Brunnen in den Alpen

22. Oktober 2014 06:02; Akt: 22.10.2014 06:02 Print

Wanderer trinken Hunde-Badewasser

Aus vielen Brunnen in den Ostschweizer Alpen fliesst Abwasser aus anderen Trögen. Das kann eklige Überraschungen bergen.

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Vorsicht: In Alp- und Berggebieten kommt aus Brunnen auf der Weide nicht unbedingt Trinkwasser. (Symbolbild: fotolia) (Bild: Digitalsg)

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In Ostschweizer Berggebieten und auf den Alpen ist die Wasserversorgung oft eine heikle Sache. Wo Wasser knapp ist, setzt man auf sogenanntes «Überwasser». Dabei wird Quellwasser in ein Reservoir geleitet. Ist dieses voll, fliesst der Überschuss in einen Brunnen. Ist dieser auch voll, läuft das Wasser über ein Ablaufrohr in den nächsten Brunnen. «Klar ist, dass dieses Wasser nicht von bester Qualität sein kann, wenn beim ersten Brunnen das Vieh getränkt wird, im zweiten Brunnen ein Wanderer noch seinen Hund drin baden lässt. Da müsste man eigentlich eine Beschriftung 'Kein Trinkwasser' anbringen», sagt Richard Schwendener, Alpwirtschaftlicher Berater für die Region Sarganserland-Werdenberg-Rheintal-Linth am Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez, gegenüber dem «Werdenberger & Obertoggenburger».

Teilweise hängen laut Schwendener sieben bis acht Brunnen am gleichen System. Auch bei der Alpregion Toggenburg funktionieren viele Brunnen mit «Überlaufwasser», wie Markus Hobi, Alpwirtschaftlicher Berater für die Region Toggenburg am Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez, bestätigt.

Tödliche Folgen

«Die wenigsten Brunnen weisen Trinkwasserqualität auf, am ehesten noch in der Nähe von Alphütten», so Schwendener. Er rät deshalb, man solle generell die Finger von Wasser aus Brunnen auf Weiden lassen. Dabei appellieren Schwendener und Hobi auch an die Eigenverantwortung der Wanderer. Die Wasserversorgung werde zwar stetig verbessert, das sei aber auch immer eine Kostenfrage.

Das Trinken des Brunnenwassers kann laut Immunologe Beda Stadler mitunter weitreichende gesundheitliche Folgen haben. «Früher wusste man, dass man das Wasser aus Brunnen in Berggebieten nur trinken darf, wenn oberhalb keine Kühe weiden», sagt Stadler. Dieses Wissen sei offenbar verloren gegangen.

Nebst dem, dass die Tiere in die Leitungen koten und dadurch Fäkalien ins Wasser gelangen, sind die Tiere laut Stadler auch Träger von weiteren Keimen. «Durch das Trinken dieses Wasser können Menschen etwa an Typhus erkranken», so Stadler. Möglich sei auch eine Erkrankung an hämorrhagischen E. coli-Bakterien (EHEC). «Im Jahr 2011 sind in Deutschland 35 Menschen an diesen Bakterien gestorben», sagt Stadler.

Warnung nicht obligatorisch

Der Gesetzgeber setzt bei der Qualität von Trinkwasser in erster Linie auf die Selbstkontrolle jener, die das Wasser zur Verfügung stellen. «Dort, wo angenommen werden kann, dass es sich um Trinkwasser handelt – zum Beispiel bei Dorfbrunnen – ist die Korporation oder Genossenschaft verantwortlich, die die Versorgung mit Wasser unterhält», sagt Klaus Luczynski, stellvertretender Kantonschemiker im Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Kantons St. Gallen.

Handelt es sich um Wasser, das keine Trinkwasserqualität aufweist, sollte idealerweise ein Schild «Kein Trinkwasser» oder «Zum Trinken nicht geeignet» angebracht werden. Laut Luczynski ist so ein Schild aber gesetzlich nicht vorgeschrieben.

(taw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • simone küng am 22.10.2014 07:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    s.k.

    seit Jahrhunderten ist ein Alpbrunnen dazu da Vieh zu tränken. Und nicht Wanderer.

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  • Bat H. am 22.10.2014 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das lernten wir Stadtkinder......

    ......früher schon, dass aus Brunnen & Trögen nicht unbedingt Trinkwasser fliesst. In den 60er & 70er waren wir in den Schulferien immer im Hasliberg auf nem Bauernhof und dies lernten wir als erstes. Wenn der Wanderer nur bisschen überlegt, die Gegebenheiten beobachtet, erübrigt sich das, glaube ich, "kein Trinkwasser" - Tafeln anzubringen.

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  • Stefanie am 22.10.2014 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für Wanderer:

    Nur so als Hinweis: Es gibt kleine PET-Fläschli mit Wasser oder anderen Getränken drin, die passen gut in jeden Rucksack!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Michi am 22.10.2014 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mich wundert nichts mehr.

    Dem Schweizer ist nix zu schade, wenn es was gratis gibt.

  • Jan Can am 22.10.2014 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ooohh brandgefährlich

    Ich bin noch nie daran gestorben. Jemand hier etwa schon?

    • parasiten,bakereien, viren am 22.10.2014 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      noch nicht...

      Bis du dann von einem Tag zum anderen Krank wirst. Nichg jeder hat ein gutes Immunsystem!!

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  • Enrico Malatesta am 22.10.2014 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Stadtwanderer

    Bei einer Bergtour oder Wanderung informiere ich mich zuerst. Ich will wissen, wie weit ich wandere, welche Route ich nehme, wie lange die Wanderung oder Tour voraussichtlich dauert. Entsprechend plane ich und nehme Wasser mit - nicht irgend ein Süssgetränk. Mein Hund begleitet mich - für ihn nehme ich ebenfalls Wasser mit. Ich schaue, wo es Bäche hat, dort kann sich mein Hund abkühlen. Brunnen sind - in der Regel - tabu. Und mit grossem Vergnügen sehe ich dann ab und zu "Stadtwanderer", welche sogar einen Grill mit auf die Alp schleppen, aber kein Wasser....

  • der franzose am 22.10.2014 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ecklig

    so viel zur sauberen schweiz tztztz

  • Bruno am 22.10.2014 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Micropur/Filter/abkochen

    Ich kann das nun nicht wissenschaftlich belegen, aber es wird erzählt, dass wenn man Wasser trinkt in deren Nähe oberhalb eine Kuhweide steht ist das nicht so schlimm wie bei einer Schafweide. Da wo ich wandere und Wasser benötige gibts selten Schafe, weil zu hoch. Da ich gerne lightweight laufe ist ein Microfilter wegen des Gewichtes nicht mein Ding. Ich koche das Wasser generell schnell ab, wenn ich es unterhalb einer weidbaren Fläche nehme. Für alle Mittelland- und Bergwanderer kann ich Micropur Tabletten empfehlen. Es schmeckt wegen der Chlorierung nicht so toll, ist aber sicher.