Au SG

16. Mai 2010 21:58; Akt: 17.05.2010 10:47 Print

Wegen Kopftuch-Verbot: Familie zieht nach Biel

von Sascha Schmid - Weil sie im Rheintal an der Schule kein Kopftuch tragen darf, zieht die Konvertitin Jessica (15) mit ihrer Familie nach Biel. Dort fürchtet man eine Sogwirkung des Islamischen Zentralrats.

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Jessica di Domenico (l.) und Mutter Tina Nasfi ziehen weg von Au. (Bild: sas)

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An der Oberstufe in Heerbrugg sind Kopfbedeckungen im Unterricht verboten. Dazu gehören Baseball-Caps, aber auch Kopftücher. Darüber stritten sich die Behörden mit Jessicas 7-köpfiger Kovertiten-Familie, seit diese letzten September nach Au gezogen war. Jessica blieb dem Unterricht die meiste Zeit fern. Nun zieht die Familie weg. Ziel: die IZRS-Hochburg Biel. «Dort ist man viel toleranter und man kann so herumlaufen, wie man will», glaubt Mutter Tina Nasfi, die mit Bieler Konvertiten befreundet ist und auch einige IZRS-Exponenten kennt. Im Rheintal seien sie als gläubige Muslime seit dem Minarett-Verbot angefeindet worden. Und: «Wir werden uns in Biel sicher freier fühlen.»

Dass die Familie ausgerechnet nach Biel zieht, ist wohl kein Zufall. Vor einem Jahr war bereits eine streng gläubige muslimische Familie nach jahrelangen Konflikten mit den Schaffhauser Behörden nach Biel umgezogen. Dies, weil die Kinder in Schaffhausen gestützt auf einen Bundesgerichtsentscheid in den gemeinsamen Schwimmunterricht mussten. Seither ist Ruhe: Ob die Kinder in Biel den Schwimmunterricht besuchen, ist allerdings nicht bekannt.

Die Zahl der Muslime in Biel hat sich seit 1990 vervielfacht und liegt heute laut Schätzungen bei rund 4000. Eine Entwicklung, die der grünliberale Stadtrat Alain Pichard beobachtet: «Die hohe Aufmerksamkeit des IZRS in den Medien hat eine grosse Sogwirkung auf gläubige Muslime», sagt Alain Pichard. Er kritisiert aber auch die Integrationsbehörden: «Der Multikulti-Gedanke ist bei uns schon fast zur Ideologie geworden.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ruth Gross am 17.05.2010 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    WEGREISE JA, ABER IN ANDERE RICHTUNG

    Herzlichen Glückwunsch zur Entscheidung wegzureisen!! Es wäre jedoch näher gewesen die CH-Grenze zu überschreiten.

  • geheim am 17.05.2010 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    7 deutschsprachige

    bei allem ist es doch toll 7 schweizer die deutsch reden ziehen nach biel...... also einige mehr in der stadt die schwiterdütsch redet ist doch ein fortschritt

  • luca weber am 17.05.2010 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Rassismus

    Hey wem interessierts eigentlich ob sie ein Tuch an hat oder nicht...Uns Schweizern ist es langweilig,,wir sind so prüde und aus eigener Wut rassistisch gegen andere Völker,,jetzt sind es Muslime,wenn die nicht wären wären es andere Ausländer...Und wenn die nicht wären würden wir uns wahrscheinlich gegenseitig auffressen. Es braucht halt immer einen Ventil gegen die eigene Frust.Und da sind ja zum Glück noch die Kopftuchträgerinnen die niemandem etwas zu leide tun..Lächerlich...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jon am 08.07.2010 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Türkei und Kopftuchverbot

    "70 Prozent aller türkischen Frauen tragen ein Kopftuch. Weil das Kopftuch seit dem Militärputsch von 1980 aber an allen öffentlichen Einrichtungen verboten ist, scheiden verbeamtete Berufe und staatliche Anstellungen für sie von vorneherein aus - ein Grund für die niedrige türkische Frauenerwerbsquote." (Quelle: Deutschlandfunk)

  • Kemal Yildiz am 23.06.2010 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Konvertiten wollen einfach provozieren!

    Ich stamme selber aus einer muslimischen Familie ohne das je eine Frau in unserer Familie sich verhüllen musste oder gar wollte. Trotzdem sind wir anständige und seriöse Menschen. Ich würde niemals eine Frau an meiner Seite haben oder akzeptieren, die ein Kopftuch geschweige denn ein Burka trägt. Diese "neuen Konvertiten" kann ich nicht ernst nehmen, ausser zu provozieren und den Muslimen zu schaden, haben sie bis jetzt noch nichts erreicht!

  • peter am 27.05.2010 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    am besten gleich alles verbieten

    burka verbieten => fasnacht verbieten, Kopftuch verbieten => (auch die Nonnen), Hut tragen verbieten => gutes Drogenversteck, Sonnenbrille verbieten => verdeckt die Augen,... was kommt als nächstes? Die Menschheit ist definitiv am verblöden!

  • Micha Siegfried am 20.05.2010 23:23 Report Diesen Beitrag melden

    Werte

    Ich möchte gerne eine grundsätzliche Frage in diese Runde werfen: In diesen Diskusionen werden häufig Werte angesprochen. Mich würde interessieren, was genau Eure Werte sind. Danke!

  • Hans Christoffel am 19.05.2010 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Kopftuchblödsinn

    Bevor bei uns nur eine Muslimin mit Kopftuch auftaucht ist, trugen unsere Mütter, Omas und viele Frauen schon Kopftücher. Nicht aus religiösen Gründen, sondern weil es praktisch war gegen Hitze und Kälte. War auch in den 50ern und anfangs 60er-Jahren ein Modetrend. Das Kopftuch wird heute noch in der Landbevölkerung im Tessin, Wallis, Graubünden etc. getragen. Ein generelles Verbot würde auch diese Frauen betreffen, man sieht ja nicht warum sie es tragen. Ich denke, jede Frau soll selbst entscheiden. Wenn unsere Kultur wegen ein paar Kopftüchern untergeht so soll sie es tun, aber sofort.

    • Alfred am 19.05.2010 18:58 Report Diesen Beitrag melden

      Worum geht es

      Es geht in de Artikel nicht um das Tragen von Kopfbedeckungen in der Öffentlichkeit, sondern in der Schule. Im weiteren geht es beim Burka- bzw. Niquabverbot um die Vollverschleirung des Gesichts.

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