Demo gegen Fleischesser

09. Mai 2018 16:30; Akt: 10.05.2018 00:20 Print

Veganer müssen finanziell bluten

Im Januar trafen sich in St. Gallen elf Veganer zu einer Demo gegen Fleischesser. Da ihnen die Bewilligung dafür fehlte, müssen sie nun Bussen bezahlen.

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«427.30 Franken Busse, Gebühren und Auslagen für Polizeikosten soll ich bezahlen, bloss weil wir ein paar Minuten vor einem Laden standen», enerviert sich Tierschützerin und Veganerin Edith Zellweger. Sie seien vor dem Laden gestanden und hätten niemanden behindert. Die Polizei sah das anders: Die elf Personen hätten laut Strafbefehl zwei Drittel der Strassenbreite besetzt, Flyer verteilt und Plakate auf den Boden ausgebreitet.

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Das Problem: Zellweger und die zehn anderen Personen hatten keine Bewilligung für eine Kundgebung. Die Stadtpolizei verzeigte die elf Personen bei der Staatsanwaltschaft, die die Betroffenen per Strafbefehl büsste.

Gegen wütende Fleischesser protestiert

Doch weshalb demonstrierten die Veganer Anfang Januar in St. Gallen? Auslöser war die Eröffnung eines Veganer-Shops. Von diesem fühlten sich im Vorfeld offenbar Fleischesser provoziert und kündigten dem Ladenbesitzer in einem anonymen Telefonanruf an, sie würden am Tag der Eröffnung vor dem Laden protestieren.

Diese Ankündigung rief darauf die Veganer auf den Plan, die zur Gegendemo aufriefen. Kurz vor der Eröffnung machten die Fleischesser jedoch aufgrund des Medienrummels über die geplante Aktion einen Rückzieher und sagten die Demo ab. Nicht so die Veganer, sie trafen sich, das Gesicht mit Gemüsemasken verhüllt, zur Gegendemo, obwohl die Fleischaktivisten nicht vor Ort waren. Gekommen ist jedoch die Polizei, mit dem Resultat, dass die Demonstranten gebüsst wurden.

Hier werden die Demonstranten von der Polizei kontrolliert. (Video: tso)

«Zum Dank wurden wir gebüsst»

Veganerin Zellweger ist wütend über die Busse. «Wir waren friedlich, haben nichts beschädigt und niemanden wirklich gestört. Als die Polizei uns kontrollierte, haben wir bereitwillig unsere Papiere vorgezeigt. Zum Dank wurden wir jetzt gebüsst.» Sie könne nicht verstehen, dass die elf Personen per Strafbefehl gebüsst wurden. Die Staatsanwaltschaft hätte Handlungsspielraum und hätte auch auf eine Busse verzichten können.

Sie ärgert sich deshalb, weil ihrer Meinung nach gewalttätige Demonstranten nicht so hart angefasst würden. Die Staatsanwaltschaft St. Gallen verneint das. «Wo Anzeigen vorliegen, folgt immer eine Strafuntersuchung», sagt Regula Stöckli, Sprecherin der Staatsanwaltschaft St. Gallen. «Wir versuchen immer, herauszufinden, was passiert ist und wer für mutmassliche Straftatbestände verantwortlich ist.»

Stöckli weist darauf hin, dass gegen den Strafbefehl innert zehn Tagen Einspruch erhoben werden kann, wenn man nicht damit einverstanden ist. Geschieht das, wird ein Richter den Fall beurteilen. Dieser könnte zum Schluss kommen, dass die Busse aufgehoben wird.

Ob Zellweger den Strafbefehl akzeptiert oder weiterzieht, hat sie noch nicht entschieden. Sie will sich zuerst mit den anderen Betroffenen beraten.

(jeb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Werner Eicher am 09.05.2018 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine neue Religion...

    Ich verstehe einfach nicht, dass aus allem eine Religion gebastelt wird. Lädt doch die 90% der Bevölkerung Fleisch essen. Lasst die Veganer Gemüse essen und lässt einander in Ruhe.

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  • René Scodeller am 09.05.2018 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Veganer

    Wieso wollen die Veganer mündigen Bürgern vorschreiben kein Fleisch mehr zu Essen, wir nicht Veganer zwingen sie auch nicht zum Verzehr von Fleisch Leben und Leben lassen.

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  • Gorgo Roth am 09.05.2018 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    nicht zu Ende gedacht

    Die Schildchen " Tiere wollen leben" sind ja sehr schön. Nur was diese militanten Veganer immer noch nicht kapieren - ist, dass diese Tiere von den Bauern als erstes gar nicht mehr gezüchtet würden, wenn sie nicht mehr gegessen werden. Oder haben sie ernsthaft das Gefühl, der Bauer nimmt die Arbeit auf sich und stellt die Tiere auf die Wiese, damit sich die Wiese nicht so alleine fühlt???

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Leser 1 am 10.05.2018 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon tot

    Es gibt so viele Trends, man kann sie gar nicht mehr zählen, kein Fleisch, kein Gluten, kein Zucker, ... Würde ich mich all denen anpassen, wäre ich schon längst tot und zwar nackt. Weil auch bei Kleidern gibt es vegan und was weiss ich alles. Aber ich lebe noch (angezogen), da ich so lebe, wie ich es für gut halte. Ich zwinge dies niemandem auf, will aber auch nicht von anderen verändert werden.

  • gesund ist was schmeckt am 10.05.2018 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grins :)

    tiptop, wären unsere gesetze nicht so wie sie sind, hätten die 11 veganer kaum ein aufsehen erregt... nun haben sie, was sie wollten - ihre debatte... die grundsätzlich nirgends hinführt. jeder fleisch oder gemüse essen will, macht das. ich für meinen teil esse beides und habe das gefühl, das genau das gesund ist! wir menschen sind nun mal "alles(fr)esser".

  • Renato Werndli am 10.05.2018 11:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Freiheit auf Kosten anderer

    Was in den bisherigen Kommentaren meines Erachtens dauern falsch gefordert wird: Die Freiheit essen zu dürfen, was man will. Dabei wird übersehen, dass diese Freiheit auf Kosten der Freiheit von fühlenden Lebewesen geht. Es fordert ja auch niemand die Freiheit, Haustiere oder gar Menschen essen zu dürfen. Und recherchiert bitte, die Nutztiere leiden im Verborgenen massivst!

  • Normal am 10.05.2018 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klartext

    Menschen sind biologisch Omnivoren, alles andere ist für den Körper unnormal und auch sonst unnatürlich. Nur, weil den Mittvierziger Nur-Hausfrauen und -Müttern nach Jahren des mit den Gofen daheim auf Kosten von Partner und Gesellschaft Chillens als völlig normale und zu erwarten gewesene Reaktion die Decke auf den Kopf fällt, dulde ich das kranke Gerede von «veganer Bio-/Öko-Lebensweise» noch lange nicht. Richtig, dass man sie für solchen Schwachsinn bluten lässt - aber bitte vom selbstverdienten Geld.

  • Wörni am 10.05.2018 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Missbrauch von Steuergeldern

    Es besteht in unserem Land das Recht, zu demonstrieren. Aus meiner Sicht müssen sie bewilligt sein und Folgeschäden von den demonstrierenden vollumfänglich bezahlt werden. Nicht Bewilligte sollen umgehend aufgelöst werden und Kosten dann auch verrechnet. Unsere Steuergelder werden doch ständig für Chaoten missbraucht. Bin nicht bereit dazu, Verursacherprinzip gehört da angewendet.