Thurgauer Obergericht

06. Juli 2019 09:52; Akt: 06.07.2019 09:52 Print

Geschlagen, gewürgt und mit dem Tod bedroht

Das Thurgauer Obergericht muss die Verhandlung gegen einen mutmasslichen Gewaltverbrecher wiederholen. Der 32-Jährige bestreitet, vier Ex-Partnerinnen schwer misshandelt zu haben.

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Die auf drei Tage angesetzte Verhandlung vor dem Thurgauer Obergericht beginnt am kommenden Dienstag. Die Öffentlichkeit ist aus Gründen des Opferschutzes ausgeschlossen. Das Gericht hatte den 32-jährigen Schweizer vor zwei Jahren wegen mehrfacher Körperverletzung, Drohung, Vergewaltigung, Schändung, Gefährdung des Lebens, Erpressung und weiterer Delikte zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt und eine stationäre Psychotherapie angeordnet.

Das Bundesgericht hob den Schuldspruch mangels Beweisen auf. Das Thurgauer Obergericht habe den Beschuldigten nicht befragt und ihm so die Gelegenheit verweigert, sich gegen die schweren Vorwürfe zu wehren, heisst es im Bundesgerichtsurteil von Anfang Januar. Ausserdem seien die Privatklägerinnen nicht gerichtlich einvernommen worden.

Mit dem Tod bedroht

Die Ex-Frau hatte den Beschuldigten wenige Monate nach der Heirat angezeigt, weil er sie geschlagen, gewürgt und mit dem Tod bedroht haben soll. Zudem soll er sie gezwungen haben, 250'000 Franken vom Bankkonto ihrer Kinder abzuheben.

Während der Strafuntersuchung kam heraus, dass der Beschuldigte auch gegenüber drei Ex-Partnerinnen massive physische, psychische und sexuelle Gewalt ausgeübt haben soll.

Weder Engel noch Monster

Der Beschuldigte gab zu, dass ihm gelegentlich die Hand ausgerutscht sei. Der stark tätowierte Heavy-Metal-Fan sei kein Engel, aber auch kein Monster, sagte sein Verteidiger vor Gericht. Die drogensüchtige Frau habe ihren Ex-Mann angeschwärzt und die anderen zu Falschaussagen angestiftet.

Die Mutter habe das Vermögen ihrer Kinder selber verprasst und wolle ihrem Ex-Mann die Schuld dafür in die Schuhe schieben. Die vier Frauen hätten sich gegen den Beschuldigten verschworen. Es gebe keine Beweise für die angeblichen Gewaltexzesse. Eine Freiheitsstrafe von maximal 24 Monaten und eine ambulante Psychotherapie seien genug.

Ambivalentes Verhalten

Zwar sei es merkwürdig, dass die Frauen den Mann trotz Todesdrohungen nicht bereits früher angezeigt hätten, hatte der Staatsanwalt vor dem Thurgauer Obergericht eingeräumt. Ein ambivalentes Verhalten in Liebesbeziehungen sei jedoch häufig.

Auch die Richter glaubten nicht an eine Verschwörungstheorie, sondern folgten grösstenteils den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Das Thurgauer Obergericht stützte das Urteil des Bezirksgerichts Münchwilen vom Herbst 2016.

(sda)