Strassennamen-Knatsch

03. Februar 2009 09:57; Akt: 03.02.2009 10:30 Print

Warum St. Gallen einen Rassisten ehrt

Die nach dem Burenführer Paul Krüger benannte «Apartheid-Strasse» in St. Gallen soll seit 1980 zur «Dürrenmattstrasse» umbenannt werden. Die Stadt tut sich schwer damit.

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Seit über 100 Jahren ehrt die Stadt St. Gallen als einziger Ort der Schweiz mit einem Strassennamen den Burenführer Paul Krüger, der als Wegbereiter der südafrikanischen Apartheid gilt. Ob die «Krügerstrasse» wie geplant auf Ende Mai 2009 in «Dürrenmattstrasse» umbenannt werden kann, ist noch offen.

In den 1980-er Jahren hatte die Anti-Apartheid-Bewegung vergeblich gegen die Umbenennung der Krügerstrasse im zentrumsnahen Vonwil-Quartier gekämpft. Erst der Tod von alt Bundesrat Kurt Furgler im letzten Juli brachte Bewegung in die Angelegenheit. Zum Andenken an den grossen St. Galler und früheren Justizminister wurde eine Strasse mit seinem Namen gefordert. Schliesslich beschloss der St. Galler Stadtrat im Oktober, Furgler auf dem Chrüzacker, wo das Bundesverwaltungsgericht entsteht, mit einer Strasse zu ehren. Die zuvor dort geplante «Dürrenmattstrasse» sollte auf Ende Mai 2009 die «Krügerstrasse» ersetzen. Durch die Rochade sollte der Dichter auf bequeme Weise den südafrikanischen Rassisten und Apartheid-Vorreiter vertreiben.

Errichten eines Mahnmals

Eine Stadtparlamentarierin der SP und der Quartierverein Lachen forderten, aus dem «Krüger»-Strassenschild ein Mahnmal zu errichten und eine Politikerin der Grünen verlangte vom Stadtrat das Bekenntnis, dass die Schweiz das Apartheid-Regime in Südafrika bis in die 1980-er Jahre unterstützt habe. Die blosse Umbenennung der Krügerstrasse sei «zu mager». In einer Umfrage des Quartiervereins unter den Anwohnern der «Krügerstrasse» sprachen sich allerdings die meisten gegen eine Umbenennung aus.

Eine ganz neue Sichtweise des Problems hat jetzt der emeritierte HSG-Professor Yvo Hangartner, der als staatsrechtlicher Gutachter schweizweit bekannt ist, in einem prominent platzierten Beitrag im St. Galler Tagblatt eröffnet. Für ihn war Krüger als der militärische Führer der Buren und Präsident der Transvaal-Republik im Krieg gegen das übermächtige englische Empire ein Freiheitskämpfer. Er sei aber auch unbestritten ein Rassist gewesen, schreibt Hangartner. Dies müsse jedoch zeitbedingt gesehen werden. Auf Anfrage sagte er der AP: «Zu jener Zeit waren ganz Europa und Nordamerika auf die gleiche Weise rassistisch. Wichtiger aber ist die Symbolwirkung, die Krüger hat. Er steht für ein kleines Volk, das von einer riesigen Übermacht bedrängt worden ist. Gleiches geschieht heute beispielsweise mit Tibet. So wie die Tibeter in der Schweiz auf Sympathien stossen, stiessen früher auch die Buren in unserem Land auf Sympathien.»

Seltsame Aufruhr

Für den Chef der Strassenbenennungs-Kommission bei der St. Galler Direktion für Bau und Planung, Theo Buff, ist der Wirbel um die Strassenumbenennung «seltsam und mysteriös». Ob aus der «Krügerstrasse» wie geplant Ende Mai die «Dürrenmattstrasse» werde, hänge von der stadträtlichen Beantwortung des noch hängigen grünen Vorstosses ab, meinte Buff.

(ap)