St. Gallen

23. Januar 2020 18:14; Akt: 24.01.2020 10:11 Print

Ufzgi abgeschafft, weil es Kinder zu sehr stresst

In einer St. Galler Primarschule wurden die Hausaufgaben versuchsweise abgeschafft. Ersatzlos streichen sollte man laut Experten die «Ufzgi» aber nicht.

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An der Primarschule Feldli-Schoren in St. Gallen wurden Hausaufgaben für einen Versuch ein halbes Jahr lang abgeschafft, wie das «St. Galler Tagblatt» berichtete. Das Experiment werde nun verlängert, um eine bessere Datenlage zu erhalten.

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Sollen Hausaufgaben abgeschafft werden?

Für viele Kinder seien Hausaufgaben ein Stress. Zudem seien Kinder, deren Eltern arbeiten oder aus bildungsfernen Familien stammen, benachteiligt. Ausserdem sei der Nutzen der Hausaufgaben in der Forschung umstritten. Als Ersatz für die Hausaufgaben wurde im Experiment eine Lernzeit von 20 bis 30 Minuten an vier Tagen pro Woche eingeführt. Dabei entscheiden die Schüler selbst aus einer Auswahl von Aufgaben, woran sie arbeiten möchten. In dieser Zeit werden sie von einer Lehrperson betreut, können also auch Fragen stellen und sich helfen lassen.

Hausaufgaben fördern Selbständigkeit

Hausaufgaben ersatzlos streichen, das wäre laut Experten keine gute Idee. «Hausaufgaben sind wichtig. Der Schulstoff wird so nochmals vertieft», sagt Beat A. Schwendimann, Leiter Pädagogische Arbeitsstelle beim Dachverband Lehrerinnnen und Lehrer Schweiz (LCH). Zudem werde das selbständige Arbeiten gefördert. «Werden die Hausaufgaben zu Hause erledigt, muss man auch mal ohne Hilfe oder Aufsicht einer Lehrperson eine Aufgabe lösen.»

Das Verlagern der Hausaufgaben in sie Schule habe aber auch Vorteile. So könnten beispielsweise Aufgaben in Gruppen gelöst werden oder die Schüler können Lehrerinnen oder Betreuungspersonen Fragen stellen. «Zudem haben die Schüler im Schulhaus Zugang zu Lehrmitteln und Computerprogrammen.» Doch kommt dadurch das selbständige Lernen nicht zu kurz? «Die Aufgabenstellung sollte darauf ausgelegt sein, dass nach wie vor selbständiges Arbeiten gefördert wird», sagt Schwendimann.

Die Ausarbeitung von Hausaufgaben sei generell eine Herausforderung. Grundsätzlich sollten sie der Vertiefung des Schulstoffes dienen und von Inhalt und Mass her angemessen sein. «Hausaufgaben sollten nicht zu einfach, aber auch nicht zu schwer sein. Ausserdem sollten sie so gestaltet sein, dass sie von allen Schülerinnen und Schülern lösbar sind», so Schwendimann. Dazu braucht es Aufgabestellungen in verschiedenen Niveaus sowie die benötigte Unterstützung, von der Sprachförderung bis zur sonderpädagogischer Unterstützung.

Problem Frustration

Das sieht Anne Varenne, Präsidentin von Bildung Thurgau, ähnlich. «Wenn Hausaufgaben die Schüler überfordern, führt das zu Frustration», so Varenne. Das senke das Selbstvertrauen und ergebe einen negativen Lerneffekt. Wenn zudem keine Unterstützung greifbar sei oder Sprachbarrieren bestehen, seien Hausaufgaben kontraproduktiv.

«Wenn Hausaufgaben hingegen erfolgreich gelöst werden können, steigern sie die Lernfreude und geben einen positiven Effekt für das Selbstvertrauen», sagt Varenne. Wenn Eltern zudem den Prozess begleiten, würden diese einen Einblick in den Wissensstand der Kinder gewinnen.

(jeb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maria R. am 23.01.2020 18:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht

    Wenn man die Kids zu sehr verweichlicht, halten sie später den Herausforderungen des Lebens nicht mehr stand.

  • JAM am 23.01.2020 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Down

    In der Schweiz wird im Schulwesen generell und konsequent nach unten nivelliert. Und wie immer in Politik und Verwaltung: Völlig verantwortungslos.

  • Ice Yul am 23.01.2020 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Optimal

    Das ist die perfekte Vorbereitung für das stressfreie tiefenentspannte Erwerbsleben, das dann hoffentlich ein paar Jahre später folgt

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Klaus Kleber am 24.01.2020 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    weg damit

    Wir mussten das damals auch machen und deshalb müsst ihr jetzt da auch durch ist kein gutes Argument. Zudem frage ich mich wie das das Niveau nach unten anpassen soll. Wer den Stoff schon in der schule verstanden hat der ist zuhause dann nur noch genervt wenn er das ganze nochmal machen muss, also hilft es nur denjenigen die es in der normalen Zeit nicht verstanden haben. In Gruppenarbeiten könnten es die schnelleren den langsameren beibringen. Zudem ist nimm die Arbeit nach Feierabend nach hause vielleicht nicht die beste Lektion fürs Leben.

  • Bärgbur am 24.01.2020 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Zukunft ist noch härter...

    mehr Ufzgi ,wie älter das Kind,so bleibt weniger Zeit auf den Gassen herumzuhängen!

  • Denker am 23.01.2020 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hausaufgaben überfordern? So ein Quatsch!

    Die Kinder sind heute überfordert, weil immer mehr Schullektionen reingebuttert werden, weil sie schon selbstständig Entscheidungen treffen müssen, die Kinder nicht sollten treffen müssen, weil sie mit 3 Jahren bereits in Kitas verfrachtet werden, weil beide Eltern arbeiten müssen, weil sie in Sport und Musik (möglichst in beiden) aktiv sein und Begabtenförderung oder Nachhilfestunden absolvieren müssen. Gleichzeitig hängen sie nun bereits schon in der Primarschule dauernd an ihren lebenswichtigen Glasscheibchen. Hoffentlich merken immer mehr Menschen was hier aktuell für ein Irrsinn abläuft!

  • Dalia am 23.01.2020 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ihr versaut

    Den Kindern so viel. Bin 93 Jahrgang, wir hatten selbst nicht viel Husi in der Primarschule, in den Weiterführenden etwas mehr jnd dann in der Lehre: Päng, Husi bis zum Umfallen, lernen und arbeiten. In der BMS war es dann noch heftiger mit den Hausaufgaben und lernen jnd jetzt an der FH, Husi und lernen bis spät in die Nacht. Es wird nichg besser, denn wer einen anspruchsvollen Job hat, in einer hohen Position, der wird auch im Arbeitsleben bis spät in die Nacht arbeiten müssen. Was also wollt ihr für die Kinder? Arbeitslosigkeit? Sozialamt? Fördert eure Kids, in Masse, aber fördern.

  • Style2ouf16 am 23.01.2020 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht akzeptabel

    Bei mir in den 90er Jahren waren Hausaufgaben Pflicht. Die Hausaufgaben wurden kontrolliert und es wurde repetiert. Unglaublich das Hausaufgaben abgeschafft werden, damit die Kinder noch mehr faul werden für unwichtigere Sachen.