichlich Alkohol. Kurz vor Mitternacht kommt es zwischen dem Paar zu einem Streit, wie «Südostschweiz» am Donnerstag berichtete.

Die Schilderungen in der Anklageschrift kämen einem Kriminalroman gleich, so die Zeitung. Das Paar sei sich in die Haare geraten, nachdem die Frau ihren Partner als Angeber bezeichnet hatte. Dieser fühlte sich offenbar in seinem Stolz verletzt und ging für eine etwa Stunde weg.

Kurz vor dem Schlafen gehen sei der Mann an der Küche vorbei gelaufen, wo seine Partnerin etwas am Schneiden war. Er habe sich ihr genähert und sie von hinten mit der Hand an der Schulter berührt. Da habe sich die 59-Jährige umgedreht, in der Hand ein Messer mit einer 21 Zentimeter langen Klinge. Der Mann habe gefragt «Willst du mich abstechen?», worauf die Frau ihm das Messer in den Oberkörper gestossen habe.

Blutungen im Brustraum

Darauf wurde der Mann ins Spital gebracht. Er hatte Glück im Unglück, das Messer verfehlte um wenige Millimeter das Herz. Dennoch kommt es zu Blutungen im Brustraum und ein Rippenbogen wurde durchstossen.

Für die Staatsanwaltschaft ist klar: Die Frau nahm den Tod des Mannes in Kauf. Dank der sofort eingeleiteten medizinischen Massnahmen habe der Mann überlebt. Die Staatsanwaltschaft forderte wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und vier Monaten.

Messer nicht angerührt

Vor Gericht nimmt der Fall jedoch eine andere Wendung, als die 59-Jährige ihre Sicht der Dinge ausführte. So soll der Mann sich die Verletzung selbst zugeführt haben. Zuvor habe sie ihm angedroht, ihn endgültig zu verlassen. Das Messer habe sie nicht angerührt.

Das Gericht folgte der Version der Frau, zumal es weder DNA-Spuren am Messer noch andere Beweise für eine Tatausübung ihrerseits gab. Der Mann gab sich vor Gericht wortkarg und sagte, dass er den Strafantrag zurückgezogen habe. Die 59-Jährige wurde freigesprochen und erhält eine Genugtuung von 3800 Franken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Und das Liebesglück der beiden? Sie führen immer noch eine On-Off-Beziehung. Derzeit scheint es gut zu laufen. «Die Liebe ist immer noch da», zitiert die Zeitung die 59-Jährige.

(jeb)