Glarus

10. Dezember 2019 04:49; Akt: 10.12.2019 04:49 Print

Verstecktes Ruinen-Dorf wird plötzlich neu entdeckt

Vor über 100 Jahren wohnten Gastarbeiter drin, heute ist es verlassen: Kaum einer weiss, wo das Klöntaler Ruinen-Dorf liegt. Doch nun erlebt es einen Aufschwung.

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Das Dorf Unterwäldli im Klöntal beherbergte einst Gastarbeiter aus Italien. Die Arbeiter waren beim Bau des Kraftwerks bei dem Klöntalersee von 1905 bis 1908 beschäftigt. Heute ist das Dorf eine Ruine. Die Stützmauern stehen aber auch nach über 100 Jahren noch weitgehend. In dem Bau steckt viel Handarbeit. Stein für Stein wurde einzeln verlegt. Der Wald hat das Ruinen-Dörfli mittlerweile quasi verschluckt. Die Ruine fasziniert nicht nur Historiker, sondern auch Kinder. Dem kleinen Lauri haben besonders die «Märchenschloss-Mauern» gefallen. Das Kraftwerk in der Entstehung. So sah 1907 die Druckrohrtrassee des Kraftwerks aus. Die Häuser für die Arbeiter wurden mitten in den Hang gebaut. Die Stützmauer steht zum Teil auch nach über 100 Jahren noch. Die Aufnahmen von der Bauzeit des Kraftwerks wurden bis heute archiviert. Die meisten davon wurden datiert. Die Baufläche erstreckte sich über eine grosse Fläche. Das Kraftwerk am Löntsch gilt als Wiege für die Axpo. Denn damals wurde aus der Nordostschweizer Kraftwerke AG die Axpo. Dieses Bild zeigt den Anbau zum Kraftwerk. Eine weitere Aufnahme vom Kraftwerk am Löntsch aus vergangenen Jahren. Dito Dito Das ist der Blitzschutz. Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1907. Verschiedene Gebäude des Kraftwerks. Diese Aufnahme ist aus dem Jahr 1909. Die Gletscher bei der Anlage. Die Obenansicht des Kraftwerks. Das ist das Kommandopult. Hier ebenfalls das Innere der Anlage. Diese Aufnahme ist aus dem Jahr 1907. Hier der See beim Kraftwerk. Diese Aufnahme ist aus dem Jahr 1909. Die Trafoanlage vom Kraftwerk. Zu sehen sind auch viele Maste. Diese Aufnahme ist aus dem Jahr 1908. Ein Blick unter die Bauten. Diese Aufnahme ist aus dem Jahr 1907. Eine Luftaufnahme von Netstal. Die Bauten wurden oft mitten im Hang platziert. So auch hier. Diese Aufnahme ist aus dem Jahr 1908. Diese von 1907. Arbeiter posieren neben ihrem Werk. Diese Aufnahme ist aus dem Jahr 1908. Diese Aufnahme ist aus dem Jahr 1908.

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Es ist einer von diesen Orten, der gleich um die Ecke liegt und trotzdem kaum bekannt ist. So sei es bei der Ruine beim Kraftwerk am Löntsch im Klöntal gewesen, sagt der ehemalige Netstaler Revierförster Jakob Leuzinger. Er hatte erst kürzlich die Ruine mit Aussagen in lokalen Medien wieder bekannter gemacht. Zuvor hätten selbst die Leute in der Gegend nichts von der Ruine gewusst, sagte er am Montag gegenüber der «Südostschweiz». Heute zieht das Ruinen-Dorf wieder mehr und mehr Interessierte an.

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Heute wird der 70-Jährige täglich auf das vergessene Dorf im Glarnerland angesprochen. Entdeckt hatte Leuzinger die Ruine per Zufall. Mittlerweile ist die ehemalige Siedlung von italienischen Gastarbeitern vom Wald verschluckt.

Fasziniert vom Bau

«Wir haben vor 45 Jahren Aufnahmen für die Dokumentierung des Waldes gemacht. Dabei sind wir per Zufall auf die Ruine gestossen», sagt er gegenüber 20 Minuten. Seither ist der ehemalige Förster fasziniert von dem Bau.

