Toggenburg

01. Mai 2018 07:53; Akt: 06.05.2018 16:00 Print

Türkischer TV-Imam sorgt für rote Köpfe

Ein bekannter türkischer TV-Prediger tritt am Samstag im Toggenburg auf. Das ruft den Kanton sowie Kurden auf den Plan.

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Nihat Hatipoglu bei einem TV-Auftritt. (Bild: Screenshot Youtube)

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«Er ist der Popstar unter den türkischen Fernsehpredigern. Mit seiner Ratgebershow erreicht Nihat Hatipoglu in der Türkei regelmässig ein Millionenpublikum», schreibt die «Ostschweiz am Sonntag». Das Publikum am kommenden Wochenende in Wattwil werde wohl deutlich kleiner sein. Hatipoglu wird am Samstag im Thurpark Wattwil auftreten.

Laut Kurden der Region ein nicht unproblematischer Auftritt. Laut dem «St. Galler Tagblatt» äussern sie sich besorgt. Hatipoglu stehe der AKP von Präsident Erdogan nahe. Sie glauben an einen Propagandaauftritt für die Parlaments- und Präsidentenwahl Ende Juni. In mehreren europäischen Ländern werden Wahlkampfveranstaltungen der AKP unterbunden. Die Kurden vermuten daher eine Änderung der Taktik. Wahlkampf werde nun an religiösen Veranstaltungen betrieben.

Verein gibt Entwarnung

Beim islamischen Kulturzentrum Wattwil gibt man Entwarnung: Hatipoglu sei politisch neu­tral. Tuncay Zagli vom islamischen Kulturzentrum sagt der Zeitung: «Nihat Hatipoglu ist ein Prediger, kein Politiker.» Er werde in Wattwil ausschliesslich über religiöse Themen reden.

Der Kanton hat dennoch ein Auge auf den Anlass. Man werde einschreiten, sobald Hinweise auf strafbares Verhalten wie zum Beispiel öffentliche Aufforderung zu Verbrechen oder Gewalttätigkeit – etwa eine Hasspredigt – gegeben seien, so Regierungspräsident Fredy Fässler gegenüber der Zeitung.

Die Kantonspolizei St. Gallen hat Abklärungen zur Veranstaltung getätigt. Wie sie am Dienstagmorgen mitteilt, geht sie von einem friedlichen Anlass aus. Sie sehe deshalb keinen Grund dafür, dem zuständigen Departement einen Antrag für ein Verbot der religiösen Veranstaltung zu stellen. Für den Anlass, der nicht im öffentlichen Raum stattfindet, brauche es keine behördliche Bewilligung. Selbst wenn sich der Prediger politisch äussern würde, wäre dies in der Schweiz nicht verboten.

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