Canyoning-Drama Amden

08. Oktober 2012 11:09; Akt: 08.10.2012 15:15 Print

Verunglückter Belgier war seit zwei Jahren Guide

von Andreas Bättig - Beim verunglückten Canyoning-Führer handelt es sich um den Belgier J. D.* Der Veranstalter, die Alpinschule Tödi, hat ihm wegen des Regens kurz vor dem Drama extra eine SMS geschickt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Schock bei der Alpinschule Tödi sitzt tief. Gegenüber 20 Minuten Online bestätigt der Veranstalter der gestrigen Canyoning Tour, bei der zwei Menschen ums Leben kamen, dass es sich beim getöteten Tour-Guide um den 24-jährigen J. D.* aus Belgien handelt. «Er arbeitete bei uns ein Jahr lang als Hilfsguide und war seit zwei Jahren selber als Guide im Einsatz», sagt eine Angestellte des Veranstalters. Besonders tragisch: Gestern war der letzte Tag der diesjährigen Canyoning-Saison.

Gemäss der Mitarbeiterin seien die Bedingungen gut gewesen. Trotzdem habe sie wegen des andauernden Regens eine SMS an J.D. geschickt und sich erkundigt, ob er nicht lieber aussteigen wolle. «Er hat nicht darauf reagiert.» Doch die Angestellte, die anonym bleiben will, ist sich sicher: «Das Wasser muss komplett überraschend gekommen sein. Denn oberhalb der Unfallstelle hätte J.D. aussteigen und uns mit dem Handy alarmieren können. Der Handyempfang dort ist gut. Hätte er die Lage als problematisch eingeschätzt, hätte er uns sofort angerufen.»

Kein Mitglied beim Dachverband

Die Alpinschule Tödi ist in der Canyoning-Szene keine Unbekannte. Sie bietet seit 1997 Canyoning-Touren an. Trotzdem ist sie nicht Mitglied der Swiss Outdoor Association SOA, dem Dachverband der qualifizierten und kommerziellen Veranstalter im Outdoor- und Adventurebereich der Schweiz. Dies bestätigt Wolfgang Wörnhard, Geschäftsführer der SOA, auf Anfrage von 20 Minuten Online. «Auch der Guide wurde nicht bei uns ausgebildet», so Wörnhard weiter. Warum die Alpinschule Tödi kein Mitglied der SOA ist, darüber will sich Wörnhard nicht äussern.

Die SOA wurde nach dem tragischen Unfall 1999 im Saxetbach BE ins Leben gerufen, bei dem 21 Menschen ums Leben kamen. Die SOA bildet Guides nach fest definierten Standards aus. Gemäss Wörnhard handelt es sich beim Fallenbach um keine schwierige Route: «Er gilt als moderat.»

Kein grosses Risiko

Auch die Wetterbedingungen waren gestern im Gebiet rund um Amden SG gemäss Meteo Schweiz nicht besonders gefährlich. «Wir gaben eine Regenwarnung der Stufe zwei raus», bestätigt Meteorologe Christophe Voisard. Das entspricht einer Regenmenge zwischen 30 und 50 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden. «Das ist eine mittlere Niederschlagsmenge und nichts Besonderes. Es gab kein grosses Risiko für lokale Ereignisse», so Voisard.

Feedback
Hinweise, Anregungen oder Informationen? Mail an: feedback@20minuten.ch

* Namen der Redaktion bekannt