St. Gallen

18. Februar 2015 14:52; Akt: 18.02.2015 15:02 Print

Vorerst kein Erdgas aus dem Sittertobel

Aus der erhofften Erdgasförderung im Sittertobel wird vorerst nichts. Die Stadt hat keinen Investor gefunden. Das Bohrloch bleibt provisorisch verschlossen.

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Im Sittertobel wird bis auf weiteres kein Erdgas gefördert. (Bild: Keystone)

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Stadtrat Fredy Brunner, der Ende März altershalber zurücktritt, zog am Mittwoch an einer Medienkonferenz Bilanz. St. Gallen habe «Lehrgeld bezahlt» für die Geothermiebranche. Die Tiefenbohrung habe zwar Beweise geliefert, dass ein Geothermie-Kraftwerk in der Schweiz machbar wäre.

Wegen des Erdbebenrisikos und der rund zehnmal zu kleinen Heisswassermenge sei das Projekt in St. Gallen aber gescheitert. «Wir waren sehr nahe dran», bedauerte Brunner, der von einer «tragischen Situation» sprach. Unter den gleichen Voraussetzungen würde er das Projekt aber wieder lancieren.

Rund 60 Millionen verlocht

Der scheidende Stadtrat, der als Vater des Projekts gilt, dankte der Bevölkerung und allen Beteiligten für die Unterstützung. Die Stadtwerke könnten die Kosten verkraften. Das Projekt kostet, inklusive Rückbau des Bohrplatzes, 60 Millionen Franken. Davon übernimmt der Bund voraussichtlich 16 Millionen.

Bis auf weiteres bleibt das Bohrloch verschlossen. Allerdings bleibt die Möglichkeit einer späteren Erdgasförderung offen. Laut Marco Huwiler, Leiter Geothermie bei den Stadtwerken, wären dazu Investitionen von 5 bis 7 Millionen Franken nötig. Ein Investor wurde bisher nicht gefunden.

Weil das förderbare Gasvolumen unsicher ist, will die Stadt die Erdgasförderung höchstens mit Partnern angehen. Gespräche mit potenziellen Investoren hätten stattgefunden, die Abklärungen dauerten aber länger als erwartet, hiess es an der Medienkonferenz. Denkbar sei auch eine Nutzung des Bohrlochs für die Forschung.

Grosse Hoffnung – herbe Enttäuschung

Die Stadt St. Gallen hatte grosse Hoffnungen in das Geothermieprojekt gesetzt. Die Stimmberechtigten hiessen 2010 einen Kredit von 160 Millionen für die Bohrung, das geplante Kraftwerk und den Ausbau des Fernwärmenetzes sehr deutlich gut.

Im Juli 2013 löste die Tiefenbohrung ein Erdbeben der Stärke 3,5 aus. Dabei trat unerwartet Erdgas in grösserer Menge aus. Heisswasser wurde in 4450 Metern Tiefe zwar auch gefunden, doch war die Menge viel zu klein. Dies alles bedeutete das Aus für das Geothermie-Kraftwerk.

(sda)