Schlägerprozess

24. März 2011 20:11; Akt: 24.03.2011 20:37 Print

Wie hart werden Bauern-Schläger bestraft?

Drei Schläger haben im vergangenen Juni in Rehetobel AR einen wehrlosen Bauern brutal verprügelt. Nun sollen sie mit zwei bedingten und einer teilbedingten Freiheitsstrafe davon kommen.

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Der Schläger Z.J. wird abgeführt. (Bild: Marlene Kovacs)

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Für die Strafen plädierten die Verteidiger am Prozess am Donnerstag. Das Urteil steht noch aus. Es wird voraussichtlich nächste Woche eröffnet, wie er Vorsitzende des Ausserrhoder Kantonsgerichts sagte.

Vor Schranken standen drei Serben. Sie waren über einen Vermittler gedungen worden, um im Auftrag eines neidischen Nachbarn dem 34- jährigen Bauern einen Denkzettel zu verpassen. Der Nachbar behauptete, der Bauer habe seinen Kühen Gift gespritzt und sie krank gemacht.

Ganze Familie verprügeln

Laut Auftrag sollte die ganze Familie - der Vater des Bauern, seine Frau und drei Kleinkinder - verdroschen werden. Die drei Schläger vereinbarten jedoch, nur den jungen Bauern zusammen zu schlagen und der übrigen Familie kein Leid anzutun, wie sie sagten.

Der Anstifter und dessen Gehilfen müssen sich in einem separaten Verfahren zu einem späteren Zeitpunkt vor Gericht verantworten. Von ihnen forderten die Schläger nach Bezahlung von 17 500 Franken weitere 30 000 Franken. Bei der Geldübergabe wurden sie verhaftet. Der Anstifter hatte sich der Polizei gestellt. Als Beweis, dass sie die Familie schonten, erklärten die Täter, sie hätten dem Bauern schon am Vortag abgepasst - ihn dann aber in Ruhe gelassen, weil sein Vater dabei gewesen sei.

Tags darauf schlugen dann zwei der Angeklagten den Bauern mit Fäusten und einem Stock mit Eisenteil zusammen. Der Mann erlitt eine Hirnverletzung, einen Nasenbeinbruch, eine Risswunde über dem Auge, eine Trümmerfraktur an der Hand sowie Prellungen am ganzen Körper. Er lag auf der Intensivstation, musste mehrmals operiert werden und leidet noch unter Angstzuständen.

Die Anklage forderte für den 42-jährigen, mehrfach vorbestraften mutmasslichen Haupttäter wegen schwerer Körperverletzung, eventuell wegen Angriffs, subeventuell wegen versuchter schwerer Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Riesiger Kickboxer

Für den 31-jährigen Angeklagten, einen fast zwei Meter grossen «Riesen» - so die Polizei - von Beruf Maschinen-Ingenieur mit Hobby Kickboxen, beantragte der Staatsanwalt eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten sowie eine Busse. Ein Jahr soll er ins Gefängnis, 18 Monate sollen bedingt erlassen werden.

Für den 43-Jährigen, der Schmiere stand, wurden eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten und eine Busse verlangt. Der Vertreter des Bauern forderte rund 200 000 Franken Schadenersatz und 23000 Franken Genugtuung.

Die drei Verteidiger bestritten die schwere Körperverletzung und plädierten auf einfache Körperverletzung und Hausfriedensbruch. Der Vertreter des Haupttäters beantragte eine teilbedingte Strafe von 19 Monaten. Davon sollen 281 Tage vollzogen werden.

Der Verteidiger des «Riesen» plädierte auf 18 Monate bedingt. Der Mann sei geständig und reuig. Bei aller Verwerflichkeit sei nicht mit «richtigen Prügeln» zugeschlagen worden, sondern mit einem Besenstiel. Der Bauer habe keine bleibenden Schäden erlitten - eine Voraussetzung für schwere Körperverletzung.

Der Verteidiger des Schmiere-Stehers beantragte eine angemessene bedingte Strafe. Die Schadenersatzforderungen bezeichneten die Verteidiger als übertrieben. Alle drei Angeklagten sagen, sie bereuten die Tat.

(sda)