Der Bau der Siedlung liegt weit zurück und hängt mit dem Kraftwerk am Löntsch zusammen. Dieses gibt es seit 1908. Folglich wurden die Häuser vor über 100 Jahren gebaut. «In der Siedlung steckt noch richtige Handarbeit. Stein für Stein wurde zusammengetragen. Die Stützmauer hat noch heute eine Länge von 25 Metern», weiss er. Es sei faszinierend, dass die Mauer auch ohne Beton noch immer halte. Fast schon nostalgisch fügt er an: «Heute stehen neben Baustellen nur noch Baucontainer. Damals hatte man sich noch Zeit genommen und eine ganze Siedlung aufgebaut.»

Gelebt haben in der Siedlung gegen 50 Arbeiter. Erreichbar war sie über einen Maschinenweg von Schuttbergen her, den es heute noch gibt (siehe Box) oder per Seilbahn. Nur noch einige wenige Personen können zu der Ruine Auskunft geben. Die Gastarbeiter sind schon lange weggezogen und die Zeitzeugen mittlerweile verstorben.

Italiener-Dörfli im Felsen

Die Siedlung mitten im Wald hat aber heute etwas Mystisches. Für den 70-jährigen ist es mehr wie «ein kleines Italiener-Dörfli» in einem Felsen. Erst vor rund einem Monat sei er zum letzten Mal dort gewesen. Für ihn steckt auch in der Ruine noch immer viel Herzblut.

Seit 2011 ist er nicht mehr Netstaler Revierförster. Doch auch acht Jahre danach kümmert sich Leuzinger um den Wald. Er hat den Wanderweg bei der Ruine sicherer gestaltet. Auf einem steilen Abstieg hat er eine Handvoll Holzprügel quer hingelegt und eine vier Meter lange Kette installiert. Denn wo bis vor kurzem kaum jemand anzutreffen war, ist jetzt nach über 100 Jahren wieder reger Betrieb.

(mig)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • yves nome am 10.12.2019 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    na klar...

    komisch. habe die ruinen als kind vor ca 15-20 jahren mit meinen eltern sowie der schulklasse besucht. beide male waren viele menschen dort. also so unbekannt kann das nicht gewesen sein wie die zeitung hier erzählen möchte...

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  • Typhoeus am 10.12.2019 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist der Lauf der Dinge.

    Alle grossartigen Bauten und die viele kleinen der einst fleissigen Hände werden verschwinden. Nichts währt ewig.

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  • provolone am 10.12.2019 08:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .......

    Früher kamen die Italiener, viele Schweizer hatten Angst. Heute wären sie froh, hätten wir nur Italiener hier.... ....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Graddraufwarter am 10.12.2019 21:48 Report Diesen Beitrag melden

    Reger Betrieb

    Na dann warten wir, bis die ersten Stadtfuzzis mit Stöckelschuhen und 2jährigen Kindern einen Samstagnachmittagsplausch erleben wollen und sich das Knie aufschürfen, die Rega deswegen einfliegen muss und nachher empörte Helikoptermuttis verlangen, dass man den Hinweg pflastert oder sperrt.

  • Walti Grämer 77 am 10.12.2019 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeiter Dorf im Klöntal

    Finde das spannend.Das Jakob Leuzinger es wieder an den Tag zur Diskussion gebracht hat.Obwohl ich auch schon 77 Jahre im Kanton Glarus Lebe, kannte ich dieses Arbeiterdorf im Klöntal nicht. Super gemacht "Schääg:

  • Marko am 10.12.2019 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dilettantisch gut

    Toller Artikel. Texte zu den Fotos dilettantisch und nichtsaussagend..

  • Lina Mesmer am 10.12.2019 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorher - nachher

    Guter Artikel und interessante Bilder. Jedoch hätte mich noch mehr interessiert, wie das Tal VOR der Flutung ausgesehen hat.

  • Tja am 10.12.2019 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gastarbeiter

    Ohne die italienischen Gastarbeiter wäre wohl noch manches nicht zustande gekommen, das wir heute als unsere Errungenschaft rühmen.

    • tja am 10.12.2019 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tja

      ohne unser geld hätte es nichts gastzuarbeiten gegeben.

    • Aldointernationale am 11.12.2019 08:51 Report Diesen Beitrag melden

      @tja

      tja, Geld ist offenbar alles. Wer hat's erfunden? Nein, nicht die Schweizer ... Es sass einmal ein Schweizer auf einer kleinen Insel, umringt von Geld, sonst nichts.

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