Kanton Thurgau

10. November 2013 23:07; Akt: 11.11.2013 16:16 Print

Vater verkaufte seinen Sohn (6) an Pädophile

Im Thurgau kommt ein schwerer Fall von Kindsmissbrauch vor Gericht: Ein Vater hat seinen sechsjährigen Sohn missbraucht – und liess Pädophile gegen Geld das Kind missbrauchen.

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Ein 35-jähriger Deutscher aus dem Kanton Thurgau und ein 41-jähriger Aargauer sollen 2007 ihre damals sechs- und siebenjährigen Söhne während Monaten immer wieder sexuell missbraucht haben. Der Deutsche steht seit dem 26. November 2013 als Hauptangeklagter vor ... ... dem Thurgauer Bezirksgericht Münchwilen. Fotos seiner Taten stellten die beiden Väter ins Internet. Gegen Geld konnten auch andere Pädophile mit dem Kind Sex haben. Dazu reisten sie aus halb Europa an. Für den 35-jährigen, weitgehend geständigen Kinderschänder fordert die Thurgauer Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von 10,5 Jahren. Das Gericht zieht sogar eine Verwahrung in Betracht. Der 41-jährige mitangeklagte Aargauer soll für 7,5 Jahre ins Gefängnis. Die beiden Angeklagten trafen sich mehrmals und tauschten ihre Kinder gegenseitig aus, um sexuelle Handlungen vorzunehmen. Die beiden Buben sollen mehrmals mit k.o.-Tropfen gefügig gemacht worden sein, so die Anklage. Der Hauptangeklagte bestritt dies am ersten Prozesstag vor Gericht. Als der Opferanwalt schilderte, dass der Sohn des 35-Jährigen in der Schule in die Hose gemacht hatte und von Schülern deswegen ausgelacht worden sei, brach der Angeklagte in Tränen aus. Der Gerichtspräsident liess zu, dass er in Begleitung eines Polizisten für einige Minuten austreten konnte. Der Mann soll seinem Sohn 40'000 Franken Genugtuung zahlen. Ein dritter, in Berlin lebender Angeklagter wurde von der Verhandlung dispensiert. Der heute 35-Jährige war der Verlobte des homosexuellen und pädophilen Hauptangeklagten. Die beiden Männer flogen 2008 bei einer internationalen Polizeiaktion gegen Pädophilie und Kinderpornografie im Internet auf. Seit ziemlich genau fünf Jahren sitzen sie im vorzeitigen Strafvollzug. Zum Schutz des Opfers wird der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt.

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Ein alleinerziehender Vater aus dem Thurgau missbrauchte zwischen 2007 und 2008 seinen sechsjährigen Sohn sexuell, nahm seine Taten mit der Digitalkamera auf und stellte die Bilder ins Internet. Pädophile aus ganz Europa reisten an, um ebenfalls mit dem Kind Sex zu haben – der Vater, ein Deutscher, kassierte dafür Geld. 18 Seiten umfasst die Anklageschrift, in der aufgelistet wird, was der Junge erleiden musste. Am 26. November muss sich der Vater für seine Taten vor dem Bezirksgericht Münchwilen TG verantworten.

Der Täter, der in der Strafanstalt Pöschwies inhaftiert ist, erlebte während seiner Kindheit in Deutschland selber Gewalt, wie er der «SonntagsZeitung» erzählte. Schon als Jugendlicher verdiente er sich Geld, indem er andere Männer sexuell befriedigte.

300 Euro für ein Treffen mit dem Kind

Auch als Erwachsener arbeitete er als Callboy, spielte in Schwulenpornos mit und nahm immer mehr Drogen. Trotz seiner homosexuellen Neigungen wurde er Vater und zog seinen Sohn allein auf, als die Mutter wegen Suchtproblemen nicht mehr in der Lage war, sich um das Kind zu kümmern.

Ein Pädophiler, den er im Internet kennengelernt habe, habe ihn dazu animiert, seinen Sohn zu missbrauchen, sagt der Täter. Erst machte er Nacktfotos seines Sohnes, dann hielt er auch den Sex fest, den er mit ihm hatte. Die Bilder verbreiteten sich auf einschlägigen Pädophilen-Seiten. Für ein Treffen mit seinem Sohn verlangte der Vater 300 Euro, für einen Teil des Geldes durfte das Kind sich im Laden ein Spielzeug aussuchen. Manche Pädophile brachten zu diesen Treffen auch ihre eigenen Söhne mit.

Gemäss Anklageschrift lenkten die Männer die Kinder mit Spielsachen ab und machten sie teilweise auch mit K.-O.-Tropfen widerstandsunfähig. Der Vater bestreitet dies: «Wenn der Junge keinen Bock hatte, war nichts. Er durfte Nein sagen.»

«Sexuelle Verwahrlosung»

Im Mai 2008 hatte das Martyrium des Kindes ein Ende: In einer internationalen Ermittlungsaktion war die Polizei auf das Pädophilen-Netz gestossen, zu dem der Vater gehörte. «Es ist nur fair gegenüber meinem Sohn, dass es herausgekommen ist», sagt er. Wahrscheinlich habe der Bub nur mitgemacht, weil er Nähe gesucht habe.

Laut einem psychiatrischen Gutachten hat der Vater nur eine «geringe pädophile Tendenz». Zu den Taten sei es wegen «sexueller Verwahrlosung» gekommen. Das Opfer lebt heute bei Verwandten, nachdem es nach der Verhaftung des Vaters erst in ein Kinderheim gebracht worden war.

(lüs)