Animal Hoarding

07. Dezember 2011 22:41; Akt: 07.12.2011 21:48 Print

Wenn die Tierliebe zur Krankheit wird

von Erika Pàl - 67 Katzen lebten in einer Thurgauer Wohnung auf engstem Raum. Mit Tierliebe hat das nichts mehr zu tun – vielmehr sind die Halter krank: Tier-Horten heisst das Phänomen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die 67 Katzen, die am Dienstag in Bürglen aus einer Wohnung evakuiert werden mussten (20 Minuten berichtete), sind wohlauf. Sie wurden alle geimpft und kastriert und können nun vermittelt werden. «Diese Geschichte hat die Menschen bewegt. Das Telefon läuft heiss. Viele möchten helfen und einem Büsi ein neues Zuhause geben», sagt Reinhold Zepf, Präsident des Thurgauischen Tierschutzverbands.

Während sich Tierschützer um die Katzen kümmern, sind die Halter von Bürglen ein Fall für den Psychiater: Animal ­Hoarding oder Tier-Horten ist eine psychische Störung. Der Betroffene hält und sammelt unkontrolliert Haustiere. «Diese Leute sind vergleichbar mit einem Messie, der alles sammelt oder sich von nichts trennen kann», sagt Thomas Knecht, leitender Arzt an der psychiatrischen Gutachter­stelle in Münsterlingen. Mögliche Ursachen gibt es viele: «Allenfalls liegt ein Hirnabbau vor wie bei Alzheimer oder bei übermässigem Suchtmittelkonsum», so Knecht. «Auch eine chronische Schizophrenie könnte das krankhafte Sammeln von lebenden Tieren verursachen.»

Heilbar ist es laut Knecht, sobald der Betroffene sein Problem erkennt und das eigentliche Leiden behandelt werden kann. In den meisten Fällen werde das zwanghafte Sammeln mit hochdosierten Antidepressiva bekämpft.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.