Jobsuche

22. Oktober 2019 12:18; Akt: 22.10.2019 12:18 Print

Frau trotz gefühlt 1000 Bewerbungen erfolglos

In den sozialen Medien geht derzeit die frustrierende Jobsuche einer Frau mit Behinderung viral. Viele sprechen ihr Mut zu.

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Der Post der Frau beginnt mit den Worten «Ich brauche eure Hilfe». Die 38-Jährige wurde mit einer cerebralen Behinderung geboren. Dies hinderte sie nicht, eine Lehre an einem normalen Arbeitsplatz zu absolvieren und Berufserfahrung zu sammeln. Zurzeit sei sie in einer Buchhandlung tätig für fünf Franken in der Stunde. Nun möchte sie einen neuen Job im 1. Arbeitsmarkt.

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Sie beschreibt sich als selbstständig, fleissig und zuverlässig. Und trotz dem bereits Geleisteten und gefühlten 1000 Bewerbungen finde sie einfach keine neue Stelle, was sehr frustrierend sei.

Post geht viral

Ihre Worte wurden auf Facebook innert wenigen Tagen fast 15’000 mal geteilt und über 1000 Kommentare wurden verfasst. Viele User unterstützen die Ostschweizerin bei der Jobsuche. Sie wünschen ihr Glück, machen Angebote die Bewerbungsunterlagen unter die Lupe zu nehmen oder gar Einladungen für ein Bewerbungsgespräch.

Die Frau selbst bedankt sich auf Facebook für die Unterstützung. Gegenüber 20 Minuten will sie sich nicht äussern.

Integration im 1. Arbeitsmarkt schwierig

Sonja Wenger, Medienverantwortliche bei Procap, einem Verband für Menschen mit Behinderungen, sagt: «Menschen mit Behinderungen haben grosse Schwierigkeiten, einen Job im ersten Arbeitsmarkt zu bekommen. Das zeigen Fälle aus unserem Alltag.» Es brauche Arbeitgeber mit dem Willen, solche Personen einzustellen.

Unterstützung biete auch die Invalidenversicherung, ergänzt Daniel Schilliger, Anwalt bei Procap. Er sagt: «Die IV zahlt für einige Monate sogenannte Arbeitsversuche. So können die Menschen mit einer Einschränkung bei einer Firma arbeiten und beide Seiten können sich gegenseitig kennenlernen.» Der Arbeitgeber sehe so auch, was für eine dauerhafte Anstellung für Massnahmen nötig sind.

Akzeptanz steigt

Die Stiftung Profil hilft Menschen mit Behinderungen direkt bei der Stellensuche. Laut Geschäftsführerin Eva Meroni ist dafür aber auch die Offenheit der Betroffenen notwendig: «Wir müssen wissen, wo sie bereits gearbeitet haben und was für Einschränkungen sie haben.» Dafür seien auch Gespräche mit Ärzten oder Therapeuten notwendig. Im aktuellen Fall etwa mit einem Ergotherapeuten.

Seit 20 Jahren gibt es die Stiftung. Meroni sagt, die Akzeptanz bei den Arbeitgebern für Menschen mit Behinderung sei gestiegen. Allerdings würde sie sich noch mehr Offenheit bei Grossunternehmen wünschen. «Oft sind es Kleinunternehmen oder KMUs, die solche Leute anstellen. Es braucht einen Chef, der Ja sagt und selbst alles genau beobachtet.» Trotz der positiven Entwicklung sagt sie aber auch, dass es nach wie vor Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen gebe.

(mig)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pascal57 am 22.10.2019 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    leider

    leider ist das so. welche "gesunde" firma stellt schon "behinderte" ein, die zudem versicherungstechnisch auch noch probleme verursachen!...meiner meinung nach, funktioniert unser system schon lange nicht mehr. gegen aussen tut man nur so fadenscheinig...

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  • Mann mit Knieproblemen am 22.10.2019 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Kenne das Problem

    Ich habe seit jahren Knieprobleme, kann nicht längere Zeit stehen oder viel rumlaufen, da ich sonst starke Schmerzen habe. Heisst ich muss Hauptsächlich sitzen, aber dies ist für die meisten Firmen schon ein Problem. Und wenn die Firmen davon erfahren, wird man gleich ausgeschlossen und kriegt dann zu hören man solle doch eine IV-Rente beziehen. Und die IV sagt einem dann, das man ja in einer angepassten Tätigkeit arbeiten kann, also keine Rente kriegt. Aber eine solche Arbeitsstelle, muss man erst mal finden.

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  • Emma am 22.10.2019 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen, wer will findet Arbeit

    Ich finde auch keine Arbeit, aus meiner Ausbildung bin ich zu lange draussen wegen Kindererziehung/Familie, und für die anderen Stellen keine Ausbildung. Mittlerweile suche ich seit 9 Jahren, und nicht einmal die Gemeinde St. Gallen antwortete auf meine Bewerbungen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jens am 22.10.2019 19:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ins Ausland fliessen Milliarde.

    Und kein Grüner hat einen Betrieb welcher sie anstellen würde. Das wäre doch mal eine wahre gute Tat.

  • diskriminierter am 22.10.2019 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    verständlich

    ich musste mal mit so jemandem arbeiten. täglich stundenlange private telefonate, facebook & co als beschäftigung zum ''arbeiten'' weder physisch noch psychisch überhaupt fähig. hauptsache die ganze abteilung musste sich bei ausflügen, weihnachtsessen dieser person anpassen und auf alles und jedes rücksicht nehmen. er bekam mit lohn, iv und bezahlten fahrspesen mehr als viele angestellte. mit seiner erbschaft von mehr als 1 mio gabs dann noch unbezahlte ferien in thailand um den hormonspiegel zu stabilisieren.

  • kmu am 22.10.2019 18:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die rechnung muss aufgehen

    meine firma kann es sich schlicht nicht leisten, angestellte zu haben die nicht 100% leistung bringen, wenn sie 100% kosten. sorry. mir wäre es auch lieber, wenns es nicht so wäre. bei entsprechend weniger stundelohn, bin ich aber nicht abgeneigt auch jemanden mit einer einschränkung einzustellen. aber eben nur wenn am ende die rechnung auch für mich bzw meine firma aufgrht. weil ich such kein geld drucken kann um löhne zu bezahlen.

  • Meinrad am 22.10.2019 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Rat:

    Ich arbeite im privaten Sektoren. Keiner unserer Kunden hat auch nur einen Behinderten eingestellt. Ausser einen, der Dienste für Behinderte anbietet. Ich empfehle dir, dass du dir einen Job suchst bei einer Organisation, welche mit Behinderten zu tun hat. Ob das fair ist oder nicht, ist egal. Es ist jedoch Realität und wir Menschen können uns da sehr gut daran anpassen :)

  • Lisa am 22.10.2019 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprachlos

    Gibt nicht viel zu sagen ausser, beschämend, traurig , demotivierend, charakterlos , gierig, skruppellos, gefühllos wie man mit uns umgeht, unsere Regierung aktzeptiert das vollends , wie unsere Arbeitgeber noch profitieren können, dass sie noch Intergrationsstütze vom Bund bekommen , dabei gäbe es soviele , die gerne und gut arbeiten würden und die Sprache beherrschen würden.