Mann vor Gericht

15. April 2019 04:49; Akt: 15.04.2019 09:29 Print

Frau sollte abtreiben, um in der Schweiz zu bleiben

Ein heute 25-jähriger Serbe muss sich am Dienstag vor Gericht verantworten. Er soll seine Frau mehrfach zur Abtreibung gedrängt haben.

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Der 25-Jährige und seine Frau lernten sich nach elterlicher Übereinkunft via Facebook kennen. Nach zwei Treffen verlobten sie sich Mitte August 2014 in der Schweiz und feierten anschliessend die religiöse Hochzeit bei einem Imam. Im Oktober folgte die standesamtliche Hochzeit in Serbien.

Mitte November 2014 war die Frau zum ersten Mal schwanger. Wie es in der Anklageschrift heisst, behauptet sie, die Familie ihres Mannes habe Druck ausgeübt, damit sie das Kind abtreibt. «Es bleibt jedoch unklar, ob es in der Folge im Dezember zu einer Fehlgeburt in der Schweiz und einer anschliessenden Ausschabung in Serbien kam oder ob das Kind in Serbien abgetrieben wurde», so die Staatsanwaltschaft. Für eine Anklage ergaben sich keine hinreichenden Verdachtsgründe, weshalb das Verfahren eingestellt wurde.

Sie versteht nichts, er nützt es aus

Im Dezember 2014 fand dann das grosse Hochzeitsfest in Serbien statt. Anfang Januar 2015 reiste das frisch vermählte Paar zurück in die Schweiz. Ende Januar stellte die Frau fest, dass sie wieder schwanger war.

Aufgrund von Übelkeit und Magenschmerzen suchte sie mit ihrem Ehemann einen Arzt auf. Da sie noch kein Deutsch sprach, verstand sie aber nicht, was dieser sagte. Sie erhielt Medikamente, und das Paar fuhr wieder nach Hause. Dort teilte ihr der Mann laut Anklage mit, dass der Arzt gesagt habe, dass etwas mit dem Kind nicht in Ordnung sei. Zu einer weiteren Kontrolle fuhr er sie zu einem anderen Arzt. Auch hier verstand sie nichts. Nach dem Verlassen der Praxis soll er ihr gesagt haben, dass es dem Kind nicht gut gehe und sie einen Termin für eine Abtreibung vereinbaren müssten.

Nachdem ihre Schwiegereltern ihr jedoch versicherten und weitere ärztliche Untersuchungen bestätigten, dass mit ihrem Kind alles in Ordnung war, sagte sie Nein zur Abtreibung.

Abtreibung gegen Papiere

In den Wochen nach dem letzten Arztbesuch verbesserte sich die Beziehung zwischen dem Ehepaar zunächst, so die Anklage. Bis der Beschuldigte Anfang März jedoch über seinen Onkel ihrem Vater ausrichten liess, dass er sich trennen wolle. Für die Ehefrau sei das völlig unerwartet gekommen. Die Trennung wurde dann im Familienkreis besprochen, beabsichtigt war eine traditionelle Trennung, keine Scheidung. Auch bei diesem Gespräch habe er sie wieder zur Abtreibung gedrängt. «Im Gegenzug dafür bot er ihr an, dass sie hierbleiben und die Papiere behalten dürfe», heisst es in der Anklageschrift. Sie widersetzte sich dem jedoch und trieb nicht ab.

Im vierten Schwangerschaftsmonat liess der Beschuldigte über seinen Onkel ausrichten, wenn sie das Kind behalte, werde sie nach Serbien abgeschoben. Wenn sie jedoch abtreibe, würde er dafür sorgen, dass sie in der Schweiz bleiben könne. Zudem soll er zu seiner Frau gesagt haben, dass sie ohne Bewilligung wieder in ihr Heimatland müsse und er dann kommen und ihr die Tochter wegnehmen würde.

Genugtuung gefordert

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Beschuldigten einen Schuldspruch wegen mehrfacher versuchter Anstiftung zum Schwangerschaftsabbruch sowie mehrfacher versuchter Nötigung – dies zu einer bedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten.

Die Verhandlung findet am Dienstag am Kreisgericht Rheintal statt. Die Frau ist Privatklägerin und fordert eine Genugtuung.

(taw)