Montlingen SG

11. Februar 2019 19:16; Akt: 11.02.2019 19:16 Print

Vater und Sohn wurden fast von Dach erschlagen

In Montlingen SG wurden die Bewohner in der Nacht auf Montag von der Wucht des Sturms Uwe überrascht. Zwei Häuser sind unbewohnbar, mehrere beschädigt.

Am Sonntag zog ein schwerer Sturm über die Schweiz. Allein in Montlingen SG wurden über 20 Häuser beschädigt. Zwei wurden gänzlich zerstört. 20 Minuten sprach mit den Bewohnern. (Video: sav)
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Das Sturmtief Uwe hat am Sonntagabend im Kanton St.Gallen viel Schaden angerichtet. Gemäss der Kantonspolizei St.Gallen gingen innert zwei Stunden mehr als 20 Meldungen ein. Besonders heftig wütete der Sturm dabei in Montlingen. Im Quartier Kolbenstein habe Uwe die Dächer von ungefähr 20 Häusern und Solaranlagen beschädigt, wie die Polizei mitteilte. Zwei Häuser seien mit Sicherheit nicht mehr bewohnbar. Zudem seien acht bis zehn Autos sowie mehrere Gartenhäuschen beschädigt worden. Das genaue Schadensausmass ist erst bei Tagesanbruch sichtbar geworden.

«Bei uns ist vieles kaputt, aber das Haus steht zum Glück noch», erzählt eine Anwohnerin gegenüber 20 Minuten. Gemeinsam mit ihrem Partner hält die 72-Jährige mehrere Hühner hinter dem Haus. Doch vergangene Nacht sei der Stall weggeweht und der Garten komplett verwüstet worden. «Zum Glück waren die Hühner woanders untergestellt», so die Rentnerin. Was sonst passiert wäre, möchte sie sich nicht vorstellen. Ganz unbeschadet kam das Haus aber nicht davon: «Einige Ziegel wurden einfach weggefegt.»

«Wir suchten im Luftschutzkeller Schutz»

«Haben für heute Nacht noch keine Lösung»

Weniger Glück hatte Jürg Baumgartner. Gemeinsam mit seiner Freundin und seinem Sohn habe er in den Luftschutzkeller flüchten müssen. «Es gab urplötzlich einen riesigen Knall, es hat sich angehört wie Düsenjet», erzählt Baumgartner. Als er daraufhin nach draussen schaute, sah er, dass der Sturm das Dach angehoben hatte. «Daraufhin flüchteten wir in den Keller und suchten Schutz», so der 52-Jährige. Als der Sturm schwächer wurde konnten die drei das Gebäude verlassen und bei Kollegen unterkommen.

Das Haus wird derzeit als unbewohnbar eingeschätzt. Wie es jetzt weitergeht, wissen sie noch nicht: «Für heute Nacht haben wir noch keine Lösung. Wir mussten zuerst mit der GVA klären, wie es mit dem Haus weitergeht», erzählt Baumgartner. Der genaue Schaden sei noch nicht beziffert worden, wird aber sehr hoch eingeschätzt. «Die Versicherung hat uns aber bereits die Schadensdeckung zugesprochen.» Nach derzeitigem Stand muss voraussichtlich das gesamte Dach der Familie ersetzt werden. «Es wird sicher noch zwei bis drei Monate gehen, bis wir wieder hier wohnen können», sagt Baumgartner.

Vater und Sohn wären fast erschlagen worden

Auch Ralph Haltiner ist nun obdachlos. Der 30-Jährige habe seine Kinder ins Bett bringen wollen, als er einen Knall wahrnahm. «Ich wollte gerade mit meinem Junior ins Zimmer, als hinter uns die ganze Decke herunterkam», so Haltiner. Anschliessend habe er vom Wohnzimmer aus in den Himmel hinauf schauen können.

«Als erstes habe ich natürlich die Kleinen gepackt und dann sind wir gemeinsam mit meiner Frau in den Keller hinunter gerannt», schildert der 30-Jährige. Dort habe die Familie auf Haltiners Vater gewartet, da der Aufenthalt im Haus zu gefährlich gewesen sei. Bei ihm kommt die Familie derzeit unter. Laut Haltiner dauerte die Sturmböe an sich gerade einmal zehn Sekunden lang. Die daraus resultierenden Aufräumarbeiten werden wohl um einiges länger gehen. Haltiner hofft allerdings, dass man in den nächsten Tagen bereits das Gröbste beseitigt hat.

(juu)